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19.04.2019

Hongkong kauft vorzugsweise deutsche Drucktechnologie

Lieferanteil "made in Germany" bei Offset-Maschinen erreicht 75 Prozent / Von Roland Rohde

Hongkong (GTAI) - Das Verlagsgewerbe Hongkongs erlebt eine kleine Renaissance. Druckunternehmen investieren wieder verstärkt in ihren Maschinenpark, und die Importe gehen steil nach oben.

Hongkong hat nahezu sein gesamtes Verarbeitendes Gewerbe nach China verlagert. Neben der Nahrungsmittelbranche konnte sich allerdings die Druckindustrie in der ehemaligen britischen Kolonie halten. Das hat vor allem einen Grund: So verfügt die Sonderverwaltungsregion (SVR) über umfassende Autonomierechte. Insbesondere die Pressefreiheit blieb weitgehend unangetastet, auch wenn es vereinzelt Rückschritte gab.

Bücher und Zeitschriften, die in der Volksrepublik auf dem Index stehen, sind vielfach in Hongkong erhältlich. Diesen Vorteil machen sich zahlreiche ausländische Verlage zu Nutze. Sie veröffentlichen ihre Titel in der SVR. Nicht wenige lassen hier auch drucken, so unter anderem Wall Street Journal Asia, Financial Times, USA Today, New York Times oder Nikkei Business.

Insgesamt gab es im Frühjahr 2018 nach Angaben des halbstaatlichen Hong Kong Trade Development Council (TDC) gut 3.400 Firmen des Verlags- und Druckgewerbes, die rund 30.000 Menschen beschäftigten. Die Zahlen des lokalen Statistikamtes weichen davon (aufgrund einer unterschiedlichen Branchendefinition) ab. Die Behörde zählte 2017 rund 2.000 verarbeitende Betriebe mit mehr als 13.000 Angestellten im Sektor Druck-, Papier- und Medienproduktion.

Verlags- und Druckgewerbe in Hongkong erlebt kleine Renaissance

In den letzten Jahren hat das Verlags- und Druckgewerbe sogar eine kleine Renaissance erlebt. Während in Hongkong die Rechte der Presse nur minimal beschnitten wurden, gab es auf dem chinesischen Festland Rückschritte. Auch das Internet wird in der SVR so gut wie gar nicht kontrolliert. In der Volksrepublik sorgte derweil ein Cyber-Security-Gesetz für große Unruhe. Mit anderen Worten: In Sachen Informations- und Pressefreiheit hat sich Hongkongs Position relativ gesehen verbessert.

Dieser Trend lässt sich auch aus der Zollstatistik ablesen. So gingen die Einfuhren von Drucktechnik bis 2016 kontinuierlich zurück. Anschließend gab es eine Trendwende. Insgesamt beliefen sich die Importe von Druck- und Buchbindemaschinen sowie von Druckfarben 2018 nach Angaben des lokalen Statistikamtes auf knapp 460 Millionen US-Dollar (US$), eine Steigerung von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gegenüber 2016 ergibt sich sogar ein Plus von 19 Prozent.

Nur ein Teil der Brancheneinfuhren ist für den einheimischen Bedarf bestimmt. Über die Hälfte wurde 2018 nach China reexportiert. In der Volksrepublik, insbesondere in der benachbarten Exportprovinz Guangdong, unterhalten Hongkonger Investoren zahlreiche Druckereien. Deren Schwerpunkt liegt allerdings mehr im Bereich Verpackungsdruck. Ihre Maschinen importieren sie teils über ihr Mutterhaus in der ehemaligen britischen Kolonie.

Importe von Offsetdruckmaschinen stiegen in zwei Jahren um 50 Prozent

Bei Offsetdruckmaschinen war der Aufwärtstrend noch deutlicher. Deren Einfuhren summierten sich 2018 auf 125 Millionen US$. Im Vergleich zu 2016 sind sie damit um nahezu 50 Prozent gestiegen. Die entsprechenden Wiederausfuhren nach China legten sogar um mehr als 70 Prozent auf rund 81 Millionen US$ zu.

Import von Drucktechnik 1) (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)

2016 2017 2018 Veränd.
Einfuhren 1), davon 382,9 429,7 456,8 6,3
.Offsetdruckmaschinen 2) 84,0 111,7 125,1 12,0
.Druckfarben 3) 133,1 139,4 141,9 1,8
Reexporte 1) nach China, davon 204,1 228,7 247,5 8,2
.Offsetdruckmaschinen 2) 47,3 70,1 80,9 15,4
.Druckfarben 3) 73,0 77,2 81,5 5,6

1) SITC-Pos. 726 und 533.2; 2) SITC-Pos. 726.5; 3) SITC-Pos. 533.2

Quelle: Statistikamt Hongkong

Hongkongs Drucktechnologie stammt zu 80 Prozent aus vier Ländern: Deutschland, Japan, China und den USA. Deutsche Anbieter lieferten 2018 Branchenprodukte im Wert von über 180 Mio. US$, ein Plus von 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In der Sparte Offsetdruckmaschinen erreichten sie einen Lieferanteil von drei Vierteln. Nur noch japanische Hersteller stellen hier eine nennenswerte Konkurrenz dar.

Druckimporte 2018 nach Lieferländern (in Mio. US$)
Insgesamt 1) davon Offsetdruckmaschinen 2)
Deutschland 181,9 94,5
VR China 82,5 0,5
Japan 64,6 7,0
USA 35,6 1,3
Südkorea 18,4 0,7
Vereinigtes Königreich 16,4 1,5
Andere 57,4 19,6
Insgesamt 456,8 125,1

1) SITC-Pos. 726, 533.2; 2) SITC-Pos. 726.5

Quelle: Statistikamt Hongkong

Kontaktanschriften

Bezeichnung Internetadressen Anmerkung
Census and Statistics Department https://www.censtatd.gov.hk/home/index.jsp (Startseite); https://www.censtatd.gov.hk/hkstat/sub/so230.jsp (Handelszahlen) Statistik-amt Hongkong
Hong Kong Trade Development Council (TDC) http://research.hktdc.com (Startseite Marktinfos); http://hong-kong-economy-research.hktdc.com/business-news/article/Hong-Kong-Industry-Profiles/Publishing-Industry-in-Hong-Kong/hkip/en/1/1X47J8WG/1X006NW7.htm (Bericht zum Druck- und Verlagsgewerbe) Halb-staatliche Handels-förderstelle

Zusatzinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Hongkong können Sie unter http://www.gtai.de/hongkong abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

Hongkong, SVR Farben u. Lacke, Pigmente, Druck-, Verlagserzeugnisse, Druck- und Papiermaschinen

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