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13.09.2019

Hongkong generiert stetig steigenden Bedarf an Medizintechnik

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Brancheneinfuhren steuern 2019 auf abermaligen Rekord zu / Von Roland Rohde

Hongkong (GTAI) - Die Sonderverwaltungsregion (SVR) baut ihr Gesundheitssystem aus. Da es nur wenige einheimische Anbieter von Medizintechnik gibt, ist sie weitgehend auf Importe angewiesen.

Wer in Hongkong ein privates Krankenhaus aufsucht, der fühlt sich an den Spruch "der Kunde ist König" erinnert. Es gibt in der Regel umgehend einen Termin. Die Ausstattung mit medizinischen Geräten kann als vorbildlich bezeichnet werden. An einem einzigen Tag kann man sich von Kopf bis Fuß untersuchen lassen, was in Deutschland Wochen in Anspruch nähme.

Doch nicht alle können sich diesen Luxus leisten. Die meisten der 7,5 Millionen Einwohner der SVR müssen auf staatliche Kliniken zurückgreifen. Dort garantiert ihnen Hongkongs Regierung eine quasi kostenlose Versorgung. Die Wartelisten für nicht lebensbedrohliche Eingriffe (etwa eine Operation des Grauen Stars oder ein Eingriff an der Hüfte) sind allerdings lang, die Krankenzimmer mit Dutzenden Patienten belegt.

Hongkonger haben die and höchste Lebenserwartung der Welt

Das soll sich nach dem Willen der Behörden auch nicht grundlegend ändern, denn dadurch ist das Gesundheitssystem relativ preisgünstig. Jedoch wollen sie es weiter ausbauen und verbessern. Die Bevölkerung wächst nämlich stetig. Zwar ist die Geburtenrate sehr niedrig, doch wird dieser Effekt durch Zuwanderung überkompensiert. Zugleich werden die Menschen immer älter. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verfügten sie 2017 über die höchste Lebenserwartung der Welt.

Lebenserwartung in Jahren (Auswahl)
Land/Volkswirtschaft 2017
Hongkong (SVR) 84,7
Japan 84,1
Schweiz 83,6
Spanien 83,3
Singapur 82,9
Südkorea 82,6
Deutschland 81,0

Quelle: WHO

Daher sollen nach den Plänen der Verwaltung bis 2026 rund 5.000 zusätzliche Klinikbetten in öffentlichen Einrichtungen entstehen. Auch die private Konkurrenz legt nach. Sie profitiert von einem regen Medizintourismus. Chinesen aus dem benachbarten Festland lassen sich zunehmend in der ehemaligen britischen Kolonie untersuchen und behandeln. In den Arztpraxen und Kliniken der zentralen Geschäftsviertel stellen sie bereits ein Drittel der behandelten Patienten.

Der Bedarf an Medizintechnik entwickelt sich in der Folge lebhaft. Er muss zu rund 90 Prozent mit Hilfe von Einfuhren gedeckt werden, da es kaum einheimische Branchenhersteller gibt. Im Jahr 2018 beliefen sich die Importe gemäß dem lokalen Statistikamt auf rund 2,4 Milliarden US-Dollar (US$), ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zu 2017.

Importbedarf für den einheimischen Verbrauch bei gut 500 Millionen US$

Ein Großteil der Brancheneinfuhren wird allerdings reexportiert. Gesundheitsexperten schätzen, dass Waren im Umfang von mehr als einer halben Milliarde US$ für den einheimischen Markt bestimmt sind. Gemäß der Unternehmensberatung Pacific Bridge Medical betrug 2017 das Volumen des Hongkonger Medizintechnikmarktes 620 Millionen US$. Damit lag die SVR im asienweiten Vergleich knapp hinter Vietnam, aber deutlich vor den Philippinen.

Markt für Medizintechnik in Asien (Auswahl; in Mio. US$)
Land/Volkswirtschaft 2017
Singapur 1.800
Malaysia 1.400
Thailand 1.200
Indonesien 1.000
Vietnam 780
Hongkong (SVR) 620
Philippinen 227

Quelle: Pacific Bridge Medical

Absolut gesehen bleibt die ehemalige britische Kolonie damit ein recht kleiner Markt. Doch dafür ist dieser aber auch wesentlich durchlässiger als etwa in China. Dort klagen ausländische Anbieter von Medizintechnik über umfangreiche nichttarifäre Handelshemmnisse und Marktzutrittsbarrieren. In Hongkong, das nicht einmal Einfuhrzölle oder Mehrwertsteuern kennt, haben sie es wesentlich einfacher.

Handelskonflikt macht sich auch in der Medizintechniksparte bemerkbar

Die Nachfrage nach Medizintechnik leidet allerdings unter dem Handelskonflikt und den politischen Unruhen. So besuchen Touristen aus der Volksrepublik (VR) seltener eine Klinik in Hongkong. Sie halten sich angesichts der Schwäche des chinesischen Renminbi Yuan (RMB) und aus Angst vor den Demonstrationen zurück. So mancher niedergelassene Arzt der Metropole dürfte es sich zweimal überlegen, ob er sich gerade jetzt ein teures, neues Diagnosegerät zulegt oder lieber noch ein paar Monate abwartet.

Immerhin legten die Branchenimporte Hongkongs nach Angaben des lokalen Statistikamtes in den ersten sechs Monaten 2019 um gut 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. In der 2. Jahreshälfte dürfte es zwar zu einem weiteren Rückgang der Zuwachsrate kommen, trotzdem ist mit einem abermaligen Rekordergebnis zu rechnen.

Hongkongs Medizintechnikeinfuhren (in Mio. US$) 1)
Jahr Wert
2016 1.995
2017 2.085
2018 2.398
2019 2) 2.550

1) SITC-Positionen 741.83, 774, 785.31, 872, 899.6; 2) Hochrechnung auf Basis des 1. Halbjahres

Quelle: Statistikamt Hongkong

China ist traditionell Hongkongs wichtigster Zulieferer von Medizintechnik, wobei Krankenhäuser der ehemaligen britischen Kolonie vor allem Verbrauchsgüter und relativ einfache elektromedizinische Geräte aus der Volksrepublik einkaufen. Bei höherwertigen Apparaten setzen sie derweil auf Hightech aus den USA, Deutschland oder Japan.

Hongkongs Medizintechnikeinfuhren nach Lieferländern (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in %) *)
Land 2018 Veränderung 1. Halbjahr 2019 Veränderung
VR China 928,5 19,3 488,2 12,5
USA 545,3 10,9 274,4 2,7
Deutschland 232,1 11,0 95,9 -21,3
Japan 111,6 7,8 65,3 31,4
Niederlande 53,5 23,8 23,8 -4,8
Italien 34,2 -14,8 22,4 29,7
Singapur 26,5 -32,3 15,7 18,9
Schweiz 41,7 11,9 23,0 15,9
Frankreich 31,5 -15,2 15,3 -9,0

*) SITC-Positionen 741.83, 774, 785.31, 872, 899.6

Quelle: Statistikamt Hongkong

Im Jahr 2018 lieferte Deutschland Medizintechnik im Wert von über 230 Millionen US$ nach Hongkong, ein Plus von 11 Prozent gegenüber 2017. In den ersten sechs Monaten 2019 sanken die "Made in Germany"-Brancheneinfuhren der SVR allerdings im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut 21 Prozent.

Warum gerade deutsche Lieferanten leiden, während etwa die japanische Konkurrenz ihren Marktanteil ausbaut, lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Womöglich schauen die Kunden in etwas mageren Zeiten verstärkt auf den Preis. Produkte aus dem Land der aufgehenden Sonne sind bei fast gleicher Qualität oft billiger. Zudem gibt es in der Regel einen besseren Kundenservice.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Census and Statistics Department https://www.censtatd.gov.hk/home/index.jsp (Startseite); https://www.censtatd.gov.hk/hkstat/sub/so230.jsp (Handelszahlen) Statistikamt Hongkong
Pacific Bridge Medical https://www.pacificbridgemedical.com (Startseite) https://www.pacificbridgemedical.com/target-asian-markets/hong-kong-medical-market/ (Überblick Hongkongs Markt für Medizintechnik) Unternehmens-beratung für den Gesundheits-sektor in Asien
World Health Organization (WHO) https://www.who.int (Startseite) https://data.worldbank.org/indicator/sp.dyn.le00.in (Statistik Lebenserwartung) Weltgesundheits-organisation

Zusatzinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/hongkong abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

Hongkong, SVR Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein

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Bernhard Schaaf

‎+49 228 24 993 349

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