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12.10.2018

Große Dynamik in Portugals Kraftfahrzeugindustrie

Neue Entwicklungszentren für Autovernetzung und autonomes Fahren / Von Miriam Neubert

Lissabon (GTAI) - Die hohe Auslastung bei Volkswagen Autoeuropa durch den Geländewagen T-Roc treibt Portugals Autoproduktion an. Impulse erhält die Zulieferindustrie auch aus dem spanischen Vigo.

Portugals Kraftfahrzeugproduktion erlebt 2018 einen kräftigen Schub. Trotz rückläufiger Produktionszahlen im August sind nach Angaben des Autoherstellerverbandes ACAP seit Jahresbeginn über 189.500 Kraftfahrzeuge von den Bändern der vier Werke im Lande gerollt. Das war ein Plus von 85,3 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Das von Portugals Automobilcluster Mobinov ausgerufene Ziel von 300.000 Kraftfahrzeugen im Jahr 2020 könnte bei Anhalten dieser Dynamik schon 2018 erreicht werden.

Die treibende Kraft dahinter ist Volkswagen Autoeuropa in Palmela, 30 Kilometer südlich von Lissabon. Dort stieg die Pkw-Produktion um 141 Prozent auf 143.000 Einheiten. Es ist ein neuer Rekord in den 26 Jahren seit Bestehen des Autowerks, der größten ausländischen Direktinvestition in Portugal. Rund 670 Millionen Euro hat VW seit 2014 in den Ausbau des Werks investiert. Darunter die Umstellung auf den sogenannten modularen Querbaukasten (ein Baukastensystem für Autos mit quer eingebauten Motoren und Getrieben) und die Produktion des neuen Geländewagens T-Roc, die im Sommer 2017 unter dem Motto "Ready to Roc" angelaufen ist. Der Volkswagen Sharan und der SEAT Alhambra werden ebenfalls in Palmela gebaut. Seit Sommer 2018 wird Pressemeldungen zufolge in vier Schichten rund um die Uhr produziert.

Auch die Produktionszahlen von Peugeot Citroën haben seit Jahresbeginn 2018 um 15 Prozent zugenommen. Laut Nachrichtenagentur Lusa wird es im Herbst einen Modellwechsel im bisherigen Kastenwagensegment geben. Zusammen mit den spanischen Werken der PSA-Gruppe (Vigo, Madrid, Zaragoza) bildet das in Mangualde den Iberischen Pol des französischen Autokonzerns.

Export ist alles

Laut ACAP gingen 96,4 Prozent der von Januar bis August 2018 gefertigten Kraftfahrzeuge ins Ausland. Die Mehrzahl, mit einem Anteil von 90,2 Prozent, in die Länder Europas, allen voran Deutschland (21 Prozent), Frankreich (14,6 Prozent), Italien (11,7 Prozent) und Spanien (10,9 Prozent).

Die Anteile an der Kraftfahrzeugproduktion verteilten sich in den ersten acht Monaten 2018 laut ACAP wie folgt: VW Autoeuropa mit kräftigem Zuwachs auf 75,4 Prozent, Peugeot Citroën +21,1 Prozent, Mitsubishi Fuso Truck Europe +2,8 Prozent, Toyota Caetano +0,7 Prozent. Die 9 Busse von Caetano Bus schlugen sich noch nicht nieder.

Produktionsvolumina der portugiesischen Automobilindustrie (in Einheiten; Veränderung in %)
Kategorie 2016 2017 Veränderung 2017/2016 Januar bis August 2018 1) Veränderung 2)
Insgesamt 143.096 175.544 22,7 189.544 85,3
.Pkw 99.200 126.426 27,4 152.257 117,3
.leichte Nutzfahrzeuge 39.712 42.816 7,8 33.869 22,4
.Lkw 4.184 6.302 50,6 3.418 -25,6

1) Vorläufige Daten; 2) Januar bis August 2018 im Vergleich zu Januar bis August 2017

Quelle: ACAP

Produktionsvolumina der portugiesischen Automobilindustrie nach Werken (in Einheiten; Veränderung in %)
Kategorie 2016 2017 Veränderung 2017/2016 Januar bis August 2018 1) Veränderung 2)
.Volkswagen Autoeuropa 85.126 110.256 29,5 142.864 140,9
.Peugeot Citroën 49.465 53.645 8,5 39.986 14,5
.Mitsubishi Fuso Truck Europe 6.682 9.730 45,6 5.353 -19,1
.Toyota Caetano 1.823 1.913 4,9 1.332 -9,4

1) Vorläufige Daten; 2) Januar bis August 2018 im Vergleich zu Januar bis August 2017

Quelle: ACAP

Elektroantrieb und Wasserstoffzelle

Beide Nutzfahrzeughersteller reagieren auf die neuen Mobilitätskonzepte vieler Städte, die emissions- und geräuscharme Mobilitätslösungen nachfragen. So gibt es die im nordportugiesischen Tramagal von Mitsubishi Fuso Truck and Bus Corporation (MFTBC) hergestellten Lkw der Marke Fuso Canter schon seit 2012 in einer Hybrid- Variante. Im Jahr 2017 war die Serienproduktion des ersten, vollelektrischen Leicht-Lkw eCanter angelaufen. Dieser wird in Tramagal für den europäischen und den US-Markt hergestellt. Das Batteriesystem liefert Daimler Accumotive aus Deutschland. Große Logistikkonzerne führen bereits erste Elektrotrucks ein. Im Sommer 2018 orderte die Stadt Lissabon zehn Kommunalfahrzeuge mit Elektroantrieb.

Auf Wasserstoffzellen setzt Caetano Bus. Im September 2018 stellte das Unternehmen das Projekt Fuel Cell Bus vor, das den Bau eines Busses mit Brennstoffzelle in Partnerschaft mit Toyota vorsieht. Ende 2019 sollen die ersten Fahrzeuge produziert werden.

Neue Technologiezentren

Die Vernetzung von Kraftfahrzeugen und autonomes Fahren sind Themen, die Forschung und Entwicklung nach Portugal ziehen. So hat Bosch in Braga seine Präsenz verstärkt und Ende Mai 2018 ein Technologiezentrum eröffnet. Am Standort sollen 200 Ingenieure an der Entwicklung von Sensoren und Software für das automatisierte Fahren arbeiten. Ein wichtiger Forschungspartner ist die Universität Minho. In Braga fertigt und entwickelt Bosch Multimediakomponenten für vernetzte Mobilität. Auch Volkswagen investiert in Lissabon in ein Zentrum für Softwareentwicklung für vernetzte Fahrzeuge.

Laut dem portugiesischen Verband der Kfz-Komponentenhersteller Afia, gibt es in der Branche zahlreiche Investitionen. Im Jahr 2017 erzielten die Teilehersteller mit 10,4 Milliarden Euro einen neuen Umsatzhöchstwert. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Plus von 14,3 Prozent. Rund 8,8 Milliarden Euro entstammen dem Exportgeschäft. Die Ausfuhr von Kfz-Teilen nahm von Januar bis Juli 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9 Prozent auf fast 5 Milliarden Euro zu. Afia zufolge handelt es sich um einen neuen Rekord.

Ansiedlung neuer Zulieferunternehmen

Den Auftrieb in der Zulieferbranche befeuern neue Ansiedlungen und Erweiterungen. Sakthi Portugal investierte 37 Millionen Euro in eine neue Fabrikeinheit für die Produktion von Sicherheitskomponenten. Die japanische Howa Tramic, spezialisiert auf dämmende Schaumstoffe und Textilien, eröffnete im Sommer 2018 ein Werk im Kreis Viana do Castelo. Bei dem Anlass wurde bekannt, dass dem Bezirk Investitionen in Höhe von 132 Millionen Euro alleine aus der Kfz-Industrie zufließen, die bis Ende 2019 rund 1.800 Arbeitsplätze schaffen sollen.

Eine große Anziehungskraft übt auf spanischer Seite die galizische Stadt Vigo aus. Die PSA-Gruppe produziert dort die neuen Kompakt-Vans Peugeot Partner und Rifter, Citroën Berlingo, Opel/Vauxhall Combo (sogenanntes Projekt K9) und bereitet sich auf einen neuen Geländewagen der Marke Peugeot vor. Mehrere neue internationale Zulieferunternehmen haben sich im Norden Portugals angesiedelt, der mit Investitionsanreizen und niedrigeren Arbeitskosten lockt. Die Tageszeitung La Voz de Galicia nennt unter anderen Mora, Steep Plastique, Bontaz Center, Eurostyle Systems und Howa.

Aktuelle Investitionsprojekte in Portugals Kraftfahrzeugindustrie
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung
Renault, neue Getriebefertigung in Cacia 100,0 In Umsetzung, Steueranreize genehmigt im Mai 2018 Produktion neuer Getriebe TX26 und TX30
ERT Textil, neue Produktionseinheit 10,0 Ankündigung September 2018 Neue Industrieeinheit für technische Textilien in São João da Madeira in Aveiro
Lear Corporation, Produktionseinheit in Mangualde 9,0 In Umsetzung Zulieferung von Komponenten für PSA in Mangualde
PSA, Erweiterung Fabrik Mangualde k.A. Investitionsanreize genehmigt im Mai 2018 Effizienzsteigerung, Erhöhung von Produktivität und Automatisierung
Benteler, neue Produktionseinheit in Palmela 6,4 Steueranreize durch Regierung genehmigt März 2018, in Umsetzung Komponentenzulieferung für VW-Autoeuropa (T-Roc)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Weitere Informationen zu Portugal finden Sie unter http://www.gtai.de/portugal

Dieser Artikel ist relevant für:

Portugal Straßenfahrzeuge, allgemein, Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen), Personenkraftwagen (Pkw)

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