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24.01.2019

Handelskonflikt weckt vage Hoffnung bei Indonesiens Möbelproduzenten

Vorteil im Hauptabsatzmarkt USA durch höhere Importzölle auf chinesische Branchenwaren / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Ausländische Hersteller helfen der exportorientierten Möbelbranche, strukturelle Vorteile zu nutzen. Deutsche Importmöbel sind im überschaubaren Luxussegment gefragt.

Die indonesische Möbelbranche könnte ihren Export ausbauen. Die Hoffnungen ruhen auf den USA, die 40 Prozent der Ausfuhren abnehmen. Denn die US-Administration hat im September 2018 die Importzölle für Möbel aus China angehoben. Zusätzlich zu den normalen Regelzöllen sind nun Schutzzölle für Möbel mit Ursprung in China in Höhe von 10 Prozent fällig. Eine zunächst geplante Erhöhung auf 25 Prozent im Jahr 2019 ist zurzeit ausgesetzt.

Indonesien hat 2017 Möbel im Wert 1,7 Milliarden US-Dollar (US$) exportiert. Nach den USA sind Japan, die Niederlade, das Vereinigte Königreich und Deutschland die wichtigsten Abnehmerländer. Die Branche erwirtschaftete damit einen Handelsüberschuss von fast 1,3 Milliarden US$. Indonesien ist der weltgrößte Produzent und Exporteur von Rattanmöbeln.

Der Archipel hat hervorragende Bedingungen für die Möbelbranche. Arbeitskraft ist reichlich und günstig vorhanden, und der große und vielfältige Waldbestand bietet den Rohstoff Holz im Überfluss. Trotzdem kommen nach Schätzungen des Marktanalysten Data Consult 30 Prozent des verwendeten Holzes aus dem Ausland, weil dessen Import günstiger ist als die Nutzbarmachung der eigenen Vorkommen.

Weitere Schwächen verhindern, dass Indonesien ein Schwergewicht im internationalen Möbelhandel wird. So besteht die Branche vor allem aus kleinen Unternehmen. Laut Statistikamtes BPS (letztverfügbare Zahlen von 2015) gibt es 118.000 Mikrobetriebe, 21.000 kleine sowie nur 1.400 mittlere und größere Unternehmen. Gerade den kleineren Marktteilnehmern mangelt es an Know-how und Finanzkraft, um etwa in Maschinen, Marketing oder Messeauftritte zu investieren.

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Ausländische Firmen sind exportgetrieben

Allerdings sind mittlerweile etliche ausländische Möbelproduzenten im Land tätig. Wie viele es sind, können die schlecht informierten Branchenverbände nicht abschätzen. Sie bringen Expertise und Technologie ins Land und gehören vielfach zu den exportstarken Playern. Die Größeren unter ihnen zielen auf den internationalen Markt, die Kleineren auf den eigenen Heimatmarkt.

Indonesiens Anteil an den Weltausfuhren für Möbel ist gemessen an den Möglichkeiten klein. Mit weitem Abstand wichtigster Exporteur ist China, das auch den US-Importmarkt dominiert. Im Detail sind die Handels- und Produktionszahlen unscharf, weil die verschiedenen Zolltarifsysteme und nationalen Statistiken die Branche unterschiedlich abgrenzen.

Die Möbelbranche hat innerhalb des verarbeitenden Gewerbes Indonesiens nur eine kleine Bedeutung. Zudem wuchs sie laut Statistikamt 2017 nur um 3,7 Prozent und in den ersten drei Quartalen 2018 lediglich um 2,6 Prozent. Sie blieb damit deutlich unter dem Gesamtwachstum von knapp 5 Prozent. Allerdings beschäftigt sie immerhin 440.000 Menschen und absorbiert auf dem angespannten Arbeitsmarkt viele Geringqualifizierte.

Politischer Unterstützung kann sich die Branche aber auch deshalb sicher sein, weil Indonesien auf der Suche nach neuen Exportmärkten ist, um die negative Handelsbilanz von 2018 umzukehren. Das Rekorddefizit ist ein wichtiges Thema in den nationalistischen Debatten vor den Präsidentschaftswahlen im April 2019.

Ikea eröffnet zweite Filiale

Als Exportmarkt für ausländische Möbelhersteller hat Indonesien nur eine geringe Bedeutung. Im Jahr 2017 wurden lediglich Branchenwaren im Wert von 417 Millionen US$ in den Archipel geliefert. Mit Abstand wichtigster Lieferant ist China, das vor allem den Massenmarkt bedient. Die Lieferungen aus Deutschland hatten nach Angaben von Destatis lediglich einen Wert von etwa 7 Millionen US$ (laut indonesischen Statistiken waren es 9 Millionen US$). Sie zielen vor allem auf das Luxussegment.

Günstige Möbel aus chinesischer Fertigung gibt es in den Hypermärkten zu kaufen. Die nächsthöhere Kategorie ist Ikea, das 2014 seine erste Filiale vor den Toren Jakartas, in Tangerang, eröffnet hat. Das dortige Sortiment ist kaum von dem einer deutschen Niederlassung zu unterscheiden. Vielen Kunden gefällt das Konzept der Selbstbedienung ohne drängenden Verkäufer. Laut Ikea werden 8 Prozent der Waren in Indonesien hergestellt. Gleich am Eingang wird der Kunde in großen Buchstaben über die heimische Produktion informiert. Das Konzept scheint aufzugehen: Derzeit wird in Ost-Jakarta an einer weiteren Zweigstelle gebaut, die 2020 eröffnet werden soll.

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Das mittlere Möbelsegment findet sich ebenfalls in den unzähligen Shoppingmalls der großen Städte. Ketten wie etwa Informa zielen mit ihren lokalen und importieren Waren auf die junge, gehobene Mittelschicht. Luxus findet sich oft nur wenige Türen weiter in den Designerläden. Dort spielt der Preis keine Rolle, die Kunden wählen rein nach ihrem Geschmack aus.

Deutsche Möbel haben in Indonesien zwar keinen besonderen Ruf, dennoch werden sie teilweise als "made in Germany" beworben. Das deutsche Qualitätsversprechen wird vor allem dann herausgestellt, wenn es um Technik geht, wie etwa bei einer Küchenausstattung.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
BKPM https://www3.bkpm.go.id Investitionsbehörde
Asmindo http://asmindo.or.id Verband für Möbel und Kunstgewerbe
HIKMI http://himki-indonesia.com Verband für Möbel und Kunstgewerbe (Neugründung)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Holz, Möbel, Papier, Pappe, allgemein, Möbel, -teile, (auch Metall / Kunststoff / Glas)

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‎+49 30 200 099 393

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