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12.04.2019

Grünes Bauen gewinnt in Indonesien an Bedeutung

Interessengruppen fordern mehr Anreize für energieeffiziente Maßnahmen / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - In Indonesien gibt es nur wenige energieeffiziente Gebäude. Doch das Bewusstsein für Einsparpotenziale steigt. Voraussetzung für Fortschritte sind gesetzliche Sanktionsmöglichkeiten.

Die Energiepolitik hat in Indonesien eine große Bedeutung. Im Zuge des hohen Wirtschaftswachstums verdoppelt sich der Strombedarf in kaum mehr als zehn Jahren. Gleichzeitig muss Elektrizität für die Verbraucher günstig bleiben. Da lohnt es sich, auf Einsparpotenziale zu schauen. Der weitaus größte Teil des Stromverbrauchs jenseits der Industrieproduktion entfällt in dem tropischen Archipel auf Air-Conditioning. Bürohäuser und Einkaufszentren müssen während der Öffnungszeiten heruntergekühlt werden. Dies verursacht den größten Teil der Betriebskosten. Gleiches gilt für die immer zahlreicheren Apartmenthäuser.

Energieeffizientes Bauen ist daher in das Blickfeld der Politik geraten. Erste Gesetzgebungen zur Energieeffizienz gibt es seit dem Jahr 2000. Als ein Meilenstein gilt die Regierungsverordnung 77 von 2009, die energieintensive Unternehmen (244 sind derzeit identifiziert) dazu verpflichtet, ihren Energiebedarf an Regierungsstellen zu melden, sich Energieaudits zu unterziehen und einen Energiemanager zu beschäftigen.

Seitdem hat es aber keine nennenswerten Gesetzesinitiativen mehr gegeben. Bisher gibt es verpflichtende Standards für grünes Bauen nur in Metropolen wie Jakarta (seit 2012) und Bandung (seit 2016). Jakarta hat den internationalen EDGE-Standard für Gebäude mit mehr als 50.000 Quadratmetern Fläche übernommen. Mehr als 300 von ihnen wurden zertifiziert. Bald soll die Grenze auf 20.000 Quadratmeter herabgesetzt werden.

Die Stadt hat sich den sogenannten 30:30-Zielen verschrieben: der Reduzierung von Energie- und Wasserverbrauch sowie des Kohlendioxidausstoßes von 30 Prozent bis 2030. Doch laut Branchenbeobachtern kann die Einhaltung der grünen Bauvorschriften kaum überprüft werden. Zudem gibt es bisher keine verbindlichen Sanktionen bei Nichteinhaltung.

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Steigendes Umweltbewusstsein

Beim grünen Bauen spielt das Green Building Council Indonesia (GBCI) eine wichtige Rolle. Das regierungsunabhängige Expertengremium des GBCI fungiert als Ausbilder und Zertifizierer. Laut GBCI tragen mehr als 100 Gebäude in Indonesien das Greenship-Siegel der Organisation, und mehr als 3.000 überprüfte Gebäude erfüllen Teilauflagen. Die meisten davon stehen in Jakarta.

Diese Zahlen sind vergleichsweise gering. Doch das Bewusstsein für grünes Bauen steigt nach Ansicht von Branchenbeobachtern. Ein entsprechendes Zertifikat signalisiert potenziellen Mietern geringere Stromkosten und ist damit bares Geld wert. Unternehmen dient es dem eigenen grünen Image.

Ein Vorzeigeprojekt des energieeffizienten Bauens ist die Österreichische Botschaft in Jakarta, die als einziges sogenanntes Passivhaus der Stadt gilt. Durch Bauart, Solaranlage und energiesparende Wasserkühlung soll es in der Energieversorgung praktisch autark sein.

Die große Mehrzahl der älteren und einfachen Gebäude ist energieintensiv. Es gibt keine Isolierung: Wände und Fenster sind dünn und lassen die kühle Luft entweichen. Jalousien sind vielerorts nicht vorhanden. Türen sind vielfach zu kurz und lassen die herunterfallende Kaltluft herausziehen. Darüber hinaus werden oftmals die Klimaanlagen nicht häufig genug gewartet. Laut GBCI machen die Stromkosten von Gebäuden mindestens 18 bis 25 Prozent der gesamten Energiekosten des Landes (also inklusive Benzinverbrauch) aus.

Wachsender Bedarf an grünen Lösungen

Das Marktpotenzial für grünes Bauen in Indonesien ist schwer zu beziffern. Auf jeden Fall dürfte es deutlich steigen, denn der Bausektor boomt. Seine Wachstumsraten liegen stets über denen der Gesamtwirtschaft. Vor allen in den Städten schießen Bürogebäude, Shoppingmalls und Apartmentanlagen wie Pilze aus dem Boden. Und zumeist handelt es sich dabei nicht um einfache Zweckbauten, sondern um Objekte des gehobenen Segments.

Gleichzeitig steigt das Umweltbewusstsein der Bevölkerung. Der sparsame Umgang mit Ressourcen oder etwa Mülltrennung und -vermeidung werden zwar kaum praktiziert, aber medial immer stärker propagiert. Vielerorts bilden sich zivilgesellschaftliche Umweltgruppen. Folglich nimmt sich die Regierung stärker dieser Themen an. Zudem bieten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit oder Finanzierer wie die Asian Development Bank zahlreiche Veranstaltungen und Dienstleistungen rund um das Thema Energieeffizienz.

Dennoch ist das vermutlich wirksamste Druckmittel für Veränderungen der monetäre Anreiz. Denn Strom ist in Indonesien im Verhältnis zu den Einkommen teuer. Der Durchschnittspreis für den Verbraucher beträgt knapp 10 US-Dollar-Cent pro Kilowattstunde. Nutzer mit hohem Verbrauch haben höhere Tarife. Für eine Mittelschichtsfamilie ist das Air-Conditioning ein großer Posten in den monatlichen Ausgaben. Gleiches gilt für Büros.

Eigenes Beratungs-Know-how wird aufgebaut

Indonesien baut in der Beratung rund um Energieeffizienz eigenes Know-how auf. So wurden nach heimischem "Kompetenzstandard" (SKKNI) Fachkräfte ausgebildet, die Energiesysteme implementieren und auditieren können. Branchenexperten schätzen ihre Anzahl auf etwa 800. Nach Regierungsplänen sollen es 1.000 bis zum Jahr 2020 sein.

Einige Hundert dieser Fachkräfte haben beim TÜV vor Ort eine wirtschaftliche Zusatzqualifikation erworben, mit der sie gegenüber Banken kompetente Ansprechpartner in Fragen der Finanzierung entsprechender Umbauten und der Einsparung von Energiekosten sind. Die Energieeffizienz-Fachkräfte sind laut Beobachtern zu etwa zwei Dritteln in Unternehmen beschäftigt und zu einem Drittel als freie Consultants tätig.

Spezielle Materialien zur Steigerung von Energieeffizienz in Gebäuden muss Indonesien zumeist importieren. Einige wenige Anbieter aus Deutschland bedienen im Land Nischen. Im Jahr 2018 führte der Archipel Klimatechnik im Wert von 600 Millionen US-Dollar ein.

Ausländische Interessengruppen fordern von der indonesischen Regierung einen funktionierenden Rahmen aus Anreizen (Steuererleichterungen/Subventionen) und Sanktionen (verbindliche Strafen) bei Zuwiderhandlung. Zudem bedürfe es Informationskampagnen bezüglich der bestehenden Regulierungen. Darüber hinaus sollten die Vorgaben zur Energieeffizienz für alle Regierungsbehörden und Staatsunternehmen verpflichtend sein.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Green Building Council Indonesia (GBCI) http://gbcindonesia.org nichtstaatlicher Zertifizierer mit Zweigstellen in sieben Städten
Jakarta Green Building https://greenbuilding.jakarta.go.id/index-en.html Informationsplattform der Provinzregierung Jakarta
Ministry of Public Works and Housing http://www.pu.go.id Regulierer für grünes Bauen
Energieministerium (EDSM) http://www.esdm.go.id/en setzt Verbrauchsstandards

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Bauwirtschaft, allgemein, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung, Hochbau

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