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29.08.2018

Gute Aussichten für hochwertige Lebensmittel in Mexiko

Neues Abkommen zwischen Mexiko und Europäischer Union senkt Zollhürden / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Noch ist das modernisierte Freihandelsabkommen zwischen Mexiko und der EU nicht in trockenen Tüchern, doch deutsche Exporteure können bereits frohlocken.

Die Ende April erzielte politische Einigung über das neue Handelsabkommen zwischen Mexiko und der Europäischen Union (EU) sieht vor, dass die Partner ihre Handelsschranken für Nahrungsmittel beträchtlich senken. Mexiko wird für viele Käsesorten einen begünstigten Zugang sowie Einfuhrquoten für Milchpulver gewähren. Zudem können künftig praktisch alle Erzeugnisse aus Schweinefleisch zollfrei gehandelt werden und die hohen Zölle auf Schokolade und Pasta werden abgeschafft.

Mit einem offiziellen Abschluss der Verhandlungen rechnen Beobachter indes Ende des Jahres. Weitere Informationen bietet folgender GTAI-Beitrag: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Recht-Zoll/Zoll/zoll-aktuell,t=eumexiko--politische-einigung-ueber-modernisiertes-freihandelsabkommen-erzielt,did=1905792.html

Deutsche Lieferungen nehmen zu

Bereits unter den bislang geltenden Regelungen nahmen die deutschen Exporte an verarbeiteten Lebensmitteln und Getränken in das zweitgrößte Land Lateinamerikas deutlich zu - wenn auch auf sehr niedrigem Niveau. Zwischen 2010 und 2017 betrug das Plus knapp 100 Prozent auf einen Wert von 50 Millionen US-Dollar (US$). Wichtigster Einzelposten waren Getreide, Mehl- und Milchprodukte (HS-Position 19) mit einem Wert von rund 12,2 Millionen US$, gefolgt von Getränken mit 9,7 Millionen US$ und Kakaoprodukten (HS-Position 18; darunter Schokolade) mit 9,6 Millionen US$.

Damit steigen die deutschen Lieferungen wesentlich schneller als die Gesamtimporte Mexikos an verarbeiteten Nahrungsmitteln und Getränken. Zwischen 2010 und 2017 führte Mexiko rund 25 Prozent mehr ein. Absolut gesehen stiegen die Importe auf knapp 5,6 Milliarden US$. Mit einem Anteil von 56 Prozent waren die USA das wichtigste Herkunftsland.

Mexikanische Einfuhr an verarbeiteten Nahrungsmitteln und Getränken (in Mio. US$) *)
Indikator 2015 2016 2017
Gesamt, darunter 5.553,0 5.588,3 5.583,2
.USA 3.764,7 3.620,7 3.605,3
.Deutschland 43,0 48,6 50,0

*) HS-Positionen 16 bis 22

Quelle: UN Comtrade

Deutsche Hersteller beliefern den Markt bevorzugt mit hochwertigen Produkten, die wenig preissensibel sind. Ihre Lieferungen nahm daher auch in den vergangenen Jahren zu, als die gesamten Nahrungsmittel- und Getränkeimporte unter der Verteuerung durch den schwächeren mexikanischen Peso litten. Zudem kommt ihnen die Entwicklung hin zu neuen Premiumformaten im Einzelhandel zugute. Eine bewusstere Ernährung und steigende Einkommen insbesondere im industriell prosperierenden Zentrum Mexikos sorgen dafür, dass Supermarktketten in entsprechende Lokale investieren.

Neue Luxus-Supermärkte

Am deutlichsten treibt Commercial City Fresko (La Comer) diese Bestrebungen voran. Nachdem das Unternehmen 2015 rund 160 traditionelle Supermärkte an den Konkurrenten Soriana abgab, konzentriert es sich auf seine Premium-Ketten Fresco und City Market. City Market expandiert bevorzugt im Zentrum des Landes und verfügt mittlerweile über rund zehn Filialen. Beide Ketten verfügen über vergleichsweise kleine Verkaufsflächen, die von Bioprodukten und Importwaren dominiert werden.

Andere führende Supermarktketten bauen ebenfalls ihre Hochpreis-Formate aus: Chedrauí eröffnet neue Lokale seines Feinkostablegers Selecto Chedraui, Walmart stärkt die Präsenz der Marke Superama und Casa Ley setzt auf die Premiummärkte Casa Ley Express. Neben Supermärkten kommen auch die Lebensmittelabteilungen der Luxuskaufhäuser Liverpool und Palacio de Hierro als Absatzpunkt deutscher Produkte infrage. Beide Ketten expandieren derzeit in mittelgroßen Städten. Mit The Green Corner weitet daneben der größte Betreiber von Bio-Supermärkten sein Angebot aus.

Umsatz der Einzelhändler von Lebensmitteln in Mexiko (in Mrd. US$; Veränderung in %)
Unternehmen Umsatz 2017 1) Veränderung 2017/2016 2)
Walmart de México 30,2 7,7
Soriana 8,1 2,8
Liverpool 6,4 21,6
Sam's Club 3) 6,1 7,6
Chedraui 5,0 6,8
Sanborns 2,6 4,6
Costco de México 2,5 -5,0
Casa Ley 2,1 11,1
Palacio de Hierro 1,7 4,3
H-E-B México 1,7 17,4
La Comer 0,9 12,7
Diconsa 4) 0,8 -6,3
Super del Norte 0,2 13,5

1) Umrechnung zum Durchschnittskurs 2017: 1 US$ = 18,953 mex$; 2) Veränderung in nationaler Währung; 3) Teil von Walmart; 4) staatlich

Quellen: Zeitschrift Expansión; Deutsche Bundesbank

Mehr Lebensmittel werden online gekauft

Ein weiterer Trend fördert den Absatz hochpreisiger Lebensmittel: der Onlinehandel. Studien zeigen, dass Onlinekunden in Mexiko überdurchschnittlich gut verdienen, was sie zu potenziellen Konsumenten für hochpreisige Importlebensmittel macht. Derzeit setzen die Supermarktketten nur 1 bis 2 Prozent ihrer Waren online ab, doch der Anteil soll steigen. Walmart investierte bereits in den vergangenen Jahren stark in das Internetangebot seiner Ketten Walmart Supercenter, Sam´s Club und Superama. 2018 kommen noch einmal rund 303 Millionen US$ für die Logistik und 108 Millionen US$ für Online-Plattformen hinzu.

Auch Soriana baut das Onlineangebot aus und will bis 2022 rund 4 Prozent des Umsatzes über diesen Kanal generieren. Momentan liegt der Anteil laut einem Konzernsprecher bei unter 1 Prozent. Zum einen soll es möglich werden, Waren direkt vom Hersteller an den Endkunden weiterzuleiten. Zum anderen können Kunden künftig ihren Einkauf online zusammenstellen und danach in einer Filiale abholen. Die Investitionen in Logistik und Online-Plattform beziffert Soriana für die nächsten Jahre auf 156 Millionen US$.

Chedraui und La Comer sind ebenfalls auf den Online-Zug aufgesprungen. Chedraui setzt zurzeit ein Investitionsprogramm von 205 Millionen US$ um. Daneben etablieren sich Bringdienste wie Cornershop. In der App des Start-ups können Kunden ihren Einkauf in Geschäften wie Selecto Chedraui, City Market, The Green Corner und Superama aufgeben und nach Hause liefern lassen. Corner Shop verspricht Lieferungen innerhalb einer Stunde.

Markteinstieg über Messen

Für den Markteinstieg bietet sich eine Präsenz auf Branchenmessen wie der Expo ANTAD & Alimentaria an, um Kontakt zu Importeuren und Distributoren aufzubauen, die Kenntnisse über die Einfuhr- und Etikettierungsvorschriften haben. Zudem können sie Hinweise geben, welche Regionen des heterogenen mexikanischen Marktes infrage kommen. Die großen Supermarktketten verfügen über eigene Einfuhrabteilungen. Um mit ihnen ins Geschäft zu kommen, müssen Lieferanten bereits umfangreiche Produktionskapazitäten vorweisen.

Die Behörde Cofepris (Comisión Federal para la Protección contra Riesgos Sanitarios) überprüft die Gesundheits- und Hygienevorschriften für Lebensmittel und erteilt die Zulassung für den mexikanischen Markt. Sie bietet eine Übersicht der relevanten Normen in spanischer Sprache unter: http://www.cofepris.gob.mx/MJ/Paginas/NormasPorTema/Alimentos.aspx

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Asociacion Nacional De Tiendas De Autoservicio Y Departamentales (Antad) http://www.antad.net Mexikanischer Einzelhandelsverband
Comisión Federal para la Protección contra Riesgos Sanitarios (Cofepris) http://www.cofepris.gob.mx Zulassungsbehörde für medizinische Produkte und Nahrungsmittel
Expo ANTAD & Alimentaria http://www.expoantad.net Führende Branchenmesse

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

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