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03.11.2017

Größte und modernste Sternwarte der Welt in Chile kauft Hightech-Instrumente

Deutschland ist Mitgliedsland / Davon profitieren deutsche Zulieferer bei den Ausschreibungen / Von Anne Litzbarski

Santiago de Chile (GTAI) - Die europäische Südsternwarte errichtet in Chile das weltweit größte optische Teleskop. Dafür kauft sie Ausrüstung, Instrumente sowie Technik, unter anderem um die Energieeffizienz und den Anteil erneuerbarer Quellen zu steigern. Deutsche Unternehmen liefern bereits für verschiedene Weltraumprojekte in Chile. Auch das neue Prestigevorhaben Extremely Large Telescope wird zu einem großen Teil aus Europa bestückt werden. (Kontaktadressen)

Die Europäische Südsternwarte (European Southern Observatory) ist ein europäisches Forschungsinstitut. Die ESO entwirft, baut und betreibt weltweit astronomische Einrichtungen zur Weltraumbeobachtung. Auf der Veranstaltung "Industry Day" in Santiago de Chile im Oktober 2017, die Chiles Auslandshandelskammer und die Bayerische Repräsentanz für Südamerika organisiert hatten, lud die Forschungseinrichtung deutsche Firmen ein, sich an den laufenden und zukünftigen Ausschreibungen zu beteiligen.

Bau eines Riesenteleskops nahe der bisherigen Sternwarten in Chile

Der Bau des Extremely Large Telescope (ELT) gilt als Hauptaufgabe der ESO in den kommenden Jahren. Die Inbetriebnahme des weltweit größten optischen Teleskops ist für 2024 geplant. Baubeginn war im Mai 2017. In die Investitionskosten von etwa 1,2 Milliarden Euro sind Instrumente und Notfallplanung eingerechnet. Das Großteleskop erhält einen Hauptspiegel mit circa 39 Metern Durchmesser, der aus 798 sechseckigen Spiegelelementen zusammengesetzt sein wird. Ein Fünfspiegelsystem erlaubt die innovativste adaptive Optik, die zurzeit möglich ist. Das ELT soll beispielsweise 15-mal mehr Licht einfangen als bisherige Teleskope.

Die ESO wird das ELT im Norden Chiles in der Nähe ihrer bereits vorhandenen Sternwarten errichten, um große Teile der zum Betrieb der Teleskope notwendigen Infrastruktur gemeinsam zu nutzen. In der dortigen Atacama-Wüste herrschen zudem hervorragende klimatische Bedingungen für die Astronomie: eine trockene Atmosphäre und geringe Luftströmungen. Dort befindet sich mit dem Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (ALMA) bereits das größte Radioteleskop der Welt sowie das wohl derzeit bekannteste Teleskop der ESO, das Very Large Telescope (VLT). Das Paranal-Observatorium beherbergt neben dem VLT und den VLT-Hilfsteleskopen mit VISTA und dem VST auch zwei Teleskope, die speziell für großflächige Himmelsdurchmusterungen ausgelegt sind.

Chancen für Hightech und Software "made in Germany"

Auf dem Industry Day stellten die ESO-Vertreter die Pläne zum Betrieb der Einrichtungen vor. Sie möchten Möglichkeiten schaffen, die Gebäude und Anlagen auszuweiten und zu optimieren im Hinblick auf Energieeffizienz, Wasserversorgung, Abfall und Recycling, E-Mobilität sowie eine bessere Klimatisierung. Obwohl Deutschland Lösungen wie Solarpanels in Chile bereits in anderen Projekten bereitstellt, könnten hier eher nahe Lieferländer wie Brasilien oder Chile selbst zum Zuge kommen. Chancen für deutsche Anbieter ergeben sich allem in den Bereichen wissenschaftliche Instrumente, Mechanik, Elektronik, Glasfasertechnologie, adaptive Optik oder Softwareentwicklung.

Zu den für 2018 geplanten Ausschreibungen gehören etwa die Bereitstellung von 132 Schaltschränken mit Kühlwärmetauscher unter geringem Stromverbrauch oder die Konzipierung und Herstellung eines hochgenauen Fernmesstechnologienetzwerks zur Überwachung der relativen Positionen von Teleskopspiegeln mit berührungsloser, mikrometergenauer optischer Erfassung in industrieller Umgebung.

Großer Teil der bisherigen Lieferungen aus Deutschland

Beim bisher bekanntesten Projekt Very Large Telescope steuerten die deutsche Industrie und Wissenschaft ein Drittel der Instrumente bei. Auf Planungsebene war der Anteil von "Made in Germany" noch höher: Einrichtungen wie die Universität Göttingen, die Heidelberger und mehrere Münchener Sternwarten stellten sechs von sieben Instrumenten bereit. Auch beim Prestigevorhaben ESO spielt die deutsche Industrie eine Rolle: Im Januar 2017 erhielt die Schott AG den Zuschlag für die Herstellung und Lieferung von Glaskeramik. Seit Mai läuft die Produktion des 4,25 Meter großen Sekundärspiegelträgers.

Siemens erhielt den Auftrag, drei Umspannstationen zu liefern und zu installieren. Die Kompaktstationen sind modulare, vorgefertigte und in der Fabrik vorab getestete E-Houses, die vor Ort montiert, angeschlossen und in Betrieb gesetzt werden. Sie sind mit Mittel- und Niederspannungsschaltanlagen, Trockentransformatoren und Sekundärsystemen ausgestattet und versorgen die Teleskope mit Energie.

Der Hauptsitz der ESO mit der Verwaltung und den wichtigsten wissenschaftlichen und technischen Abteilungen befindet sich in Garching bei München. Die Zentrale treibt die Entwicklung neuer Instrumente für die Observatorien voran.

Fernando Comerón, ESO-Repräsentant in Chile sagte gegenüber Germany Trade & Invest, die Hälfte der etwa 650 Mitarbeiter lebe in Chile, die andere in Europa. Von den rund 150 Deutschen im ESO-Team arbeiten etwa 20 in Chile.

ESO zu fairer Verteilung zwischen den Mitgliedsstaaten verpflichtet

Der chilenische Staat hat der Europäischen Südsternwarte nicht nur Land für den Bau der Verwaltungsgebäude und des Teleskopes übertragen, sondern auch die Umgebung des Geländes für 50 Jahre zur Schutzzone erklärt, um Beeinträchtigungen durch Lichtverschmutzung oder Bergbauarbeiten zu verhindern. Wegen des Sonderstatus als Gastgeber richten sich manche Ausschreibungen nur an chilenische Unternehmen, andere dagegen ausschließlich an die aus Mitgliedsländern. Sie erfolgen nicht nach chilenischen, sondern nach eigenen Regularien. Ein Angebot kann zum Beispiel später nicht ergänzt oder geändert werden (one shot only). Alle Veröffentlichungen erfolgen in englischer Sprache. Potenzielle Subkontratoren erfahren die Ausschreibungsgewinner im Internet.

Beschaffungen aus einer Quelle müssen möglichst vermieden werden. Wenn der Wert voraussichtlich 150.000 Euro unterschreitet, gilt ein vereinfachtes Prozedere. Deutsche Unternehmen können direkt mit Florence Perrault (Einkäufe und Beschaffungen, fperraul@eso.org) ins Gespräch kommen, sich vorstellen und Vorschläge einreichen.

Bei Beschaffungen über 150.000 Euro erhalten die ESO Industry Liaison Officers die Möglichkeit, Vorschläge zu unterbreiten. Jedes Mitgliedsland kann fünf Firmen melden. Das Liaison Office Deutschlands ist beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) angesiedelt. Es stellt Kontakte zwischen deutschen Unternehmen und Forschungszentren her und fördert als Verbindungsstelle zur Industrie außerdem Kontakte zu den europäischen Forschungseinrichtungen CERN, ILL und ESRF in Genf und Grenoble.

Kontaktadressen

European Southern Observatory ESO (Europäische Südsternwarte)

Alonso de Córdova 3107

Vitacura, Región Metropolitana, Chile

T +56 224 63 30 00

https://www.eso.org/public/germany/industry/

Ansprechpartner:

Florence Perrault (Einkäufe und Beschaffungen): fperraul@eso.org

Maxime Boccas (Wartung, Unterstützung und Ingenieursdienstleistungen für Paranal): mboccas@eso.org

Christine Desbordes (Logistik Paranal): cdesbord@eso.org

Karen Vallejo (Logistik am Verwaltungsgebäude Vitacura): kvallejo@eso.org

Roberto Tamai (Geschäftsführer des Projekts ELT): rtamai@eso.org

Frank Ruseler (Verwaltung des Projekts ALMA): fruseler@alma.cl

Tzu-Chiang Shen Shen (IT des Projekts ALMA): Tzu-Chiang.Shen@alma.cl

Fernando Comerón (Repräsentant ESO Chile): fcomeron@eso.org

Arnout Tromp (Leiter Verträge und Beschaffung in Garching): atrom@eso.org

T 089 3200 64 38

Informationen über den Ausschreibungsprozess der ESO:

http://www.eso.org/public/industry/cp/docs/CP_ESO_procurement.pdf

Zukünftige Ausschreibungen:

http://www.eso.org/public/industry/cp/docs/CFT-advance.html

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Ansprechpartner: Wilfried Löhr, Liaison Officer

Edelweißer Str. 6la

82194 Gröbenzell

T 08142 462 95 44

wilfried_loehr@yahoo.de

(A.LI.)

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Chile Elektrotechnik/Elektronik allgemein, Computer, -Hardware, Peripheriegeräte etc., Elektronische Bauelemente, Mess- und Regeltechnik, Augenoptik, Fototechnik u. Imaging, Photonik u. Präzisionstechnik (einschl. Optoelektronik), Ausschreibungswesen, Mikrosystemtechnik

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Judith Illerhaus

‎+49 228 24 993 248

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