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18.07.2019

Holzbau in Frankreich weitet sich aus

Neue Wärmeschutzverordnung könnte ab Ende 2020 Schub geben / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Der Holzbau in Frankreich entwickelt sich kräftig. Prominente Bauvorhaben für Olympia 2024 geben Sichtbarkeit. Neue Bauvorschriften könnten zusätzlichen Schwung geben.

Seit 2014 hatte der Holzbau unter der Schwäche im Bausektor zu leiden, allerdings mit verzögerter Wirkung. Als der Bausektor 2016 schon aus der Krise kam, verzeichnete der Holzbau noch einen Rückgang. Seitdem hat sich der Markt nach einer Analyse des Verbandes Codifab (Comité professionnel de Développement des Industries Françaises de l'Ameublement et du Bois) und des Dachverbandes für die Holzwirtschaft France Bois Forêt kräftig erholt und bietet in den kommenden Jahren gute Geschäftsaussichten. Die Studie, die alle zwei Jahre veröffentlicht wird, ist im Juni 2019 zum fünften Mal erschienen.

Danach stieg die Anzahl der in Holz ausgeführten Mehrfamilienhäuser 2018 gegenüber 2016 um 19,4 Prozent und die Ausbauaktivitäten mit Holz legten um 9,1 Prozent zu. Kurzfristig erwarten die Unternehmen einen starken Anstieg in diesen Segmenten, die erst seit 2016 an Bedeutung gewonnen haben. Bei individuellen Einfamilienhäusern verzeichnet die Studie einen Anstieg der Vorhaben um 20 Prozent. Bei Einfamilienhäusern in Wohnsiedlungen ist die Entwicklung noch rasanter. Hier wurden 49 Prozent mehr Vorhaben umgesetzt.

Holzbau bleibt Randphänomen

Im Neubau von Nichtwohngebäuden wachsen alle Marktsegmente mit Ausnahme von landwirtschaftlichen Holzbauten, deren Anteil stabil bleibt. So stiegen die mit Holz gebauten Flächen an privaten und öffentlichen Dienstleistungsgebäuden sowie an Industrie- und Handwerksgebäuden um 9,2 Prozent beziehungsweise 31,5 Prozent.

Allerdings ist der Holzbau weiter ein Randphänomen im Hochbau. Insgesamt wurden 2018 nur 6,3 Prozent der Wohnungen aus Holz gebaut. Bei Einfamilienhäusern waren es 9,4 Prozent gegenüber 4,3 Prozent bei Mehrfamilienhäusern, wo auch Wohnungen in Hybridbauweise mit Holz und Beton oder Holz und Metall gezählt wurden. Der Holzbau ist im Nichtwohnungsbau etwas stärker vertreten. Im Handel, bei Bürogebäuden und öffentlichen Bauten wurden 10,5 Prozent, bei landwirtschaftlichen Bauten 25,2 Prozent und in Industrie und Handwerk 16,3 Prozent der Flächen in Holz ausgeführt.

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Die Studie zählt 2.080 Unternehmen in allen Segmenten des Holzbaus. Die Umsätze der Firmen sind gegenüber 2016 um 13 Prozent gestiegen. Die Aussichten sind weiter positiv, obwohl der Hochbau seit Ende 2018 schwächelt und 2020 Kommunalwahlen anstehen. Im Vorfeld von Wahlen sind die Bürgermeister in Frankreich nach Aussagen von Bauunternehmern weniger gewillt Baugenehmigungen zu erteilen.

Im Jahr 2017 hatten Verbände und Vereine der Holzindustrie einen Architekturwettbewerb für Hochhäuser in Holzbauweise ausgeschrieben. Dabei wurden landesweit 13 Hochhausprojekte ausgewählt, die langsam in die Umsetzung gehen. So sollen noch 2019 die Arbeiten an einem achtstöckigen Turm in Skelettbauweise in Toulouse (La Canopée) sowie für einen weiteren Turm in Paris (Wood Up) beginnen. Anfang 2019 erfolgte in Bordeaux der erste Spatenstich für einen achtzehnstöckigen Holzturm. Das Vorhaben soll im zweiten Quartal 2021 stehen. Eine Vielzahl der Projekte weiterer Architekturwettbewerbe in der Hauptstadtregion (Réinventer Paris, Réinventons la Métropole du Grand Paris) wird ebenfalls Holzbaustoffe nutzen.

Wichtig als Demonstrationsvorhaben ist auch der Bau des olympischen Dorfes für die Olympiade 2024 in Paris. Frankreich sieht sich in besonderer Weise dem Pariser Klimaschutzabkommen verpflichtet und die Spiele im Jahr 2024 sollen besonders klimafreundlich werden. Alle Bauten des olympischen Dorfes (bis zu acht Stockwerken) werden mit Holz ausgeführt und darüber hinaus in Mischbauweise.

Neue Wärmeschutzverordnung könnte Holz größere Rolle zuweisen

Darüber hinaus achten Bauherren und Nutzer in Frankreich immer stärker auf den Klimaschutz und nachhaltiges Bauen. Hier weist Holz gegenüber Beton und anderen Baustoffen eine besonders günstige Klimabilanz auf. Derzeit wird in Frankreich vom Staat und privaten Akteuren eine Wärmeschutzverordnung RT2020 (Réglementation thermique 2020) definiert, die ab Ende 2020 für neue Gebäude gelten soll. Sie gründet auf einem Standard für Plusenergiehäuser. Berücksichtigt werden sollen aber auch die Klimaauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes von Bau bis zum Abriss. Holz könnte hier als CO2-Speicher eine wachsende Rolle zukommen.

Die inländische Industrie entwickelt sich mit der steigenden Nachfrage. Nach Informationen des Dachverbandes der Holzindustrie France Bois Forêt kommen 50 bis 60 Prozent des Bauholzes aus Frankreich. Bei Massivholz liege der Anteil etwas höher bei Holz für den Skelettbau etwas niedriger. Der Rest wird vor allem aus Deutschland, Österreich und Skandinavien importiert.

Hochhausbau mit Brettsperrholzplatten

Der größte Hersteller Piveteau hat im Januar 2019 eine neue Fabrik für Brettsperrholzplatten (cross laminated timber, CLT) in Sainte-Florence im Département Vendée eröffnet. Diese Platten haben den Bau von Hochhäusern mit Holz in den letzten Jahren erst ermöglicht und die Nachfrage soll mit zahlreichen Hochhausvorhaben in Frankreich von niedrigem Niveau weiter kräftig ansteigen. Piveteau beginnt in der neuen Fabrik 2019 mit einer Jahreskapazität von 15.000 Kubikmetern. Der Ausstoß soll 2020 auf 50.000 steigen.

Nach Informationen von France Bois Forêt liegt die Nachfrage nach CLT-Platten in Frankreich derzeit zwischen 60.000 und 80.000 Kubikmetern pro Jahr. Die Produktion von etwa 5.000 Kubikmetern ist 2016 auf 20.000 Kubikmeter 2018 gestiegen. Nach Aussagen des Firmengründers von Piveteau, Jean Piveteau, könnte die Nachfrage nach CLT-Platten 2020 auf 120.000 Kubikmeter steigen. Piveteau plant eine weitere Produktionslinie in Sainte-Florence und eine weitere Fabrik ab 2022 im Département Corrèze neben einer ihrer Sägereien. Nach Informationen in der Tageszeitung Le Figaro will auch die Immobilienfirma Nexity mit Partnerfirmen aus der Industrie und dem Wohnungsbau eine stark automatisierte Fabrik für Holzplatten einrichten.

Die inländischen Unternehmen bauen auch auf den Wirtschaftspatriotismus französischer Abnehmer. In der Studie zum Holzbau hatten 39 Prozent der befragten Unternehmer angegeben, ihre Kunden hätten Holz französischer Herkunft nachgefragt. Der Verband der Holzindustrie (Fédération Nationale du Bois) hatte im Jahr 2015 eine Herkunftsmarke Bois Français geschaffen. Allerdings hatten sich kaum Unternehmen zertifizieren lassen. Eine neue Marke Bois de France soll durch die Holzbauprojekte der Olympiade bekannt werden. Der Verband hat das Ziel vorgegeben, dass mindestens 50 Prozent des für die olympischen Projekte eingesetzten Holzes aus Frankreich kommt, während die Entwicklungsfirma für die Olympiade Solideo mindestens 30 Prozent anstrebt.

Weitere Informationen zu Frankreich finden Sie unter http://www.gtai.de/frankreich

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Frankreich http://frankreich.ahk.de Berät beim Markteinstieg in Frankreich
Comité professionnel de développement des industries françaises de l'ameublement et du bois (Codifab) http://www.codifab.fr Verband für Innenausbau und Holzbau
Syndicat Français de la Construction Bois (Afcobois) http://afcobois.fr Verband für Holzbau
France Bois Forêt https://franceboisforet.fr Dachverband der Holzindustrie
Fédération Nationale du Bois (FNB) http://www.fnbois.com Verband der Holzindustrie

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Holz, Möbel, Papier, Pappe, allgemein, Gewerbebau, Energieeinsparung, Wohnungsbau, Sonstiges im Bereich Holz, Möbel, Papier, Pappe, Hochbau

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