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16.04.2019

Hohe Nachfrage nach thermischen Kraftwerken in Ghana kühlt langsam ab

Regionale Präsenz für Zulieferer könnte dennoch sinnvoll sein / Von Carsten Ehlers (April 2019)

Accra (GTAI) - Es werden in den kommenden Jahren noch einige thermische Kraftwerke gebaut. Neue Lizenzen dürften aufgrund von Überkapazitäten vorerst aber nicht erteilt werden.

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse
Zunehmende Stromnachfrage durch hohes Bevölkerungswachstum. Überkapazitäten bei der Stromerzeugung sorgen dafür, dass vorerst keine neuen Lizenzen vom Staat erteilt werden.
Seit Neuestem vor der ghanaischen Küste gefördertes Erdgas soll Kraftwerke speisen. Dies sorgt für die Offenheit der ghanaischen Regierung gegenüber thermischer Energie. Der nationale Stromversorger Electricity Corporation of Ghana (ECG) ist marode. Es besteht eine gewisse Unsicherheit auf Seiten privater Investoren bezüglich der Zuverlässigkeit der Zahlungen.
Privatisierung der Stromproduktion.

Quelle: Analyse von Germany Trade & Invest

Die "fetten" Jahre für thermische Kraftwerksprojekte sind vorerst vorbei

Für die Unternehmen in Ghana, die mit dem Bau thermischer Kraftwerke ihr Geld verdienen, brechen schwierigere Zeiten an. Die Regierung hat durch ihre großzügige Lizenzerteilung für Stromproduzenten in den vergangenen Jahren Überkapazitäten zugelassen. Einer installierten Kapazität von über 4.000 Megawatt (MW) steht gerade einmal eine Spitzennachfrage von rund 2.600 Megawatt gegenüber. Zwar werden in den kommenden Jahren noch einige thermische Kraftwerke gebaut, deren private Investoren bereits Lizenzen erhalten haben. Jedoch wurde bei diesen Kraftwerken bereits die Kapazität deutlich reduziert. Ausschreibungen für gänzlich neue Kraftwerke plant die Regierung aktuell erst wieder ab dem Jahr 2030.

Der Trend der vergangenen Jahre, die Kraftwerksinvestitionen von privaten sogenannten Independent Power Producer (IPP) durchführen zu lassen, soll sich nach dem Willen der Regierung fortsetzen. Gleichwohl trägt ein neues Local-Content-Gesetz zur Verunsicherung der Unternehmen bei. Es wurde im März 2018 mehr oder weniger still beschlossen und stellte die Unternehmen vor vollendete Tatsachen. Das Gesetz besagt, dass Unternehmen, die im Energiesektor aktiv sind, lokale Partner mit einzubeziehen haben. Weil die Umsetzung mit vielen Ungewissheiten verbunden ist, hat sich zum Beispiel Siemens als Anteilseigner aus dem geplanten Rotan-IPP zurückgezogen und möchte nun nur noch als Zulieferer agieren.

Private Investoren dominieren Kraftwerksbau in Ghana

Thermische Kraftwerke wurden bei der Stromerzeugung erst in den vergangenen Jahren bedeutend. Normalerweise werden die Kraftwerke von IPP errichtet und anschließend betrieben. Der Staat hat sich aus diesem Geschäft weitgehend heraus gehalten. In der Regel sind die IPP ausländisch dominierte Konsortien, bestehend aus einem Projektentwickler sowie einem EPC-Contractor (Engineering-Procurement-Construction), der für die Planung, die Baudurchführung sowie die Beschaffung von technischen Ausrüstungen zuständig ist. In Frage hierfür kommen ausländische oder hochprofessionelle ghanaische Baufirmen, welche oft ausländische Wurzeln haben.

Da in Ghana aufgrund der begrenzten Netzkapazität eher kleinere Turbinen bei thermischen Kraftwerken verwendet werden, haben nicht nur die großen Lieferanten wie General Electric (GE), Siemens oder Mitsubishi Lieferchancen sondern auch kleinere Anbieter, wie Ansado (Italien), Solar (USA) oder chinesische Produzenten. Dominiert wird der Markt gleichwohl seit Jahren von GE. Selbst Siemens hat es schwer, in den Markt zu kommen. Das Unternehmen wäre mit seiner Beteiligung am geplanten Rotan-IPP mit Sicherheit auch der zentrale Zulieferer für die technischen Ausrüstungen geworden. Aufgrund des Local-Content-Gesetzes hat sich Siemens jedoch als Investor aus dem Projekt herausgezogen.

Kleinere Zulieferer verfügen nur über begrenzte Chancen

In Ghana wird die Combined-Cycle-Gas-Turbine-Technologie (CCGT) verwendet. Dafür benötigte Komponenten sind: Boiler (Heat Recovery Steam Generator; HRSG), Transformatoren, Schaltanlagen sowie Pumpen und Ventile. Hierfür kommen diverse Zulieferer in Frage, wie zum Beispiel Schneider Electric. Wer über gute Beziehungen zu den EPC-Kontraktoren verfügt, verbessert seine Zulieferchancen. Zunehmend dürfte auch für die lokale Präsenz eine Rolle spielen, welche bei den meisten kleineren Zulieferern bislang schwach ausgeprägt ist.

Deutlich wachsen dürfte in den kommenden Jahren das Instandhaltungsgeschäft. Hinzu kommen Generalüberholungen verbunden mit Retrofits sobald die Kraftwerke ihren Lebenszyklus von etwa zwölf Jahren erreicht haben. Gab es im Jahr 2007 nur ein thermisches Kraftwerk in Ghana, dürften es in wenigen Jahren mehr als 15 sein. Hinzu kommen weitere Anlagen in anderen westafrikanischen Ländern wie Nigeria, Togo, Benin, Côte d'Ivoire oder Senegal. Dass immer mehr Kraftwerke in Westafrika gebaut werden, dürfte Unternehmen zunehmend dazu bewegen, in der Region präsent zu sein. In einer generell politisch instabilen Region ist Ghana einer der attraktivsten Standorte für die Gründung einer regionalen Niederlassung.

Projekte zu konventionellen Kraftwerken in Ghana
Projektbezeichnung/ Unternehmen Technologie/ Kapazität Investitionsvolumen (Mio. US$) Status Anmerkung
Early Power IPP in Tema CCGT, 144 MW 948,5 Im Bau seit 12/2018 Vorher Bridge Power. Konsortium besteht aus Sage Petroleum (Ghana), Endeavor Energy und GE (beide USA).
Amandi IPP in Aboadze CCGT, 192 MW 552,0 Im Bau, geplante Fertigstellung 2019 Mehrheitseigner ist Endeavor Energy. Finanzierung u.a. durch OPIC (USA), EPC-Contractor: Metka (Griechenland), Turbinen von GE.
Jacobsen IPP in Aboadze CCGT, 360 MW Baubeginn verzögert sich Mehrheitseigner ist Jacobsen Jelco (Norwegen).
Rotan IPP in Aboadze CCGT, 660 MW 500 Mio. Fertigstellung geplant für 2025 Siemens war Teil des Konsortiums als EPC-Contractor mit mehreren ghanaischen Geschäftsleuten, hat sich aber herausgezogen.
Marinus IPP in Atuabo Waste Gas-to-Power, 93 MW geplant Turbinen von GE (Typ: TM 2500).

Quellen: GTAI-Recherche

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/ghana Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen.
Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen etc.
Factsheets der Exportinitiative Energie https://www.german-energy-solutions.de/SiteGlobals/GES/Forms/Listen/Publikation/Publikation_Formular.html?cl2Categories_Typ_name=kurzinformationen Allgemeine Energieinformationen zum Land (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus).
AHK Ghana https://ghana.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen.

Für tagesaktuelle Informationen zu Energiemärkten und Umwelttechnologien folgen Sie uns auf Twitter: http://www.twitter.com/GTAI_Umwelt

Weitere Entwicklungen in der Energiepolitik finden Sie unter: Ghanas Regierung möchte mehr lokale Beteiligung am Energiesektor http://www.gtai.de/MKT201904158018

Dieser Artikel ist relevant für:

Ghana Kraftwerksbau, Wärme- und Gasversorgung, Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien

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‎+49 228 24 993 238

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