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14.11.2018

Handelskonflikt mit den USA setzt Holzbearbeitungsmaschinen in China unter Druck

Langfristige Absatzchancen allerdings gut / Von Roland Rohde

Hongkong (GTAI) - Um US-Zölle zu umgehen, verlagern Möbelhersteller in China ihre Produktion nach Südostasien. Vielen könnte bald das Geld fehlen, um ihre Fertigung in der VR zu modernisieren.

China ist der mit Abstand größte Möbelhersteller und -exporteur der Welt. Laut Angaben des nationalen Statistikamtes gab es 2017 mehr als 6.000 größere Branchenbetriebe. Dabei handelt es sich um Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 750.000 US-Dollar (US$). Hinzu kamen noch einmal fast 9.000 holzverarbeitende Firmen. Zusammen beschäftigten die beiden Sparten etwa 2,5 Millionen Menschen.

Chinas Holz- und Möbelindustrie im Überblick (2017) *)
Möbelhersteller Holzverarbeitende Betriebe Insgesamt
Anzahl Betriebe 6.149 8.859 15.008
Umsatz (in Mrd. US$) 130,0 191,6 321,6
Mitarbeiter (in 1.000) 1.264 1.251 2.515

*) Betriebe ab umgerechnet rund 740.000 US$ Jahresumsatz

Quelle: China Statistical Yearbook 2018

Die Branche produziert einerseits für den riesigen und wachsenden Inlandsmarkt. Durch die rasche Verstädterung steigt auch der Bedarf an Einrichtungsgegenständen. Der Einzelhandelsumsatz mit Möbeln legte 2017 nach Angaben des Hong Kong Trade Development Council (TDC) um gut 9 Prozent auf umgerechnet 134 Milliarden US$ zu.

China exportierte 2017 Möbel im Wert von über 58 Milliarden US$

Daneben fertigen viele Betriebe für ausländische Märkte. Laut Zahlen von UN Comtrade exportierte das "Reich der Mitte" 2017 Möbel im Wert von mehr als 58 Milliarden US$. Allerdings sind die Branchenausfuhren in den letzten fünf Jahren kaum noch gewachsen.

Die Exporteure leiden unter starken Kostensteigerungen. Schon lange ist China kein Billigstandort mehr. Da die Lohnkostenvorteile der Volksrepublik im Vergleich zu anderen Staaten zusammengeschmolzen sind, kaufen die Konsumenten in den USA oder Europa verstärkt Waren aus angrenzenden Ländern wie Mexiko, Polen, Litauen oder Portugal.

Möbelexporte *) (Auswahl; in Mio. US$)
Länder 2012 2017 Veränderung
Weltexport 156.500 178.200 13,9
VR China 56.187 58.336 3,8
ASEAN (6) 9.625 14.431 49,9
.Vietnam 3.640 8.748 140,3
Deutschland 12.283 12.349 0,5
Polen 8.575 11.356 32,4
Italien 10.778 11.095 2,9
Tschechien 2.490 4.420 77,5

*) SITC-Pos. 82

Quellen: UN Comtrade; ITC; 2017 teilweise geschätzt; GTAI-Berechnung

Firmen, die weiter in China produzieren wollen, müssen in die Automatisierung ihrer Fertigung investieren. Die chinesischen Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen freuten sich daher - bislang - über volle Auftragsbücher. Insgesamt gab es nach Angaben aus Branchenkreisen gut 140 einheimische Anbieter. Anlagen zur Herstellung von Spanplatten kommen im Prinzip nur von zwei Firmen: Nanxing Equipment und Guangzhou KDT Machinery. Sie erzielten 2017 nach Angaben auf ihren Webseiten einen Umsatz von umgerechnet jeweils gut 100 Millionen US$.

Deutsche Maschinenbauer dominieren das Premiumsegment

Chinesische Maschinenbauer für die Holz- und Möbelindustrie decken vor allem das untere und mittlere Marktsegment ab. Dort konkurrieren sie mit Wettbewerbern aus Taiwan und Südkorea. Die Nachfrage nach hochwertigen Maschinen bedienen hingegen überwiegend deutsche Hersteller.

2017 importierte China gemäß UN Comtrade Maschinen zur Holzbearbeitung im Wert von 550 Millionen US$, was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von nahezu zwei Dritteln entsprach. Allerdings war 2016 ein recht schwaches Jahr. Vielen Unternehmen fehlte angesichts rückläufiger Ausfuhren das Kapital um zu investieren.

Chinas Einfuhren von Holzbearbeitungsmaschinen *) nach Lieferländern (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
Land 2017 Veränderung
Insgesamt 550,4 63,5
.Deutschland 225,1 81,4
.Italien 65,5 55,2
.Taiwan 79,8 51,4
.Japan 48,1 117,6
.Korea (Rep.) 40,0 25,0
.Andere 91,9 44,5

*) SITC-Pos. 728.12 und 728.44

Quelle: UN Comtrade

Für deutsche Unternehmen war 2017 laut Umfragen der Auslandshandelskammern das erfolgreichste Jahr, seitdem sie in China Geschäfte machen. Das dürfte auch für die Hersteller von Maschinen zur Holzbearbeitung zutreffen. Sie konnten laut UN Comtrade ihre Lieferungen ins "Reich der Mitte" im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 80 Prozent steigern.

US-Zölle auf chinesische Möbel steigen bald auf 25 Prozent

Im ersten Halbjahr 2018 verlief das Geschäft noch einigermaßen normal. Doch seitdem haben sich die Aussichten vor dem Hintergrund des Handelskonflikts mit den USA eingetrübt. Die USA führten zum 24. September 2018 für Möbelimporte aus China einen Zollsatz von 10 Prozent ein. Zum 1. Januar 2019 soll er auf 25 Prozent steigen. Das trifft die Branchenhersteller in der Volksrepublik besonders hart, denn 37 Prozent ihrer Ausfuhren gingen 2017 in die Vereinigten Staaten.

Bei vielen Möbelexporteuren handelt es sich um Mittelständler, die ihre Investitionen überwiegend aus dem Cashflow finanzieren. Wenn nun massiv Aufträge aus den USA wegfallen sollten, fehlt ihnen das Geld, um ihre Fertigung weiter zu modernisieren. Daher hat die Zentralregierung die einheimischen Banken angewiesen, wieder verstärkt Kredite an Unternehmen zu vergeben. Das dürfte die Lage aber nur marginal verbessern.

Ein Teil der Möbelhersteller in China befindet sich in der Hand von Hongkonger Investoren. Sie verfolgen seit ungefähr zehn Jahren die Strategie "China Plus One". Neben ihren Fabriken in der Volksrepublik bauten sie zusätzliche Fertigungskapazitäten in einem anderen Land, insbesondere in Vietnam, auf. Einerseits reagierten sie damit auf die steigenden Lohnkosten im "Reich der Mitte". Andererseits wollten sie ihr Länderrisiko diversifizieren.

Verlagerung von Fertigungsschritten dürfte dauerhaft bleiben

Vor diesem Hintergrund erwies sich ihre Strategie als goldrichtig, denn sie können nun relativ rasch Aufträge oder ganze Fertigungsschritte zwischen ihren Standorten verschieben. Nach Aussagen von Banken, Industrieverbänden und Logistikern in Hongkong ist zum Frühjahr 2018 ein großer Verlagerungsprozess in Gang gekommen. Die Unternehmen schicken Maschinen und andere Produktionsmittel nach Südostasien. Sie beantragen zudem mehr Kredite, um ihre dortigen Kapazitäten zu erhöhen.

Die einmal abgewanderte Produktion dürfte auch nach einer Beilegung des Handelskonfliktes nicht wieder nach China zurückkehren. Trotzdem wird die Volksrepublik auf absehbare Zeit der größte Möbelhersteller und -exporteur der Welt bleiben. Im Zuge des Zollstreits findet ein Konsolidierungsprozess statt, der letztendlich die Wettbewerbs- und Investitionsfähigkeit der Branche erhöht. Die langfristigen Absatzchancen für Anbieter von Holzbearbeitungsmaschinen sehen daher gut aus.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Hong Kong Trade Development Council http://research.hktdc.com (Startseite); http://china-trade-research.hktdc.com/business-news/article/China-Consumer-Market/China-s-Furniture-Market/ccm/en/1/1X000000/1X002L63.htm (Report zum Möbelmarkt China) Staatliche Handels- und Messeförderungs-stelle der SVR Hongkong
UN Comtrade https://comtrade.un.org/data Internationale Handelszahlen
Nanxing Equipment http://nanxingen128.test.dginfo.com Chinesischer Anbieter von Branchenmaschinen
Guangzhou KDT Machinery http://en.kdtmac.com Chinesischer Anbieter von Branchenmaschinen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

China Möbel, -teile, (auch Metall / Kunststoff / Glas), Holzbearbeitungsmaschinen

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