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19.09.2018

Gute Aussichten für Mexikos Pharmamarkt

Generika gewinnen zunehmend Marktanteile / Von Florian Steinmeyer (Juli 2018)

Mexiko-Stadt (GTAI) - Mexiko ist ein wichtiger Produktionsort für Pharmazeutika. Die Angst vor einem Scheitern der Nafta-Verhandlungen sowie teure Vorprodukte belasten die Branche. Pharmakonzerne halten sich mit Neuinvestitionen zurück.

Das Marktforschungsunternehmen BMI Research geht davon aus, dass der mexikanische Pharmamarkt 2018 um rund 4,8 Prozent wächst. Für die nächsten Jahre sind die Aussichten ebenfalls gut, dann sind Steigerungen von jeweils über 6 Prozent möglich. Die wachsende Bevölkerung und die alternde Gesellschaft befeuern den Absatz. Chronische und altersbedingte Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Gefäßverstopfungen sowie Gebärmutter- und Darmkrebs greifen immer weiter um sich.

Generika haben eine beherrschende Stellung und werden diese aufgrund des Kostendrucks ausbauen. Bezogen auf den Gesamtmarkt handelt es sich schon heute bei rund 87 Prozent der verkauften Präparate um Nachahmerprodukte. Patentarzneimittel werden mit Zuwächsen von 2 bis 4 Prozent pro Jahr unterproportional stark zulegen. Konzerne mit einem Fokus auf Generika wie die heimischen Genomma Lab und Farmaceúticos Maypo haben daher gute Aussichten.

Struktur des mexikanischen Arzneimittelmarktes (in Mio. US$) 1)

Indikator 2017 2018 2019
Marktvolumen 10.116 10.598 11.275
Produktion 2) 7.518 8.367 9.004
Importe 4.344 3.809 3.933
Exporte 1.746 1.578 1.662

1) Schätzung beziehungsweise Prognose; 2) ergibt sich rechnerisch aus: Marktvolumen - Importe + Exporte; Abweichungen durch Rundungen

Quelle: BMI Research; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Das staatliche Gesundheitssystem wird 2018 im Zuge des gemeinsamen Einkaufs (Compra Consolidada) der beiden großen Sozialversicherungen IMSS (Instituto Mexicano de Seguridad Social), ISSSTE (Instituto de Seguridad y Servicios Sociales de los Trabajadores del Estado) sowie 48 weiterer bundes- und bundesstaatlicher Einrichtungen Medikamente und Materialien im Wert von umgerechnet rund 3,1 Milliarden US-Dollar (US$) bestellen. In mexikanischen Peso ausgedrückt bedeutet dies ein Plus von knapp 20 Prozent.

Bezogen auf die Verkaufsmenge finden jeweils rund die Hälfte der Medikamente im öffentlichen System (neben IMSS und ISSSTE auch die Einrichtungen der Erdölgesellschaft Pemex, des Gesundheitsministeriums und der Bundesstaaten) ihren Absatz, die andere Hälfte geht in den privaten Verkauf. Der private Anteil wird zukünftig voraussichtlich steigen, da die öffentlichen Träger trotz Mehrausgaben die Kosten chronischer Krankheiten nicht schultern können.

Nationale Fertigung leidet unter teuren Vorprodukten

Mexiko ist ein wichtiger Produktionsort für Pharmazeutika, die Fertigung konzentriert sich auf Antibiotika (Anteil 2015 von 23%), verdauungsfördernde Medikamente (12%), Schmerzmittel (9%) und Nahrungsergänzungsmittel (8%). Da der Sektor fast vollständig auf ausländische Vorprodukte angewiesen ist und gleichzeitig knapp 20 Prozent seiner Produktion exportiert, stellt die Unsicherheit über den Fortgang des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta einen Risikofaktor dar.

Produktion von Pharmazeutika in Mexiko (in Mio. Schachteln, Veränderung in %) 1)
2015 2016 2017 1. Quartal 2018 Veränderung 2018/2017 2)
2.572,1 2.563,2 2.537,4 647,0 -0,4

1) umfasst Human- und Tiermedizin sowie Impfstoffe, Vitaminpräparate und Ernährungszusatzstoffe; 2) Januar bis März, Abweichungen durch Rundungen

Quelle: Statistikamt Inegi

Bereits seit 2015 verteuert der schwache Wechselkurs des mexikanischen Peso die Vorprodukte und stellt die Hersteller somit vor Herausforderungen. Mengenmäßig ging die Fertigung zwischen 2015 und 2018 leicht zurück. 2018 setzt sich der Trend fort - im ersten Quartal wurden weniger Medikamente produziert als in den ersten drei Monaten des Vorjahres.

Größte Arzneimittelproduzenten in Mexiko (Umsatz in Mexiko, in Mio. US$, Veränderung in %) *)
Unternehmen (Herkunftsland) Umsatz 2017 Veränderung 2017/2016
Sanofi (Frankreich) 970,2 5,6
Bayer (Deutschland) 859,7 3,5
Genomma Lab Internacional (Mexiko) 637,3 6,7
Farmaceúticos Maypo (Mexiko) 543,3 13,6
Pfizer (USA) 493,9 4,6
Novartis Farmacéutica (Schweiz) 450,4 4,9
Roche (Schweiz) 392,5 -6,4
Merck (Deutschland) 374,7 11,1
Boehringer Ingelheim (Deutschland) 322,6 -1,1
Chinoin (Mexiko) 290,2 17,6
Eli Lilly (USA) 207,4 -3,2
Valeant Farmacéutica (Kanada) 200,5 7,5
AstraZeneca (Russland) 184,7 6,1
Específicos Stendhal (Mexiko) 175,2 26,6

*) 1 US$ = 18,953 mex$ (Durchschnitt 2017); Veränderung auf Grundlage nationaler Währung

Quelle: Wirtschaftsmagazin Expansión

Schleppende Pharmainvestitionen

Entsprechend den schwachen Produktionszahlen zeigen sich die Pharmakonzerne hinsichtlich Neuinvestitionen verhalten. Im ersten Halbjahr 2018 kündigte lediglich Marktführer Sanofi ein größeres Vorhaben an. Der Konzern wird rund 155 Millionen US$ für ein neues Impfstoffwerk im Estado de México ausgeben. Die Medikamente sind teilweise für den Inlandsmarkt, teilweise für den Export in andere lateinamerikanische Länder bestimmt. Bereits Ende 2017 eröffnete Genomma Lab eine neue Fabrik für 3 Milliarden US$, ebenfalls im Estado de México. Dort werden nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel hergestellt.

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Mexiko Arzneimittel, Diagnostika

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