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20.06.2019

Gute Absatzaussichten für ausländische Softwarefirmen in China

Sektor kann Auswirkungen des Handelskonflikts aber nicht umschiffen / Von Roland Rohde

Hongkong (GTAI) - Deutsche Firmen äußern sich in Bezug auf die Geschäftschancen in China sehr positiv. Der dortige Softwaresektor ist allerdings stark fragmentiert.

Chinas Softwareindustrie wächst immer noch wesentlich schneller als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Allerdings gehören die Zeiten, in denen die Umsätze um jährlich mehr als 20 Prozent zulegten, wohl endgültig der Vergangenheit an. Die Branche kann sich nicht komplett von der sich abkühlenden Gesamtkonjunktur abkoppeln. Mittelfristig dürfte die Wirtschaft der Volksrepublik nur noch um real rund 6 Prozent per anno wachsen. Doch selbst an diesen - für chinesische Verhältnisse ernüchternden - Zahlen sind Zweifel angebracht.

Auch bekommen die Softwareentwickler die Auswirkungen des Handelskonflikts zu spüren. Insbesondere die Anbieter von sogenannter Firmware - es handelt sich um in elektronische Produkte fest eingebettete Software - kämpfen mit Problemen. Viele ihrer Kunden stammen nämlich aus dem Informations- und Telekommunikationssektor (IKT). Dieser leidet unter den US-Zöllen sowie Lieferbeschränkungen bei wichtigen elektronischen Komponenten.

Wichtigen Kunden der Softwarebranche wie Huawei geht es schlecht

Huawei musste aus diesem Grund im Juni 2019 die Einführung eines Laptops auf unbestimmte Zeit verschieben. Zur selben Zeit ließ der Firmenchef Zhengfei Ren verkünden, dass der Gesamtumsatz des Konzerns 2019 und 2020 stagnieren werde. Der globale Absatz an Smartphones sei bereits um 40 Prozent eingebrochen. Dabei hatte der angeschlagene IKT-Riese ursprünglich vorgehabt, Samsung 2019 als den weltweit zweitgrößten Branchenanbieter abzulösen. Nun dürfte wohl nichts mehr aus den hochfliegenden Plänen werden.

Laut dem nationalen Industrie- und Informationstechnologieministerium gab es 2018 in der Softwarebranche Chinas einschließlich der Anbieter von unterstützenden IKT-Dienstleistungen rund 37.800 größere Unternehmen, die 6,4 Millionen Menschen auf ihren Lohnlisten führten. Dazu zählen Firmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 750.000 US-Dollar (US$).

Die Branche ist im Prinzip zweigeteilt. Auf der einen Seite gibt es nach Einschätzung von Analysten zehntausende, wenn nicht hunderttausende kleiner Softwareentwickler, die nicht von der Statistik erfasst werden. Auf der anderen Seite stellen führende IKT-Konzerne wie China Mobile, Huawei, Tencent, Alibaba, Baidu oder Xiaomi im großen Stil Soft- und Firmware für ihre eigenen Zwecke her.

Umsatzwachstum dürfte sich 2019 deutlich abschwächen

Die Anbieter von Software und unterstützenden IKT-Dienstleistungen generierten 2018 gemäß dem zuständigen Ministerium einen Umsatz von umgerechnet gut 950 Milliarden US$. Gegenüber dem Vorjahr kam dies (auf Basis der Inlandswährung) einem Anstieg von 14 Prozent gleich. Auch 2017 hatte das Wachstum 14 Prozent betragen. Zumindest aus den offiziellen Daten lässt sich somit - noch - kein negativer Einfluss des Handelskonfliktes ableiten.

Es fällt schwer, für 2019 eine belastbare Prognose abzugeben. Im Prinzip lässt sich nur mit Szenarien arbeiten. Gibt es keinerlei Lösungen im Handelskonflikt beziehungsweise verschärft sich dieser noch, könnte das Umsatzwachstum auf einen Wert um die 5 Prozent fallen. Kommt man zu einer Teileinigung, sind hingegen rund 10 Prozent möglich. Niemand erwartet derweil, dass es rasch zu einer grundsätzlichen und längerfristigen Beilegung der Streitigkeiten kommen wird. Dafür sitzen die Probleme einfach zu tief.

Chinas Anbieter von Software und unterstützenden IKT-Dienstleistungen (Umsatz in Mrd. US$, Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
Jahr Wert Veränderung 1)
2013 497,3 23,4
2014 600,9 21,1
2015 682,0 15,7
2016 726,2 12,6
2017 815,3 14,2
2018 953,6 14,2
2019 2) 1.000 bis 1.050 5,0 bis 10,0

1) Auf Basis der Inlandswährung; 2) Prognose, gerundete Werte

Quellen: 2013 bis 2018: Nationales Industrie- und Informationstechnologieministerium; 2019: Germany Trade & Invest

Es zeigt sich aber auch: Selbst bei starkem Gegenwind von Seiten des Außensektors wachsen die Umsätze der Softwarehersteller immer noch. Das liegt an der großen Inlandsnachfrage. Der Modernisierungsbedarf der chinesischen Betriebe bleibt hoch. Mit Investitionen in Software können insbesondere Mittelständler ihre Produktivität deutlich erhöhen.

Umsatz der Softwarenentwickler im engeren Sinne bei gut 290 Milliarden US$

Die Softwareanbieter im engeren Sinne - also ohne die Sparten Firmware und unterstützende IKT-Dienstleistungen - machen nur einen Teil des von Ministeriums statistisch erfassten Gesamtsektors aus. Gemäß den offiziellen Zahlen erzielten sie 2018 einen Umsatz von über 290 Milliarden US$, ein Plus von gut 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Chinas Anbieter von Software und unterstützenden IKT-Dienstleistungen (Umsatz in Mrd. US$; Anteil in %) 1)
Wert Anteil
Insgesamt, davon 953,6 100
.IKT-Dienstleistungen 525,6 54,6
.Software im engeren Sinne 292,7 30,4
.Firmware 2) 135,4 14,1

1) Rundungsfehler möglich; 2) branchenübliche Bezeichnung; es handelt sich um in Hardware eingebettete Software

Quelle: Nationales Industrie- und Informationstechnologieministerium

Der deutsche Branchenprimus SAP stuft die Absatzaussichten für ausländische Softwareanbieter in China als hervorragend ein. Bis 2025, ließ er die China Daily im Juni 2019 wissen, könnte das Reich der Mitte sogar zu seinem größten Markt aufsteigen. Aktuell unterhalte das Unternehmen ein Entwicklungslabor und sechs Datenzentren in der Volksrepublik. Rund 15.000 chinesische Firmen gehören zum Kundenstamm. Zusammen mit dem Internetriesen Alibaba bietet SAP eine kommerzielle Cloud-Lösung in der Volksrepublik an.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Ministry of Industry and Information Technology http://www.miit.gov.cn/newweb/n1146312/n1146904/n1648374/c6633883/content.html (Studie zur Softwareindustrie, nur auf Chinesisch) Industrie- und Informations-technologie-ministerium
China Daily http://global.chinadaily.com.cn/a/201906/14/WS5d0305a3a3103dbf14328366.html (Bericht zu SAP und Chinas Softwareindustrie) Englischsprachige chinesische Zeitung
South China Morning Post https://www.scmp.com/tech/tech-leaders-and-founders/article/3014834/huawei-ceo-says-us-blacklisting-chinese-telecoms (Bericht zu Huawei) Englischsprachige Hongkonger Zeitung

Zusatzinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

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China Software / EDV-Dienstleistungen, Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk)

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