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09.10.2018

Hochkonjunktur in der ivorischen Landwirtschaft

Bayer und BASF bauen Präsenz aus / Von Carsten Ehlers

Abidjan (GTAI) - Die ivorische Landwirtschaft erfährt weiterhin umfangreiche Investitionen. Kapital fließt sowohl in die Ausdehnung der landwirtschaftlichen Flächen als auch in Verarbeitungsanlagen.

Die derzeit wohl größten Projekte in der Landwirtschaft Côte d'Ivoires werden im Zuckersektor durchgeführt. Etwa 200.000 der nachgefragten 240.000 Tonnen werden lokal hergestellt. Nun wollen die beiden großen Hersteller Sucaf und Sucrivoire die Zuckerproduktion auf etwa 300.000 Tonnen ausdehnen.

Der zum französischen Unternehmen Somdiaa gehörende ivorische Zuckerproduzent Sucaf investiert bis 2022 nach eigenen Angaben etwa 128 Millionen Euro in seinen Zuckerkomplex in Ferkessédougou im Norden des Landes. Ebenfalls geplant ist der Bau zweier Zuckerraffinerien. Geplant ist auch die Nutzung von Biomasse aus Bagasse für die Herstellung von Strom. Der zur ivorischen SIFCA-Gruppe gehörende Zuckerproduzent Sucrivoire investiert ebenfalls in den Ausbau der Zuckerproduktion und bezifferte den Investitionsumfang auf 158,5 Millionen Euro.

Im für das Land so wichtigen Kakaosektor dürfte die Ernte 2017/18 geringer ausfallen als im Vorjahr. Als Grund werden die schlechten Wetterbedingungen genannt. Gleichwohl sorgt der zuletzt deutlich gestiegene Weltmarktpreis für Kakao für Optimismus im Sektor. Im Jahresverlauf 2017 fiel dieser zeitweise unter die 2.000-US-Dollar-Marke (US$), stieg dann aber bis Mai 2018 wieder auf etwa 2.600 US$ je Tonne an. Ein Teil der Ernte dürfte jedoch nach Ghana verkauft werden. Der von der ghanaischen Regierung angebotene Fixpreis für den Aufkauf von Kakao liegt bei 1,40 Euro, während das in Côte d'Ivoire zuständige Conseil du Café-Cacao (CCC) nur etwa 1 Euro bietet. Beide Länder zusammen produzieren etwa 60 Prozent der weltweiten Kakaoernte.

Diverse Projekte gibt es darüber hinaus beim Anbau von Mais, Kassava und Gemüse, hier insbesondere Tomaten, für die Supermärkte. Bislang wurden derartige Produkte entweder aus Europa oder aus Burkina Faso importiert. Des Weiteren dürfte es zu Investitionen in Hühnerfarmen für die Fleisch- und Eierproduktion kommen.

Anbau von ausgewählten Rohstoffen in Côte d'Ivoire
Anbausorte Jahresproduktion 2016/17 (in Tonnen) Position
Kakao 1.900.000 Nummer 1 weltweit, Erntesteigerung um circa 27%. Im Vorjahr litt die Ernte unter El Nino.
Kautschuk 400.000 Nummer 1 in Afrika, Tendenz: steigend.
Cashewnuss 673.000 Nummer 1 in Afrika, Nummer 2 weltweit hinter Indien und weltweit größter Exporteur. Steigerung der Ernte um 3,6%.
Baumwolle 328.000 Drittgrößter westafrikanischer Produzent nach Mali und Burkina Faso. Tendenz: Ernte 2017 ist nach heftigem Rückgang im Vorjahr diesmal um 5,7% gestiegen.
Palmöl 415.000 Nummer 2 in Afrika nach Nigeria und weltweit fünftgrößter Exporteur. Tendenz: stagnierend.
Kaffee (Robusta) 130.000 Größter Robusta-Produzent in Westafrika. Tendenz: leicht steigend.
Reis 1.335.000 Produktion seit 2011 von 550.000 Tonnen deutlich erhöht. Einbruch im Vergleich zum Vorjahr um 27% wegen geringer Niederschläge.

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Mehr Landtechnik nachgefragt

Nach Einschätzung von Marktkennern dürfte der Absatz von Landtechnik in den nächsten Jahren wieder ansteigen. Grund dafür sind in erster Linie die Investitionen im Zuckersektor. Für den Abtransport von Rohrzucker werden Traktoren und Hänger in größerer Zahl benötigt. Hoch dürfte auch die Nachfrage nach Ausrüstungen für Hühnerfarmen sein. Die führenden Traktorenhersteller sind in Côte d'Ivoire über Handelsvertreter präsent. Massey Ferguson wird von CFAO vertrieben, John Deere von Lassire und DEM und New Holland von ATC und Case von Kanu Equipment. Führend bei Ackerschleppern ist in Côte d'Ivoire die Marke New Holland, da der Großabnehmer Sifca Anteile an ATC hält und dort auch einkauft. Laut Einschätzungen der Vertriebspartner pendelt sich der Absatz von Traktoren in Côte d'Ivoire bei jährlich zwischen 150 und 200 Einheiten ein.

Deutsche Hersteller von Landtechnik sind in Côte d'Ivoire bislang nicht vertreten und spielen auf dem Markt auch keine signifikante Rolle. Im Jahr 2017 wurde laut Angaben des VDMA Landtechnik im Wert von nur etwa 620.000 Euro von Deutschland nach Côte d'Ivoire geliefert. Dass deutsche Unternehmen Zukunftspotenzial in der ivorischen Landwirtschaft sehen, deuten die kürzlich aufgestockten Präsenzen von Bayer und BASF in Abidjan an. Beide Unternehmen beliefern die Landwirtschaft mit Agrochemie. Von Abidjan aus kann man nicht nur den großen ivorischen Markt versorgen, sondern auch andere Länder des frankofonen Westafrikas wie Mali und Burkina Faso.

Abidjan ist ein regionaler Hub für die Nahrungsmittelindustrie

Marktkenner berichten derzeit aufgrund der im Jahr 2020 anstehenden Präsidentschaftswahlen über vorübergehende Zurückhaltung bei den Investoren in der Nahrungsmittelindustrie. Die Investoren möchten wissen, wie es politisch in dem immer noch latent instabilen westafrikanischen Land weiter geht. Gleichwohl verkaufen sich deren Produkte angesichts der Hochkonjunktur im Land nach wie vor gut. Economist Intelligence Unit (EIU) prognostiziert für das Jahr 2018 ein BIP-Wachstum von 7,1 und für 2019 von 6,5 Prozent. Damit zählt die ivorische Wirtschaft weiterhin zu den wachstumsstärksten des Kontinents. Die deutschen Ausfuhren an Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen nach Côte d'Ivoire erreichten nach Angaben des VDMA im Jahr 2017 einen Wert von 7,3 Millionen Euro. Hier besteht noch deutliches Steigerungspotenzial. Bleibt die politische Lage stabil, dann ist von steigenden Investitionen in der Branche ab 2020 auszugehen.

Neben Dakar in Senegal haben sich in den Abidjaner Industriezonen Yopougon und Vridi zahlreiche Lebensmittelhersteller angesiedelt. Von dort beliefern sie nicht nur den heimischen Markt mit seinen rund 24 Millionen Einwohnern, sondern auch die anderen frankofonen Länder Burkina Faso, Mali, Guinea, Niger, Togo und Benin. Damit erreichen sie einen Markt von mehr als 100 Millionen Menschen mit zudem hohem Bevölkerungswachstum. Kapital fließt in Côte d'Ivoire auch in das Agro-Processing, welches im ganzen Land, oft in der Nähe der Farmen, vorgenommen wird von Herstellern wie Cargill und Cémoi (Kakao), SAPH (Palmöl, Kautschuk), Sucaf und Sucrivoir (Zucker) oder Olam (Cashewnüsse).

Die Präsenz deutscher Industriezulieferer ist gering in Côte d'Ivoire. Lieferanten von Nahrungsmittelmaschinen betreiben ihre regionalen Niederlassungen in Nigeria. Zulieferer von technischen Komponenten wie Pumpen und Ventile sind über einige ivorische Distributoren vertreten. Gleichwohl wächst das Interesse am ivorischen Markt, weshalb der deutsche Messeveranstalter Tradefair seine seit 2012 in Accra ausgetragene Messe agrofood & plastprintpack West Africa im Jahr 2018 zum ersten Mal in Abidjan austragen wird. Die Veranstaltung wird vom 20. bis 22. November 2018 im Radisson Blu Hotel am Abidjaner Flughafen stattfinden.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Côte d'Ivoire können Sie unter http://www.gtai.de/cote-d-ivoire abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie mittels interaktiver Karte unsere Informationen zum Land Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist relevant für:

Côte d'Ivoire Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Messen und Ausstellungen, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Land- und Forstwirtschaftsmaschinen

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