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10.12.2018

Hohes Tempo in Rumäniens Kfz-Industrie

Starke Präsenz deutscher Zulieferer / Von Adriana Steau und Guenter Maier

Bukarest (GTAI) - Rumäniens Pkw-Produktion wächst. Die Zulieferindustrie profitiert von der günstigen Wirtschaftsentwicklung im europäischen Ausland und von intakten Lieferketten.

Die Kfz- und Zulieferbranche ist das Aushängeschild der rumänischen Industrie. Im Jahr 2017 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 7 Prozent auf 23,5 Milliarden Euro. Davon entfielen 72 Prozent auf die Kfz-Zulieferer und 28 Prozent auf die beiden lokalen Pkw-Produzenten Dacia (Renault) und Ford. Für 2018 erwartet der rumänische Automobilherstellerverband ACAROM einen Umsatzanstieg von mindestens 18 Prozent.

Pkw-Produktion in Rumänien (in Einheiten)
Hersteller 2015 2016 2017 Veränderung 2017/16 (in %)
Pkw, darunter 387.171 358.861 363.654 1,3
.Dacia 339.204 320.012 313.883 -1,9
.Ford 47.967 38.849 49.771 28,1

Quellen: Verband der Automobilhersteller und -Importeure (APIA); Verband der rumänischen Automobilbauer (ACAROM)

Die vor Ort gefertigten Dacia- und Ford-Modelle verzeichnen ein kräftiges Nachfrageplus im In- und im Ausland. Branchenkenner schätzen, dass die Kfz-Produktion aufgrund der wachsenden Beliebtheit der beiden SUV-Modelle Dacia Duster und Ford EcoSport 2018 auf 450.000 Fahrzeuge steigen wird - das wäre ein neuer Rekord. Zuletzt wurde die Grenze von 400.000 produzierten Fahrzeugen im Jahr 2013 erreicht.

Ford will zweites Modell fertigen

Ford hat in Rumänien insgesamt 200 Millionen Euro in die Fertigung des Modells EcoSport und in die Motorenproduktion investiert. Der Mini-SUV wird seit September 2017 in Craiova produziert. Die Vorliebe des Marktes für diesen Fahrzeugtyp ließ die Produktion bei Ford in den ersten acht Monaten 2018 um 124 Prozent steigen. Künftig will Ford ein zweites Modell in Craiova herstellen und damit die tägliche Produktion von 600 auf 900 Einheiten erhöhen. Zielmarke ist zwischen 218.000 und 260.000 Fahrzeuge pro Jahr. Ford hat sich dazu verpflichtet, bis 2025 jährlich 810.000 Autos und 1,5 Millionen Motoren zu fertigen.

Die rumänische Regierung hofft, einen dritten Autobauer im Land anzusiedeln. Nachdem sich führende Unternehmen der Branche zuletzt eher für Nachbarländer entschieden haben, steht noch die Entscheidung des chinesischen Automobilkonzerns ZhiDou aus. Dieser hat angekündigt, eine Produktionsstätte für Elektroautos entweder in Rumänien oder in Slowenien eröffnen zu wollen.

200 internationale Zulieferer

Die beiden Autobauer Dacia und Ford sind auch die Zugpferde für die rumänische Kfz-Zuliefererbranche. Rund 200 internationale Zulieferer unterhalten Tochterunternehmen vor Ort, darunter 13 der 20 weltweit führenden Teilehersteller. Neben deutschen Unternehmen wie Continental, Schaeffler, Bosch, Leoni und Dräxlmaier sind internationale Konzerne wie Michelin, Pirelli oder Delphi in Rumänien mit eigener Fertigung vertreten.

Die rumänische Kfz- und Zulieferindustrie kann dank ihres Automatisierungsgrades mit einer hohen Produktivität punkten. Bis 2020 soll die Fertigung bei Dacia in Mioveni zu 20 Prozent automatisch erfolgen. Das Unternehmen will hierfür in den nächsten zwei Jahren 30 Millionen Euro investieren. Die Branche hat aber auch mit einer Reihe von Herausforderungen zu kämpfen. Vor allem der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und die schlechte Transportinfrastruktur machen den Unternehmen zu schaffen. Die Engpässe erschweren Investitionen in bestimmten Regionen. Die Firmen versuchen, mit eigenen Maßnahmen zur beruflichen Qualifizierung gegenzusteuern.

Pkw-Absatz mit neuem Rekord

Der Verkauf von Pkw, Nfz und Bussen legte zwischen Januar und August 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 22 Prozent auf 119.093 Fahrzeuge zu - der höchste Wert der letzten zehn Jahre. Der Absatz von Pkw verzeichnete in der betrachteten Periode ein Plus von 24 Prozent auf 100.324 Einheiten. In Folge von Dieselgate und eines wachsenden Umweltbewusstseins fiel der Anteil von Dieselfahrzeugen an den Neuwagenkäufen in den ersten acht Monaten 2018 von 47 auf rund 38 Prozent.

Das rumänische Abwrackprogramm stimuliert seit Jahren die Erneuerung des Fahrzeugbestandes. Die Prämie für die Entsorgung eines Gebrauchtwagens liegt bei umgerechnet 1.400 Euro. Für Autos mit niedrigem CO2-Ausstoß werden zusätzliche Boni von bis zu 580 Euro gewährt. Die Anschaffungsprämie für ein Elektroauto kann bis zu 10.000 Euro erreichen. Voraussetzung ist dabei nicht die Abwrackung eines Altfahrzeugs.

Schub für die Elektromobilität

Der Marktanteil von Elektro- und Hybridautos stieg von Januar bis August 2018 von 1,9 auf 2,6 Prozent. Bei noch kleinen Absatzmengen verzeichneten Elektroautos ein Plus von 214 Prozent, während Hybridautos um 54 Prozent zulegten. Die beliebtesten Elektroautomarken waren in den ersten acht Monaten 2018 Volkswagen mit 179 verkauften Fahrzeugen, gefolgt von BMW (103) und Smart (93). Beim Hybridantrieb liegt Toyota mit 1.793 Fahrzeugen weit vorn, ein Plus von 50 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode.

Die rumänischen Kommunen setzen verstärkt auf Elektromobilität im Nahverkehr. Bis 2020 will Bukarest 100 Elektrobusse mit einer Reichweite von 250 Kilometern im Wert von 57 Millionen Euro mit Fördermitteln der Europäischen Union anschaffen. Rumäniens zweitgrößte Stadt Cluj-Napoca hat bis 2020 Investitionen von 40 Millionen Euro für den Kauf umweltfreundlicher Transportmittel angekündigt und bereits elf Elektrobusse mit Hilfe von schweizerischen Fördermitteln angeschafft. Auch Städte wie Iasi, Suceava, Craiova und Deva melden ähnliche Projekte.

Absatz von Pkw in Rumänien nach Herstellern (in Einheiten)
Hersteller 2018 *) Veränderung 2018/17 *) (in %) Marktanteil (in %)
Dacia 30.754 28,1 30,6
Volkswagen 10.468 18,8 10,4
Skoda 8.950 23,0 8,9
Renault 7.473 13,7 7,4
Ford 6.201 14,0 6,2
Opel 5.001 21,1 5,0
Hyundai 3.816 33,7 3,8
Toyota 2.966 12,5 3,0
Suzuki 2.935 37,6 2,9
Mercedes Benz 2.712 12,9 2,7
Sonstige 19.078 k.A. 19,0
Insgesamt 100.354 24,2 100

*) Januar bis August

Quelle: Verband der Automobilhersteller und -Importeure (APIA)

Forschungszentren für autonomes Fahren

Die in Rumänien ansässigen internationalen Kfz-Zulieferer bearbeiten verstärkt das Thema autonomes Fahren. Auch deutsche Unternehmen wie Bosch, Continental, Dräxlmaier und ZF Friedrichshafen sind mit Forschungs- und Entwicklungszentren vertreten. Allein Continental beschäftigt landesweit circa 5.700 Ingenieure und IT-Mitarbeiter und forscht mit mehreren Teams im Bereich automatisiertes Fahren. Bosch will eine Teststrecke für selbstfahrende Autos außerhalb der Stadt Cluj-Napoca bauen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Rumänien können Sie unter http://www.gtai.de/rumaenien abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Rumänien Straßenfahrzeuge, allgemein, Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen), Elektromobilität

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