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29.08.2017

Hohes EU-Budget für nachhaltige Energie in Partnerländern

Afrika steht im Fokus, Beteiligung der Privatwirtschaft / Von Heike Hoffmann

GTAI (Brüssel) - Die EU sieht über ihre Drittstaatenprogramme umfangreiche Finanzierungen vor, um in ihren Partnerländern sichere und saubere Energien zu fördern. Afrika erhält die höchsten Mittel, da Energie als eine Grundlage für nachhaltige Entwicklung und Bekämpfung der Fluchtursachen betrachtet wird. Ein neuer Trend zeigt sich bei der Umsetzung: Die EU bindet vermehrt private Unternehmen als Partner in ihre Entwicklungsvorhaben ein. (Kontaktadressen)

Im EU-Haushalt 2014 bis 2020 sind 3,5 Milliarden Euro von insgesamt 82,3 Milliarden Euro für Vorhaben zur Förderung nachhaltiger Energie und besseren Energiezugangs veranschlagt, der Großteil davon in Afrika (2,7 Milliarden Euro). Ökologische Nachhaltigkeit steht auch im Fokus des jüngst unterzeichneten Konsens für die Entwicklungspolitik der EU und ihrer Mitgliedstaaten.

Umfassende Pläne für nachhaltige Energievorhaben

EU-Vorhaben im Sektor Erneuerbare Energie und Energieeffizienz bieten auch deutschen Unternehmen Chancen. Die Drittstaatenprogramme der EU legen den Schwerpunkt auf klimafreundliche Ansätze und folgen somit den Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG). Diese fordern auch nachhaltige und moderne Energie für alle als politische Zielsetzung der Gebergemeinschaft.

Die Europäischen Entwicklungstage (European Development Days) im Juni 2017 thematisierten auch Erneuerbare Energien. EU-Entwicklungskommissar Neven Mimica verpflichtete sich durch eine gemeinsame Erklärung mit Alpha Condé, Präsident der Afrikanischen Union (AU), an den Zielen der AU auf dem Feld der Erneuerbaren Energien mitzuwirken. Die AU sieht in ihrer Afrikanischen Initiative für Erneuerbare Energien (African Renewable Energy Initiative, AREI) vor, bis 2020 rund 10 Gigawatt (GW) zusätzliche Stromkapazitäten durch Erneuerbare Energien zu schaffen. EU und AU gewährleisten jeweils die Umsetzung von 5 GW. Laut Roberto Ridolfi, zuständig für nachhaltiges Wachstum in der Generaldirektion Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung (International Cooperation and Development, DEVCO) der EU-Kommission, ist der Privatsektor hierbei essentiell. Um bis 2030 den Energiezugang für alle zu erreichen, müsste Schätzungen zufolge rund 1 Billion Euro investiert werden.

Afrika ist neben Asien und Lateinamerika auch im Blick der EU Energy Initiative Partnership Dialogue Facility (EUEI-PDF). Durch sie fördert die EU seit 2004 Kapazitätsaufbau, Politikberatung und Privatinvestitionen für Erneuerbare Energien. Ausschreibungen laufen im indirekten Managementverfahren über die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

EU und AU ziehen an einem Strang, um erneuerbare Energien zu fördern

Innerhalb der seit 2007 bestehenden strategischen Afrika-EU Energiepartnerschaft (Africa-EU Energy Partnership, AEEP) sind zwei Finanzierungsmechanismen besonders relevant. Das seit 2010 laufende Africa-EU Renewable Energy Cooperation Programme (RECP) beinhaltet keine Ausschreibungen, liefert Firmen aber Hilfestellung zur Finanzierung. Die Electrification Financing Initiative (ElectriFI) begann 2016 mit einem Fonds von 116 Millionen Euro, mit der sie Fördersummen zwischen 0,5 und 10 Millionen Euro pro Vorhaben vergibt (maximal 50%). Die Projekte müssen somit Investitionen von mindestens 0,5 Millionen Euro umfassen. Der erste Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen (Call for proposals) mobilisierte mit 800 Millionen Euro Investitionen in Höhe von 8,5 Milliarden Euro. Der dritte Call wird noch 2017 erwartet.

Blick nach Osten: E5P

Ihre östlichen Nachbarn unterstützt die EU seit 2009 mit der Eastern Europe Energy Efficiency and Environmental Partnership (E5P). Dieser 180 Millionen Euro schwere Fonds unterstützt Projekte für nachhaltige Energie und bindet Unternehmen ein. Bisher gab es Ausschreibungen für Vorhaben in der Ukraine (seit 2009: 108 Millionen Euro), Armenien, Georgien, der Republik Moldau, Aserbaidschan und Weißrussland.

Europäische Investitionsoffensive für Drittländer: Energie im Fokus

Hochaktuell ist die Europäische Investitionsoffensive für Drittländer (European External Investment Plan, EEIP), die noch 2017 in Kraft tritt. Deren erste Säule, der Europäische Fonds für Nachhaltige Entwicklung (European Fund for Sustainable Development, EFSD), umfasst Instrumente der Kredithebelung und neue Garantien. Beides umfasst 3,5 Milliarden Euro, die private Investitionen in Höhe von 44 Milliarden Euro für Projekte in Afrika und der EU-Nachbarschaft auslösen sollen. Die Garantien (1,5 Milliarden Euro) sorgen für Risikoabsicherung privater Geschäftsvorhaben auch in fragilen Ländern und machen Investitionen attraktiv. Erneuerbare Energie ist ein Fokus.

Initiativen im Energiesektor, Chancen für deutsche Unternehmen
Bezeichnung Zielregion Stand der Förderung
EEIP und EFSD Afrika und EU-Nachbarschaft Besonders neue Garantie zur Absicherung von Vorhaben, in Arbeit
ElectriFI Aufstrebende Märkte, Fokus Afrika Ausschreibungen erwartet für Herbst 2017
E5P Östliche Nachbarschaft Andauernde Ausschreibungen je Land
RECP Afrika Keine Ausschreibungen, aber Hilfestellung zur Finanzierung

(Quelle: EU-Kommission)

Exportinitiative Energie

Mit dem Geschäftsfeld Erneuerbare Energien befasste sich die Veranstaltung "Internationale Ausschreibungen von Projekten klimafreundlicher Energielösungen" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie am 12. Juli 2017 in Berlin. Präsentiert wurden Chancen und Ratschläge für Anbieter, die sich international aufstellen wollen. GTAI war unter anderem mit einem Expertenvortrag über die EU-Vorhaben vertreten.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse
EEIP und EFSD http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-16-3006_de.htm
ElectriFI http://electrifi.org/(mit Informationsdienst)
E5P http://e5p.eu/
RECP https://www.africa-eu-renewables.org
Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de/GES/Redaktion/DE/Meldungen/Aktuelle-Meldungen/2017/20170725_erfolg_fva-internationale-ausschreibungen.htm

(HHO)

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