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29.05.2018

Hanoi mit Riesenschritten auf dem Weg ins 21. Jahrhundert

Ausbau der Infrastruktur erfordert Investitionen in Milliardenhöhe / Mehr Chancen für Smart-City-Konzepte in der Peripherie / Von Frauke Schmitz-Bauerdick

Hanoi (GTAI) - Hanoi ist die sechstdynamischste Stadt der Welt, so zumindest der JLL City Momentum Index 2018. Ein ehrgeiziger Stadtentwicklungsplan, die daraus folgende bauliche Umgestaltung der Stadt sowie ein massiver Zustrom von Menschen und Kapital stellen die Infrastruktur vor Herausforderungen. Der Ausbau von Bus- und Bahnnetzen oder der Abwasser- und Abfallentsorgung steht auf der Tagesordnung der Regierung. Auch "Smart City"-Konzepte sind angedacht, in Zentralhanoi aber nur schwer umsetzbar.

Im Jahr 2010 konnte Hanoi, die im Norden gelegene Hauptstadt, tausendjähriges Bestehen feiern. Die Stadt ist politisches Zentrum des südostasiatischen Schwellenlandes, wirtschaftlich steht sie allerdings hinter Ho Chi Minh City zurück. Seit einer Kommunalreform im Jahr 2008 umfasst das Stadtgebiet einen Bereich von gut 3.300 Quadratkilometern mit mehr als sieben Millionen Einwohnern. In Zentralhanoi, der jetzigen Urban Area Hanoi, wohnen allein 3,7 Millionen Menschen. Uneinheitlichen Schätzungen zufolge wächst die Bevölkerung jährlich zwischen 1,7 und 4 Prozent.

Die Stadt ist im Umbruch. Der JLL City Momentum Index 2018 kürte Hanoi zur sechstdynamischsten Stadt der Welt. Modernisierung ist das Wort der Stunde. Hanois Entwicklungsmasterplan sieht vor, die Metropole bis 2030 in ein modernes, grünes und nachhaltiges Zentrum für Kultur, Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft umzugestalten.

Städtebaulich verändert sich die Stadt denn auch rasant. Hochhäuser schießen aus dem Boden, manchmal mit, oft aber auch ohne Ausbau der entsprechenden Straßen- und Sozialinfrastruktur. Immobilienentwickler investieren in Wohn- und Gewerbeimmobilien. So legt unter anderem die Vingroup einen hochverdichteten Wohnkomplex für jeweils mehrere tausend Menschen nach dem nächsten auf.

Basisdaten Hanoi
Indikator 2016
Einwohner (Mio.) 7,3
Fläche (qkm) 3.359
BIP/Kopf (US$) 2.664
Bevölkerungsdichte (Einwohner/qkm) 2.182
Anteil der Haushalte mit Zugang zu Elektrizität (%) 100 1)
Elektrizitätsverbrauch pro Kopf (kWh/Jahr) k.A.
Länge des ÖPNV (km) 26.599 2)
Abfall pro Einwohner (kg/Jahr) k.A.
Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu Trinkwasser (%) Central Urban Area: 100; Satellite Urban Area: 90 bis 95 3)
Wasserverbrauch pro Kopf (Liter/Tag) k.A.

1) 2016; 2) 2017; 3) 2020

Quellen: GSO, EVN, Ministry of Transport, Decision No. 449 QD-TTg approving the water supply master plan of Hanoi Capital

Zunehmender Verkehr wird zur Geduldsprobe

Verkehrstechnisch wird es enger auf Hanois Straßen. Im Juli 2017 waren 5,2 Millionen Mopeds im Großraum zugelassen, jährlich kommen knapp 7 Prozent dazu. Zudem können sich immer mehr Menschen ein Auto leisten, knapp 500.000 waren es Mitte 2017. Stadtplaner gehen davon aus, dass sich pro Jahr 10 Prozent mehr Wagen durch die zumeist noch engen Straßen der Stadt quälen werden. Auch wenn Hanoi mit dem Ausbau von Ringstraßen versucht, den Innenstadtverkehr zu entlasten, kann der Straßenbau mit der Masse an neuregistrierten Fahrzeugen nicht mithalten.

Abhilfe soll das im Aufbau befindliche Metrosystem bringen. Insgesamt sieht der städtische Transportmasterplan acht Linien vor. Die erste Hanoier Metrolinie Cat Linh- Ha Dong steht kurz vor der Fertigstellung. Nach mehrjähriger Verzögerung sollen im 3. Quartal 2018 die ersten Testfahrten starten. Die Arbeiten wurden weitestgehend durch chinesische Gelder finanziert. Auch die Linie 3 befindet sich im Bau und soll bis 2021 fertiggestellt werden; für die japanisch finanzierte Metrolinie 1 dürften in Kürze Ausschreibungen erfolgen. Unter anderem die Vingroup will sich mit bis zu 4 Milliarden US-Dollar (US$) am weiteren Ausbau des Metro-Netzes beteiligen.

Um den Verkehr besser zu steuern, will die Stadt in Zukunft mehr Verkehrslenkungs- und Parkleitsysteme einsetzen. Allerdings decken die in der Innenstadt vorhandenen legalen Parkplätze lediglich 10 bis 15 Prozent des benötigten Parkraums ab. Zumeist stellen Autofahrer ihre Wagen auf den immer wieder neu aufspringenden, in der Regel illegalen Pop-Up-Parkplätzen ab. Die Stadtregierung fordert Privatinvestoren auf, in Hoch- und Tiefgaragen zu investieren. Bislang sind die hiermit zu erzielenden Erlöse aber noch wenig attraktiv.

Stadtregierung sucht Investoren in moderne Umwelttechnik

Dem General Statistics Office zufolge ist zumindest in der Urban Region Hanoi die Abfallbeseitigung nach gesetzlichen Vorgaben gesichert. Schwieriger sieht die Lage hingegen in der Rural Region Hanoi aus, wo viele Dörfer im Einzugsgebiet des Zentrums über keine oder eine nicht hinreichende Abfallentsorgung verfügen.

Um den Abfall des gesamten Stadtgebietes zu verwerten, müssen bis 2020 insgesamt 17 Anlagen in Betrieb sein. Bislang sind allerdings lediglich neun Abfallzentren funktionsfähig. Dabei ist die Stadt modernen Müllentsorgungsmaßnahmen gegenüber offen. So ist in Nam Son seit 2017 die erste WtE-Anlage (Waste-to-Energy) des Landes im Probebetrieb. Der städtische Abfall-Masterplan sieht die Errichtung weiterer WtE-Anlagen vor.

Die Abwasserbehandlung, insbesondere in Gewerbegebieten und Handwerksdörfern, ist ebenfalls schwierig. So verfügen nach Zeitungsberichten lediglich 19 von 43 Industrieclustern über eine funktionierende Abwasserentsorgung. Massive Umweltverschmutzung ist die Folge. Die Stadtregierung weiß um das Problem, kämpft aber mit der Finanzierung.

Die Lage im Delta des Roten Flusses sowie im Zentrum einer Vielzahl kleinerer Flüsse, macht Hanoi verletzlich für Überschwemmungen. Die zunehmende Bodenversiegelung und nicht hinreichende oder nicht hinreichend unterhaltene Abflüsse führen bei Starkregen immer wieder zu Überschwemmungen ganzer Stadtteile. Die Stadt investiert in eine Reihe von Pump- und Abflusssystemen in besonders gefährdeten Gebieten. Bis 2020 soll so der Wasserablauf gewährleistet sein. Bis dahin plant die Stadtregierung, zumindest die Flutüberwachung durch die Installation von Kameras zu verbessern.

Blick auf Smart-City-Konzepte

Der Begriff Smart City ist zwar in aller Munde. Ideen wie Parkleitsysteme, Mobilitätsapps oder auch die intelligente Steuerung von Dienstleistungen der öffentlichen Daseinsvorsorge stehen in der Diskussion. Im innerstädtischen Ballungsraum halten Experten Smart-City-Konzepte aber für kaum umsetzbar. Mehr Chancen sehen Stadtplaner und Entwickler dagegen in der Peripherie der Großstadt. So will Hanoi mit Unterstützung Japans und 20 japanischer Unternehmen im Distrikt Dong Anh bis 2023 eine neue Smart City mit selbstfahrenden Bussen und energieeffizienter Technologie entwickeln. Erste Planungen sehen Investitionen in Höhe von 4 Milliarden US$ vor.

Projekte
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Smart City 4.000 Vereinbarung im Juni 2017 unterschrieben 2.080 ha Smart City im Nhat Tan - Noi Bai Gebiet; Investoren: Hanoi People's Committee, BRG and Sumitomo Group
Metro Linie 1, Ngoc Hoi - Yen Vien - Nhu Quynh 858 (Erste Phase) Neuausschreibungen für erste Projektphase 2018, Fertigstellung 2024 38,7 km Metrolinie; Investor: Ministry of Transport, Finanzierung: Japan International Cooperation Agency
Ring Road 2, Vinh Tuy - Nga Tu So 414 Investition 2012 genehmigt, Baustart April 2018 5-km-Straße von Vinh Tuy nach Nga Tu So; BT- Projekt, Investor: Vingroup
Ring Road 3, Mai Dich - Nam Thang Long 235 Baustart Januar 2018, Fertigstellung 2020 5,3-km-Straße von der Ring Road 3, Investor: Ministry of Transport, Auftragnehmer: Sumitomo Mitsui Construction, CIENCO4, Tokyu Construction und Taisei Corporation

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Vietnam können Sie unter http://www.gtai.de/vietnam abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vietnam Urbanisierung, Stadtentwicklung

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