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25.03.2019

Hoher Bedarf an energetischer Sanierung in den Niederlanden

Zu wenig lokale Firmen für die erwarteten Arbeiten / Marte-Marie van den Bosch (März 2019)

Den Haag (GTAI) - Aus den energetischen Zielen für den Gebäudebau in den Niederlanden ergeben sich zahlreiche Projekte in naher Zukunft. Bei der Ausführung fehlt es an Fachbetrieben.

Aktuelle Themen der Energieeffizienzwirtschaft

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse
Vorgaben zur Gebäudesanierung fehlende Vorgaben/Anreize für private Hauseigentümer
Ziel der Regierung: Erdgasfrei bis 2050 Energieinfrastruktur muss komplett umgerüstet werden
Regierung gibt hohes Tempo zur Umsetzung vor Personalengpässe im Bausektor

Bausektor steht vor großen Herausforderungen

Der niederländische Bausektor hat große Aufgaben zu bewältigen: zum einen müssen in hohem Umfang neue Wohnungen (2020 bis 2023 etwa 80.0000 Einheiten jährlich) gebaut werden. Andererseits müssen die Bestandsgebäude energetisch saniert und für den Ausstieg aus der Erdgasnutzung vorbereitet werden.

Große Projekte für energetische Sanierungen ergeben sich vor allem beim Bestand der Wohnungsbaugenossenschaften und bei Gewerbeimmobilien. Für diese Gebäude bestehen klare energetische Zielsetzungen. So müssen die Immobilien der Bauvereine 2021 mindestens das Energielabel B aufweisen, bis 2050 sollen sie energieneutral sein. Laut Angaben des Dachverbandes der Wohnungsbaugenossenschaften sind diese Gesellschaften auf gutem Wege, die Effizienzklasse B bis 2021 zu erreichen. Betroffen sind rund 2,1 Millionen Objekte. Auch private Hausbesitzer sollen CO2 reduzieren. Allerdings liegt es in deren Entscheidung, ob sie sanieren oder nicht.

Wegen gesetzlicher Vorgaben können Installationsfirmen ebenfalls mit Aufträgen im Gewerbebau rechnen. So dürfen Bürogebäude, die bis 2023 nicht mindestens Energieklasse C erreicht haben, nicht weiter genutzt werden. Die Ausnahme bilden Arbeitsräume mit einer Fläche von weniger als 100 Quadratmetern. Hieraus ergeben sich zahlreiche Projekte. Die Auftragslage ist für den niederländischen Bau- und Energiesektor nicht zu bewerkstelligen. Daraus ergeben sich gute Chancen für deutsche Unternehmen, sich auf dem niederländischen Markt zu etablieren.

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Wettbewerbssituation und Marktausblick

Deutsche Installateure können von Engpässen profitieren

Die niederländischen Baubranche kämpft mit dem Fachkräftemangel. Besonders stark getroffen ist dabei der Wohnungsbau. Weitere Schwierigkeiten bestehen in der Beschaffung von Materialien, wodurch bereits jetzt Verzögerungen entstehen. Die künftig notwendigen energetischen Sanierungen werden die Situation noch verschärfen.

Der Angebotsmangel bietet deutschen Unternehmen gute Möglichkeiten, auf dem Nachbarmarkt tätig zu werden. Besonders Installateure sind gefragt. Deutsche Technologieprodukte genießen einen guten Ruf. Da niederländische Geschäftsleute viel Wert auf ein persönliches Kennenlernen legen, ist die geografische Nähe von Vorteil.

Wohnungsbaugenossenschaften sind Vorreiter bei der Umsetzung

Wohnungsbaugenossenschaften und öffentliche Institutionen sind die wichtigsten Auftraggeber bei Großprojekten. Installateure werden entweder direkt durch von den Genossenschaften beauftragte Bauunternehmen oder durch Architekten, Planer oder Berater kontraktiert. Häufig müssen Zertifizierungsvorschriften berücksichtigt werden.

Führende Bauunternehmen sind BAM VolkerWessel, Heijmans, Ballast Nedam und Dura Vermeer. Unter den Installateuren ist Unica führend. Techneco stellt Wärmepumpen für den Wohnungs- und Gewerbebau her.

Chancen ergeben sich auch für Anbieter von Fassaden- und Dachisolierungen sowie von Fenstern, Wärmepumpen, Solarthermie und Energiespeichertechnologien. Die einzelnen Wohnungsbaugenossenschaften wollen drei Viertel der Wohnungen in Passivhäuser umwandeln oder sie bestmöglich isolieren und mit Solarmodulen ausstatten. Bei den restlichen 500.000 Wohnungen soll die Fassade von innen oder außen gedämmt werden. Der Dachverband der Wohnungsbaugenossenschaften, Aedes, geht von Investitionen in Höhe etwa 108 Milliarden Euro aus, um die 2,1 Millionen Wohnungen energetisch zu sanieren und auf andere Energieträger als Gas umzustellen. Das bedeutet, dass die Genossenschaften etwa 3,4 Milliarden Euro jährlich bis 2050 investieren müssen. Dabei soll die Sanierung allerdings nicht auf Kosten des Neubaus gehen. Sicherzustellen ist zudem die Bezahlbarkeit der Mieten. Für die Umsetzung ist laut Aedes staatliche Unterstützung notwendig.

Regierung unterstützt Initiativen zur Beschleunigung der Marktentwicklung

Der Verein "Stromversnelling" entstand aus einem staatlichen Innovationsprojekt, das Nullenergiehäuser errichtete. Wichtig waren dabei kurze Sanierungszeiten mit standarisierten Lösungen und vorgefertigten Bauelementen. Daher verfügt der Verein heute über ein breites Wissen über Kostensenkung bei der Renovierung sowie über Methoden, die die Arbeiten beschleunigen. Zudem hat er inzwischen ein Netzwerk von Zulieferern, Finanzierern und Wohnungsanbieten aufgebaut. Der Verein kann auf 1.300 Sanierungen zurückblicken, 15.000 weitere sind in Planung. Eine Übersicht der Projekte finden Sie unter https://stroomversnelling.nl/projecten/.

Die Umstellung auf andere Energieträger als Erdgas soll stadtviertelweise erfolgen. Dabei werden Gemeinden, Energieunternehmen, Bewohner und Eigentümer einbezogen. Die Regierung hat 120 Millionen Euro für Pilotprojekte zur Verfügung gestellt. Seit 2018 testen erste Gemeinden Alternativen zum Erdgas. Eine Übersicht der teilnehmenden Gemeinden finden Sie unter: http://www.rijksoverheid.nl/documenten/publicaties/2018/10/01/overzicht-27-gemeenten-met-een-aardgasvrije-wijk

Wohnungsbaugenossenschaften sind führend bei der Umsetzung. Ende 2018 haben sie zusammen mit Gemeinden und anderen Partnern aus dem Bau- und Energiesektor einen Aktionsplan festgelegt, der 100.000 Wohnungen zwischen 2019 und 2022 erdgasfrei machen soll. Hierfür stellt die Regierung 500 Millionen Euro in Form von Subventionen und Steuervorteilen zur Verfügung. Ziel des Großprojekts ist es, den Übergang von Pilotvorhaben zu einer breiten Markteinführung zu beschleunigen und damit auch die Kosten zu senken. Steigende Mietpreise nach einer Renovierung sollten durch niedrigere Energierechnungen ausgeglichen werden, hoffen die Initiatoren des Projekts.

Adressen wichtiger Nichtregierungs-Stakeholder (NGOs, Verbände, Forschungsinstitute) und Messedaten

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen
Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen
Factsheets der Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de/SiteGlobals/GES/Forms/Listen/Publikation/Publikation_Formular.html?cl2Categories_Typ_name=kurzinformationen Allgemeine Energieinformationen zum Land (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)
AHK Niederlande https://niederlande.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Bauverband (Bouwend Nederland) http://www.bouwendnederland.nl
Wohnungsbaugenossenschaftsverband (Aedes) http://www.aedes.nl
Wissensplattform Nachhaltiges Bauen (Duurzaam Gebouwd) http://www.duurzaamgebouwd.nl
Energiemesse (Energievakbeurs) http://www.vakbeursenergie.nl/en/
Baumesse (Bouwbeurs) http://www.bouwbeurs.nl

Informationen zu den Niederlanden finden Sie unter http://www.gtai.de/Niederlande, weitere Angaben zum Thema Niederlande mit ehrgeizigen Einsparungszielen im Gebäudebau unter http://www.gtai.de/MKT201903228007. Für tagesaktuelle Informationen zu Energiemärkten und Umwelttechnologien folgen Sie uns auf Twitter: http://www.twitter.com/GTAI_Umwelt.

Dieser Artikel ist relevant für:

Niederlande Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Gewerbebau, Energieeinsparung, Wohnungsbau

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Ingeborg Kozel

‎+49 228 24 993 365

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