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30.08.2019

Gute Perspektiven für Brillen und Kontaktlinsen in China

Käufer legen viel Wert auf schicke Fassungen, weniger auf hochwertige Gläser / Von Stefanie Schmitt

Beijing (GTAI) - Nirgendwo sind mehr Menschen kurzsichtig als in China. Gerade unter den jungen Leuten steigt die Zahl der Fehlsichtigen. Entsprechend kräftig wächst der chinesische Augenoptikmarkt.

China ist ein Land der Rekorde - in keinem Land der Erde werden mehr Computer produziert, gibt es mehr Hochgeschwindigkeitszugstecken oder sind mehr Windräder installiert. Doch während auf solche Beispiele mit Stolz verwiesen wird, bereiten andere zunehmend Kopfzerbrechen. So ist China beispielsweise auch das Land mit der höchsten Quote an kurzsichtigen Erwachsenen. Nach dem jüngsten Bericht der Weltgesundheitsorganisation von 2016 leiden etwa 600 Millionen Chinesen unter Kurzsichtigkeit (Myopie). Nach einer Studie der Peking-Universität ist mit einem Anstieg auf 700 Millionen bis 2020 zu rechnen.

Starker Anstieg von Kurzsichtigkeit

Gerade unter Schülern, Studenten und anderen jungen Menschen nimmt der Anteil der Fehlsichtigen stark zu. Einer Untersuchung der Nationalen Gesundheitskommission aus dem Jahr 2018 zufolge sind es je nach Altersgruppe sogar bis zu 88 Prozent (wobei hier nur die Kurzsichtigkeit erfasst wurde). In der Gruppe der Schüler im zehnten bis zwölften Schuljahr weisen 21,9 Prozent sogar eine starke Kurzsichtigkeit von mehr als sechs Dioptrien auf. Zurückgeführt wird dieser Anstieg auf den frühen Zwang zum vielen Lernen und einen übermäßigen Handy-, Computer- und Fernsehgebrauch.

MKT201908298008.14

Die Gesundheitsbehörden haben inzwischen mit einem Aktionsplan reagiert, in dessen Rahmen Schüler und Studenten zum Beispiel zu mehr Augengymnastik angehalten werden sollen. Ob dies hilft, muss die Zukunft zeigen - einstweilen freut sich Chinas Augenoptikbranche über steigende Umsätze.

Gutes Aussehen für viele wichtiger als komfortables Sehen

Nach Analysen des Marktforschungsinstituts GfK wurden 2017 umgerechnet rund 7,5 Milliarden US-Dollar (US$) umgesetzt, 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei fällt auf, dass Chinesen im Vergleich zum globalen Markt überdurchschnittlich viel Geld für Fassungen und Sonnenbrillen ausgeben. Deren Anteil am Umsatzvolumen lag 2017 bei knapp 47 Prozent gegenüber 33 Prozent im Weltdurchschnitt (letztere Angabe von 2016).

Umsätze im chinesischen Augenoptikmarkt (in Mrd. US$) *) und Vergleich zum globalen Augenoptikmarkt (Veränderungen und Anteile in %)

Umsatz 2017 Veränderung gegenüber 2016 Anteil am Umsatzvolumen 2017 Anteil am Umsatzvolumen 2016 Zum Vergleich: Anteile im globalen Markt 2016
Kontaktlinsen und Zubehör 1,33 16 17,8 17,0 10,7
Fassungen und Sonnenbrillen 3,48 12 46,5 45,9 33,3
Optische Gläser 2,67 6 35,7 37,1 56,0
Gesamt 7,48 11 100,0 100,0 100

*) 1 US$ = 6,7513 RMB, Jahresdurchschnittskurs 2017

Quellen: GfK, Bundesbank, Berechnungen von Germany Trade & Invest

Andererseits wird offensichtlich deutlich weniger Wert auf hochwertige optische Gläser gelegt. Denn dieses Segment machte nur rund 36 Prozent des Umsatzvolumens aus (globaler Durchschnitt: 56 Prozent). Auch expandierte dieser Bereich mit 6 Prozent 2017 gegenüber dem Vorjahr erheblich weniger als etwa die Sparte Kontaktlinsen, welche 16 Prozent zulegte.

Kontaktlinsen und Zubehör machten 2017 fast 18 Prozent des Umsatzvolumens aus - mit steigender Tendenz (2013 noch 14 Prozent), während der Weltdurchschnitt lediglich bei knapp 11 Prozent lag (Angabe von 2016). Dies hat vor allem ästhetische beziehungsweise modische Gründe.

Gleitsichtgläser kaum gefragt

Optiker führen den unterdurchschnittlich hohen Anteil von optischen Gläsern darauf zurück, dass die Mehrzahl der Kunden günstigere Kunststoffgläser wählt - und beispielsweise ultradünne (und deutlich teurere) Brillengläser aus Glas bislang praktisch unbekannt sind. Auch teure Gleitsichtgläser sind kaum in Gebrauch.

Grundsätzlich ist auch in den nächsten Jahren von einem expandierenden Marktvolumen auszugehen. Erstens wird mit der zunehmenden Urbanisierung und der nachholenden Entwicklung auf dem Land die bislang dort verhältnismäßig geringe Nachfrage überproportional wachsen. Zweitens verschiebt sich der überaus hohe Anteil von Kindern und Jugendlichen, die eine Sehhilfe benötigen, mittel- und langfristig auch in höhere Altersgruppen. Drittens wird die steigende Lebenserwartung gekoppelt mit der Entwicklung hin zu einer Gesellschaft mit höherem Anteil alter Menschen die Nachfrage anschieben.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

China Gesundheitswesen allgemein, Augenoptik, Fototechnik u. Imaging

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