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08.11.2016

Gummiindustrie in Malaysia legt wieder zu

Produktion und Maschinenimport wachsen / Deutsche Ausrüstungen ziehen stark an / Von Rainer Jaensch

Kuala Lumpur (GTAI) - Malaysias Gummiindustrie zieht bei der Produktion wieder stärker an. Auch mehr Investitionen fließen, abzulesen am wachsenden Maschinenimport. Davon profitiert Deutschland als drittgrößtes Lieferland überproportional und verzeichnet bislang 2016 höhere Zuwächse als die Gesamteinfuhr. Der zunehmende Trend zu Automatisierung und Effizienzsteigerung, vor allem bei den Handschuhherstellern, dürfte den deutschen Maschinenbauern zu Gute kommen.

In der malaysischen Gummiindustrie liegen Handschuhe ganz vorne. Schließlich ist das südostasiatische Land hierbei weltweit der größte Hersteller. Aber auch Kondome sowie Reifen und Schläuche spielen eine Rolle. Wenn es nun mit der Branche wieder aufwärts geht, wird dieses vor allem von Handschuhen getragen, und dafür gibt es Gründe.

Auch wenn sich die Weltwirtschaft abschwächt, haben Hygieneprodukte wie Gummihandschuhe und Kondome weiterhin Konjunktur. Angetrieben wird diese vom wachsenden Gesundheitsbewusstsein in den aufstrebenden Ländern wie den immer wieder kehrenden Infektionserkrankungen, so jüngst der Zika-Virus.

"Gegenwärtig verbrauchen 15% der Weltbevölkerung in den USA, Europa und Japan 70% des weltweiten Absatzes an Gummihandschuhen. Die verbleibenden 85% beschränken sich auf 30% und haben entsprechendes Wachstumspotenzial ", erläuterte Tan Sri Lim Wee Chai gegenüber Germany Trade & Invest. Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Top Glove Corp., dem in Malaysia ansässigen größten Gummihandschuh-Hersteller der Welt.

Die globale Nachfrage sieht Tan Sri Lim ähnlich wie Analysten und andere Branchenkenner um jährlich 6 bis 8% wachsen. Davon profitiert vor allem Malaysia, der weltweit größte Hersteller. Diese Stellung kann es auch in Zukunft beibehalten. Zu den Standortvorteilen für die Industrie zählt die Nähe zu den Rohstoffen - nicht nur umfangreiche Kautschukplantagen, sondern auch eine Zulieferindustrie für synthetischen Gummi.

Auch sind wichtige andere Zulieferer hier, von chemischen Vorprodukten über Anlagen bis hin zu Dienstleistungen. Darüber hinaus zählen die führenden malaysischen Hersteller Top Glove, Hartalega, Supermax und Kossan nicht nur mengenmäßig, sondern auch technologisch zur globalen Führungsriege und bauen ihre Position durch Forschung und Entwicklung weiter aus.

Produktion von Gummierzeugnissen expandiert wieder stärker

Die Branche scheint 2016 etwas stärker gewachsen zu sein. So legte die Herstellung von Gummiprodukten in den ersten sieben Monaten real um 5,4% zu, nach 3,4% im Vorjahreszeitraum. Dieses ist vor allem Handschuhen zu verdanken, die um 6,4% zulegten, während Reifen um 5,2% anzogen.

Alle wichtigen Erzeugnisse zeigten von Januar bis August 2016 teils beachtliche Steigerungen. Bei der Herstellung von Latex waren es gar 144%, nachdem sich der Output dieses Vorprodukts von 2012 bis 2015 mehr als halbiert hatte. Die Herstellung von Gummihandschuhen expandierte im Berichtszeitraum um 38%, nachdem sie auch bis 2015 überwiegend expansiv verlaufen war.

Beim jüngsten Anstieg dürften auch Infektionserkrankungen wie der Zika-Virus geholfen haben, so der "Economic Report 2016/17 ". Die Herstellung von Kondomen zog von Januar bis August 2016 um 11,3% an, nachdem sie in den vorhergehenden Jahren eher flach verlief. Auch aus der Fertigung von Reifen und Schläuchen war bis 2015 die Luft etwas heraus. In den ersten acht Monaten 2016 zog diese aber wieder um 3,2% an.

Produktion
Produkt 2012 2013 2014 2015
Verarbeitetes Latex (t) 67.094 63.843 44.747 26.013
Gummihandschuhe (Mio. Paar) 31.754 34.628 32.470 34.269
Kondome (Mio. Stück) 12 15 12 12
Gummireifen und Schläuche (Mio. Stück) 34 29 24 20

Quelle: Department of Statistics Malaysia

In den ersten fünf Monaten 2016 hat die Einfuhr von Maschinen zur Kautschuk- und Kunststoffverarbeitung mit einem Plus von 3,7% gegenüber dem Vorjahreszeitraum wieder leicht zugenommen. 2015 musste sie einen Rückgang um 16,3% hinnehmen, hauptsächlich verursacht durch eine 38%ige Abnahme bei Spritzgießmaschinen.

Der Bezug deutscher Kunststoffmaschinen schnitt hingegen besser ab und ging 2015 lediglich um 5% zurück. Im 1. Quartal 2016 schoss er gar um 131% in die Höhe. Auch hat sich der Anteil deutscher Maschinen am Gesamtimport von 6,3% (2012) auf 12% (2015)

fast verdoppelt. Wichtigster Lieferant waren in dem Jahr die VR China mit einem Einfuhranteil von 28,1%, gefolgt von Japan (19,8%). Hinter dem drittplatzierten Deutschland folgten die Handelsdrehscheibe Singapur (5,7%) und die USA (4,8%). Weitere nennenswerte Lieferanten sind Korea (Rep.), Italien, Thailand und Spanien.

Einfuhr von Kunststoffmaschinen (in Mio. US$)
Warenbezeichnung / HSPos. 2014 2015 Davon aus Deutschland 2015
Kunststoffmaschinen / 8477 414,0 346,5 41,7
.Spritzgießmaschinen / 8477.10 137,7 86,0 7,2
.Extruder / 8477.20 54,8 46,6 9,1
.Blasformmaschinen / 8477.30 21,1 22,0 1,2
.Andere Kunststoffmaschinen / 8477.80 92,7 96,5 12,4
.Teile / 8477.90 83,0 73,7 7,7

Quelle: UN Comtrade

Getrieben wird die Maschineneinfuhr vor allem vom zunehmenden Trend zur Automatisierung. So wird beispielsweise in der Gummihandschuhindustrie an allen Ecken und Kanten automatisiert, erklärte ein Branchenvertreter. Angesichts knapper und zunehmend teurer Arbeitskräfte sowie steigender Energie- und Materialkosten muss immer stärker in Produktivität und Effizienz investiert werden. Entsprechend werden energieeffizientere und produktivere Anlagen angeschafft oder bestehende Anlagen nachgerüstet.

(R.J.)

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Malaysia Kunststoffe und Gummi, Kunststoff- und Gummimaschinen

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