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29.11.2017

Griechischer Hotelmarkt zieht ausländische Investoren an

Renovierungsarbeiten in Millionenhöhe angekündigt / Tourismusverband rechnet bis 2021 mit 35 Millionen Besuchern / Von Michaela Balis

Athen (GTAI) - Der griechische Tourismussektor freut sich über weiterhin steigende Besucherzahlen aus dem Ausland. Um von diesem Aufschwung zu profitieren, übernehmen internationale Hotelbetreiber wie Four Seasons oder Hyatt Regency bestehende Hotels im Land und investieren Millionenbeträge in deren Instandsetzung. Auch der deutsche Touristikkonzern TUI baut seine Präsenz auf dem griechischen Markt aus.

Griechenlands Hauptstadt Athen wird als Zielort für City-Reisen immer beliebter: Zwischen Januar und September 2017 besuchten etwa 3,8 Millionen Gäste die Stadt an der Akropolis, rund 5% mehr als im Jahr zuvor, so der griechische Touristikverband SETE. Internationale und griechische Immobiliengesellschaften und Investitionsfonds blicken daher mit zunehmendem Interesse auf den Athener Hotelmarkt. Allein im Zentrum gibt es 226 Hotels, hinzukommen rund 4.500 Wohnungen, die über Internetplattformen wie Airbnb angeboten werden.

Internationale Ketten geben Millionen für Renovierungen aus

Die internationale Hotelkette Four Seasons Hotels and Resorts wird im Frühling 2018 die Fünf-Sterne-Anlage Astir Palace Hotel Athens übernehmen. Für die Renovierung und den Bau von 13 Luxusvillen sind etwa 100 Millionen Euro veranschlagt. Um die Instandsetzung des Hotels kümmert sich die Baufirma Aktor des Konzerns Ellaktor.

Das Athener Luxushotel Athens Ledra wird ab kommendem Jahr griechischen Pressemeldungen zufolge zur Hyatt-Regency-Hotelfamilie gehören. Ein Jahr nach seiner Schließung hat die US-amerikanische Immobilienfirma Hines und Henderson Park das Hotel für 33 Millionen Euro erworben. Das Management wird die griechische Hotelgruppe Daskalantonakis verantworten. Die Renovierungsarbeiten sollen rund 8 Millionen Euro kosten.

Das griechische Immobilieninvestitionsunternehmen Ble Kedros AEEAP der griechischen Innenausstattung- und Hotelgesellschaft Coco Mat investiert etwa 10 Millionen Euro in ein neues Hotel in der Nähe der Akropolis. Das dritte Hotel der Gesellschaft in Athen soll Pressemeldungen zufolge Anfang 2019 betriebsbereit sein.

Auch der amerikanische Hotelkonzern Wyndham will zwei Hotels in Attika übernehmen, die ab 2018 Gäste empfangen werden. Die Immobiliengesellschaft Grivalia Hospitality mit Sitz in Luxemburg plant ebenfalls in Hotelanlagen in Athen zu investieren. An dem Unternehmen ist der britische Investitionsfonds M&G Investments zu 50 Prozent beteiligt.

TUI will neuen Robinson Club auf Kreta bauen

Das Interesse ausländischer Hotelketten ist jedoch nicht nur auf Athen allein beschränkt: Der deutsche Touristikkonzern TUI plant seine Aktivitäten in Griechenland deutlich auszubauen. Rund zehn Projekte werden bereits bearbeitet. So soll zum Beispiel ein neuer Robinson Club auf Kreta in Ierapetra errichtet werden, wie Frank Püttmann gegenüber Germany Trade and Invest berichtete. Er ist Leiter der Abteilung Public Policy im Bereich Group Corporate & External Affairs der TUI Group. Der Reiseveranstalter besitzt bereits 32 Hotels in Griechenland und arbeitet mit 1.500 weiteren zusammen.

TUI habe, so Püttmann, mit der griechischen Regierung einen Masterplan vereinbart, um unter anderem die Saison in den Tourismushochburgen wie Kreta zu verlängern: "Das ist ein guter Plan und eine Win-Win-Situation für alle Partner im Tourismus." Bereits ab 2018 würden TUI-Flüge von März bis November Gäste nach Hellas befördern.

Griechische Hotels müssten sich auf eine längere Saison jedoch erst einmal einstellen und zum Beispiel in neue Heizungsanlagen und in die Wärmedämmung investieren. Damit der Plan mit der verlängerten Saison aufgeht, müssten auch Kulturanbieter, Gastronomiebetriebe und medizinische Einrichtungen länger geöffnet haben. In vielen Ferienorten lassen Restaurants, Cafés und Geschäfte bereits ab Oktober die Rollläden runter.

Auch der griechische Staat ist in der Pflicht: Die Infrastruktur ist in schlechter Verfassung, Investitionen in Häfen, vor allem auf den kleinen Inseln sind längst überfällig. Bei schlechtem Wetter ist es für die großen Schiffe oft gefährlich die kleinen nicht ausreichend ausgebauten Häfen anzusteuern. Auch die Straßen wirken vielerorts wenig einladend: Enge und mit Schlaglöchern übersäte Landstraßen führen die Touristen zu ihren Luxusdomizilen. Bei der Modernisierung regionaler Flughäfen geht es dagegen voran: Auf Santorini, Mykonos, Corfu, Kos und Chania auf Kreta werden die Airports durch den neuen deutsch-griechischen Betreiber Fraport-Slentel bereits renoviert.

Branche muss 7 Milliarden Euro investieren

Fast 19 Millionen Gäste (ohne Kreuzfahrttouristen) besuchten Hellas zwischen Januar und August 2017, rund 10 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bis Ende des Jahres rechnet der griechische Tourismusverband SETE mit 28,5 Millionen Gästen, allerdings unter Berücksichtigung der rund 2,5 Millionen Kreuzfahrttouristen. Im Jahr 2018 sollen es 30 Millionen und bis 2021 sogar 35 Millionen Reisende werden, so SETE. Sie sollen der Branche dann 20 Milliarden Euro einbringen. Damit diese Kalkulation aufgeht, müssten in Griechenland deutlich mehr Vier- und Fünfsternehotels gebaut werden. Die nötigen Investitionen werden auf etwa 7 Milliarden Euro geschätzt.

Für das Gesamtjahr 2017 rechnet SETE mit Einnahmen von rund 14 Milliarden Euro. In den ersten acht Monaten kam die Branche auf 10,5 Milliarden Euro, das sind 9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, aber fast 1 Prozent weniger als im Jahr 2015. SETE schiebt den Rückgang auf die kürzere Reisedauer.

Besucher aus den EU-Mitgliedstaaten gaben zwischen Januar und August 2017 etwa 14,5 Prozent mehr als im Vorjahr aus. Um 29,0 Prozent stiegen die Einnahmen durch Gäste aus Deutschland, um 19 Prozent aus Frankreich und um 17,7 Prozent aus dem Vereinigten Königreich.

Neue Bettensteuer gefährdet Wachstum

Neue Steuern wie die ab 2018 neu eingeführte Bettensteuer könnten den Aufschwung jedoch bremsen. Die Bettensteuer wird die Branche rund 350 Millionen Euro kosten, schätzt das internationale Beratungsunternehmen Grant Thornton.

(B.E)

Dieser Artikel ist relevant für:

Griechenland Hochbau, Tourismus, Hotels

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