Suche

06.07.2018

Griechische Reeder setzen auf deutsche Technologie

Neue Umweltvorschriften zwingen zu Investitionen / Von Michaela Elena Balis

Athen (GTAI) - Die griechische Schifffahrt bietet deutschen Herstellern von maritimer Ausrüstung gute Chancen. Das gilt sowohl für neue als auch gebrauchte Schiffe, die umgerüstet werden müssen, um den neuen Umweltstandards zu genügen. (Kontaktadresse)

Im Jahr 2017 kauften griechische Reedereien so viele Schiffe wie keine andere Nation (siehe "Griechische Reedereien auf Einkaufstour", http://www.gtai.de/MKT201805168009). Laut griechischem Reederverband kamen aus dem Land fast 10 Prozent der weltweiten Bestellungen von Neufahrzeugen. Insgesamt flossen über 9 Milliarden US-Dollar in den Erwerb von neuen und gebrauchten Schiffen.

Beim Neubau greifen griechische Eigner gerne auf maritime Ausrüstung wie Schiffskessel und Brenner aus Deutschland zurück, wie mehrere Marktakteure auf der diesjährigen Branchenmesse Posidonia im Juni 2018 gegenüber Germany Trade & Invest berichteten. Selbst wenn sie Schiffe in Südostasien fertigen lassen, seien sie in der Lage, Druck auf die Werften ausüben, so dass deutsche Technik zum Einsatz kommt.

Deutsche Scrubber erobern den Markt

Auch wenn es um die Umrüstung gebrauchter, älterer Schiffe geht, ist deutsche Technik gefragt. "Neben Online- und Radarsystemen sind vor allem Abgasreinigungssysteme, auch Scrubber genannt, wegen ihrer Qualität sehr beliebt", erzählt Gerasimos Zolotas, Berater der auf Schiffsfinanzierungen spezialisierten Gesellschaft Eurofin. Seit 2008 ist Eurofin für die KfW IPEX-Bank in Griechenland tätig.

Ab dem Jahr 2020 gelten neue Umweltvorschriften der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (International Maritime Organisation, IMO), die weltweit einen Schwefelgehalt von höchstens 0,5 Prozent für Schiffskraftstoffe vorsehen. Dadurch sollen die gesundheits- und umweltgefährdenden Emissionen verringert werden. Bereits heute gelten in definierten Gebieten wie der Nord- und Ostsee, den sogenannten SECA, strengere Grenzwerte von 0,1 Prozent Schwefelgehalt im Kraftstoff.

Schiffseigner haben derzeit zwei Möglichkeiten: Wenn sie weiterhin den billigeren hochschwefelhaltigen Kraftstoff nutzen wollen, müssen sie Abgasentschwefelungsanlagen, sogenannte Scrubber, einbauen. Die Alternative: Sie steigen auf teureren schwefelarmen Kraftstoff oder schwefelfreies Flüssigerdgas (LNG) um.

Sollte sich die Scrubber-Technik durchsetzen, und neueste Entwicklungen im Markt deuten darauf hin, werden laut Marktkennern vor allem europäische und US-amerikanische Lieferanten den griechischen Markt beherrschen. So haben deutsche Unternehmen, zum Beispiel Saacke und Bilfinger Engineering & Technologies, innerhalb kurzer Zeit erfolgreich auf dem griechischen Markt für Abgasreinigungssysteme Fuß gefasst.

Mittelfristig dürften sich auch chinesische Anbieter behaupten. Unternehmen aus dem Reich der Mitte bemühen sich derzeit vermehrt, sich auf dem griechischen Schiffsmarkt zu etablieren. Das zeigt nicht zuletzt ihre starke Präsenz auf der Messe Posidonia. Nach einheimischen Ausstellern waren chinesische am häufigsten vertreten.

Reeder müssen neue Ballastwasservorschriften beachten

Reeder müssen außerdem seit September 2017 dafür sorgen, dass das Ballastwasser gereinigt, beziehungsweise desinfiziert wird. Dadurch soll gemäß der "Ballast Water Management Convention" der IMO verhindert werden, dass invasive Arten von einem Gewässer in das andere verschleppt werden. Die Säuberung kann unter Anwendungen verschiedener Behandlungsprozesse erfolgen, zum Beispiel mit Hilfe einer mechanischen Vorfiltration und einer anschließenden chemischen oder physikalischen Desinfektion. Für amerikanische Gewässer gibt es eigenständige Regularien. Dort gilt bereits heute das "US-Coast Guard Type Approval (USCG)", wobei die Reinigungsvorschriften strenger sind als die Vorgaben der IMO.

"Für griechische Reeder ist das USCG Type Approval von besonderer Bedeutung", sagt Sven Jadzinski, Vertriebsleiter bei GEA Westfalia Separator Group. Zum einen könnten die griechischen Reeder vorschriftsmäßig amerikanische Häfen anlaufen, zum anderen sei der Wiederverkaufswert ihrer Schiffe höher, so der Experte.

Weil griechische Reeder vor allem große Schiffe wie beispielsweise Tanker besitzen, deute sich eine gewisse Präferenz für Elektrolyseverfahren ab, um das Ballastwasser zu desinfizieren. Allerdings würden Investitionen und Nachrüstungen von Systemen weiterhin bis zur letzten Minute aufgeschoben, weiß Jadzinski.

Eigner entscheidet in Griechenland über die Technologie

Die griechische Schifffahrtsbranche unterscheidet sich von denen anderer Länder. Während anderswo Managementgesellschaften die Schiffe verwalten, sind in Griechenland die Reeder präsent. Hier entscheidet häufig direkt der Eigner, mit welchem Hersteller er zusammenarbeiten will. Deshalb ist der persönliche Kontakt ausschlaggebend.

Nicht immer sind deutsche Unternehmen jedoch erfolgreich auf dem griechischen Markt, wissen Branchenkenner. Vor allem mangele es häufig an Flexibilität und der Bereitschaft, individuelle Lösungen anzubieten. Gefragt seien dagegen eine hohe Anpassungsfähigkeit und ständige Erreichbarkeit - auch außerhalb der allgemein gültigen Arbeitszeiten. Ein wichtiges Kriterium für die Wahl des Lieferanten seien zudem variable Zahlungsziele, obwohl es auf dem griechischen Schiffsmarkt nicht an Eigenkapital fehlt. Attraktiv sind auch Finanzierungspakete, die ein Unternehmen mitbringt, zum Beispiel über die KfW IPEX-Bank.

Exportinitiative GeMaX unterstützt deutsche Lieferanten

Um deutsche Lieferanten auf ihrem Weg in ausländische Märkte zu unterstützen, wurde die Exportinitiative GeMaX gegründet. GeMaX verknüpft die Finanzierung von Neubau- und Nachrüstprojekten durch ihre Mitgliedsbanken KfW IPEX-Bank und der Ausfuhrkreditanstalt AKA mit einer Verpflichtung des Kunden, deutsche Zulieferung zu berücksichtigen.

Die erfolgreiche Informationsveranstaltung zum Thema Finanzierung für Umbau und Nachrüstung im April 2018 in Piräus soll wiederholt werden. Hieran beteiligten sich neben der KfW IPEX-Bank und Euler-Hermes auch Designfirmen und Ausrüstungszulieferer unter den GeMaX-Mitgliedern.

Mehrere Mitgliedsunternehmen der GeMaX haben an der Posidonia teilgenommen, zum Beispiel die Firmen Bilfinger Engineering & Technologies, Saacke, Siemens, Man Diesel & Turbo, Becker Marine Systems, Mecklenburger Metallguss MMG und Fassmer. Insgesamt zählte Deutschland 142 Aussteller und stand hinter Griechenland und China an dritter Stelle in der Rangordnung der Aussteller.

Die nächste Messe Posidonia findet vom 1. bis zum 5. Juni 2020 in Athen im Messezentrum Metropolitan Expo.

Kontaktadresse

GeMaX - c/o Verband für Schiffbau und Meerestechnik e.V.

Dipl. Ing. Christian Schneider (Project Leader GeMaX)

T: +49 40 28 01 52 39

F: +49 40 28 01 52 30

info@german-maritime-export.de

http://www.german-maritime-export.de

Dieser Artikel ist relevant für:

Griechenland Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Wasserfahrzeuge

Funktionen

Kontakt

Paul Stricker

‎+49 228 249 93 819

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche