Suche

10.10.2018

Griechische Hotels müssen in Barrierefreiheit investieren

Senioren machen 15 Prozent der Gäste aus / Von Michaela Elena Balis

Athen (GTAI) - Senioren sind eine zunehmend wichtige Zielgruppe für den griechischen Tourismus. Hotelbetreiber sollten das Potenzial stärker nutzen und in Barrierefreiheit und Komfort investieren.

Die Tourismusbranche in Griechenland wächst auch im Jahr 2018. Zwischen Januar und Juli kamen fast 15 Prozent mehr Besucher als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Touristen aus Deutschland stieg sogar um mehr als ein Drittel. Für das Gesamtjahr gehen Branchenexperten von 32 Millionen Gästen aus.

Für griechische Hotelinhaber sind das gute Nachrichten. Allerdings müssen sie ihre Anlagen modernisieren, um wettbewerbsfähiger zu werden. "Der Druck für höhere Qualität kommt vom Markt selbst. Potenzielle Kunden können Hotelbewertungen bequem im Internet nachlesen und das Angebot dadurch weltweit vergleichen. Das erzeugt eine ganz neue Dynamik in der Branche", weiß Alexander Vassilikos, Präsident der Griechischen Hotelkammer. In Griechenland würden die Chancen daher gut stehen, dass sich die Branche auch qualitativ weiterentwickelt.

Senioren machen gerne Urlaub in Griechenland

Großes Potenzial bietet zum Beispiel der barrierefreie Tourismus für ältere Gäste und für Besucher mit körperlichen Beeinträchtigungen. Im Jahr 2016 trugen Reisende über 65 Jahre etwa 15 Prozent zu den Gesamteinnahmen bei, so das Institut des Griechischen Verbandes für Touristikunternehmen (INSETE). Der Anteil dürfte wegen der zunehmend alternden Bevölkerung im Kernmarkt Europa weiter steigen. Rund 93 Prozent der Gäste über 65 stammten 2016 aus europäischen Ländern, die meisten aus dem Vereinigten Königreich, Deutschland und Frankreich, so der Griechische Verband für Touristikunternehmen SETE (http://www.sete.gr).

Bauvorschriften zwingen zum Umbau

Viele Hotels in Griechenland sind allerdings bislang bautechnisch nicht ausreichend auf diese Zielgruppe eingestellt. Gemäß geltenden Bauvorschriften (NOK, G. 4067/2012, http://www.et.gr) haben sie noch bis 2020 Zeit, ihre Anlagen umzubauen, um Touristen einen barrierefreien Aufenthalt zu ermöglichen.

Das bedeutet, dass mindestens 5 Prozent der Zimmer behindertengerecht sein müssen, wobei der Gesetzgeber den Betreibern eine Obergrenze von fünf Zimmern pro Anlage gewährt. Auch die Zugänge müssen so umgebaut werden, dass Gäste das Hotel, den Aufzug und die Restaurants ohne Probleme erreichen können. Das gleiche gilt für Sanitärräume. Das Gesetz sieht allerdings bestimmte Ausnahmen vor, beispielsweise, wenn das Tragwerk eines Gebäudes einen Umbau nicht möglich macht. Bei neuen Hotels müssen Planer diese Vorschriften bereits vor dem Bau berücksichtigen.

Marktexperten weisen darauf hin, dass Hotelbetreiber auch in die Zimmerausstattung investieren müssen, um mehr Senioren anzulocken. Dazu zählen beispielsweise Stützgriffe, Badewannenlifte und eine stärkere Beleuchtung. Zudem können sie mit beheizten Schwimmbädern und passenden Fitnessangeboten ältere Gäste gezielt ansprechen.

Auch außerhalb der Hotels kann sich der griechische Tourismus noch besser auf ältere Menschen einstellen. "Senioren möchten auf ihren Reisen das gesamte Angebot des Landes kennenlernen", erklärt Vangelis Nikolaou, Experience Designer im Tourismus. "Sie sind aktiv, sie wollen Sehenswürdigkeiten besuchen, lokale Gerichte probieren und sich sportlich betätigen", fügt er hinzu. Zu den beliebtesten Aktivitäten zählten Wandern, Yoga, Schwimmen und Fahrradfahren.

Hohe Finanzierungskosten hemmen Investitionen

Die erforderlichen Anschaffungen und Nachrüstungen bieten deutschen Lieferanten grundsätzlich viele Geschäftschancen. Seit 2015 wurden landesweit 350 Investitionsprojekte im gehobenen Preissegment realisiert. Diese betrafen sowohl den Bau neuer Vier- und Fünf-Sterne-Hotels als auch die Renovierung bestehender Häuser in diesen Sternekategorien mit einer Gesamtkapazität von 26.000 Betten, so die Angaben des griechischen Tourismusministeriums. Zahlen zum Investitionsvolumen gab das Ministerium allerdings nicht bekannt.

Allerdings bleiben die Investitionsbedingungen für griechische Tourismusunternehmen insgesamt schwierig. Die Finanzierung von Projekten ist wegen der relativ hohen Kreditzinsen teuer. Im Vergleich zu anderen Zielmärkten in der Region zählt Griechenland ohnehin schon zu den teuren Reisedestinationen.

Hotelinhaber beklagen außerdem die Überbesteuerung der Hotelbranche. Neben der Körperschaftsteuer (29 Prozent) werden sie mit einer Mehrwertsteuer bis zu 24 Prozent belastet. Darüber hinaus fallen an: Immobiliensteuern, hohe Arbeitgeberkosten für Angestellte und eine Übernachtungsgebühr, die Anfang 2018 eingeführt wurde.

Unzureichendes Internet

Ein weiteres Hemmnis für die Weiterentwicklung der Tourismusbranche in Griechenland ist die schlechte Netzabdeckung. Reisende sind es mittlerweile gewohnt, Informationen zu Aktivitäten und Buchungen von unterwegs schnell über das Handy oder das Tablet abzurufen. In Griechenland ist das aber bislang nicht überall möglich, weiß Tourismusexperte Vangelis Nikolaou: "Das nicht ausgebaute Netz und die niedrige Internetgeschwindigkeit in vielen Orten erweisen sich als großes Problem." Dabei würden Touristen Portale erwarten, die das gesamte lokale touristische Angebot zusammenfassen.

Viele Hotels schließen im Winter

Eine weitere Möglichkeit die Tourismuseinnahmen zu steigern, ist eine Verlängerung der Urlaubssaison. Die meisten Hotels in den griechischen Ferienorten haben nur bis Ende Oktober geöffnet. Bautechnisch sind die meisten Anlagen jedoch nicht auf die kälteren Monate eingestellt, es fehlt an Heizungen und Isolierung. Entsprechende Investitionen wären erforderlich, um Gästen auch im Winter den gewohnten Komfort zu bieten.

Eine längere Saison setzt allerdings auch voraus, dass das kulturelle und geschäftliche Leben in den Ferienorten weitergeht. In den meisten Haupturlaubszielen des Sommers lassen Geschäfte, Tavernen und Kaffeehäuser ebenfalls im Winter die Rollläden runter. Die Orte sind menschenleer. Das müsse sich ändern, bestätigen Tourismusexperten. "Das gleiche gilt für Agenturen oder Büros, die Ausflüge und Aktivitäten organisieren", betont Branchenexperte Nikolaou.

Griechenland zählt rund 9.800 Hotels, so die Griechische Hotelkammer (Stand 2017, http://www.grhotels.gr). Fast zwei Drittel davon sind Zwei- und Drei-Sterne-Hotels. Nur ein Fünftel sind Vier- und Fünf-Sterne-Hotels.

AHK Griechenland organisiert Geschäftsreise für deutsche Hotel- und Tourismuszulieferer

Die Deutsch-Griechische Industrie- und Handelskammer (AHK Griechenland) organisiert vom 1. bis zum 4. April 2019 im Rahmen des Markterschließungsprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie eine Geschäftsanbahnungsreise zum Thema Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Hotel- und Tourismuszulieferer inklusive Dienstleistungen, Planung, Ausbaumaßnahmen, Barrierefreiheit im griechischen Tourismus. Die Reise wird gemeinsam mit ihrem Projektpartner, dem Beratungsunternehmen SBS GmbH und mit der Unterstützung der Branchenverbände Deutscher Auslandsbauverband e.V. (DABV), Verband Beratender Ingenieure (VBI), des Netzwerks Architekturexport der Bundesarchitektenkammer (NAX) sowie der TUI Deutschland GmbH (Special Service) durchgeführt.

Die Reise bietet insbesondere kleinen und mittelständischen deutschen Unternehmen die Möglichkeit, auf dem griechischen Markt aktiv zu werden und potenzielle Kooperations- und Geschäftspartner kennenzulernen. Die teilnehmenden Unternehmensvertreter werden während der gesamten Reise von erfahrenen Mitarbeitern der AHK Griechenland begleitet und bei ihren Geschäftsanbahnungsaktivitäten unterstützt.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Griechenland sind unter http://www.gtai.de/griechenland abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Griechenland Hotels

Funktionen

Sofia Hempel Sofia Hempel | © GTAI/Rheinfoto

Kontakt

Sofia Hempel

‎+49 228 24 993 215

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche