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24.10.2018

Hongkong plant Insel für 1,1 Millionen Menschen

Regierung unterstützt Mega-Wohnbauprojekt / Von Roland Rohde

Hongkong (GTAI) - Der Bau einer Insel-Stadt mit 400.000 Wohnungen wird immer wahrscheinlicher. Die Regierung dürfte das Vorhaben für fast 100 Milliarden US$ gegen alle Widerstände durchsetzen.

Die Sonderverwaltungsregion (SVR) benötigt angesichts einer weiter wachsenden Bevölkerung und sündhafter teurer Grundstückspreise dringend neuen Wohnraum. Die Behörden haben eine Lösung parat, die sich so visionär wie auch teuer darstellt: Seit Jahren liegen Pläne zum Bau einer neuen Stadt auf größtenteils aufgeschüttetem Land in der Schublade. Rund 1,1 Millionen Menschen sollen auf der "East Lantau Metropolis" Platz finden.

Bislang wurde nur diskutiert und empfohlen. Nun machen die Verantwortlichen Nägel mit Köpfen. In ihrer Regierungsansprache im Oktober 2018 stellte sich die Verwaltungschefin, Carrie Lam, mit Nachdruck (und trotz scharfen Gegenwinds) hinter das Megavorhaben.

Laut den ursprünglichen Plänen sollten auf 1.000 Hektar Behausungen für bis zu 700.000 Personen entstehen. Anfang August 2018 trat dann ein Beratungsgremium (dem unter anderem McKinsey und der ehemaligen Verwaltungschef, Tung Chee Hwa, angehören) an die Öffentlichkeit. Sie empfahlen das Megavorhaben sogar noch auszuweiten.

400.000 Wohnungen auf 1.700 Hektar

Auf einer Fläche von 2.200 Hektar könnten 400.000 Wohnungen für 1,1 Millionen Menschen gebaut werden. Diese sollen 70 Prozent des Vorhabens einnehmen und zu subventionierten Preisen an den Mann und die Frau gehen. Weitere 30 Prozent sind für gewerbliche Objekte vorgesehen. In ihrer Regierungsansprache favorisierte Carrie Lam nun den erweiterten Plan. Die einzige Einschränkung besteht darin, dass das Projekt nur 1.700 Hektar umfassen soll.

Das Vorhaben soll nach Regierungsangaben umgerechnet bis zu 61 Milliarden US-Dollar (US$) kosten. In dieser Summe sind allerdings noch nicht die Infrastrukturanbindungen eingerechnet. Diese dürften nach Einschätzung von Landeskennern noch einmal etwa 36 Milliarden US$ verschlingen. Als Zeitrahmen zur Umsetzung des Gesamtprojekts geben die Verantwortlichen 20 bis 30 Jahre vor.

Das Vorhaben ist bei der Mehrheit der Hongkonger Bevölkerung umstritten. Das ergaben Umfragen. Nur wenige Tage nach der Regierungserklärung kam es bereits zu Demonstrationen. Insbesondere die hohen Kosten schrecken die Bürger ab. Andererseits wird neuer Wohnraum dringend benötigt und der Fiskus sitzt auf enormen Reserven, die sich jährlich sogar noch erhöhen.

Fehlende Alternativen begünstigen das Projekt

Andere Alternativen sind schwer durchsetzbar. Zwar gibt es noch umfangreiche brachliegende oder kaum genutzte Flächen im gar nicht so kleinen Hinterland der Sonderverwaltungsregion. Doch die dortige Bevölkerung pocht auf ihre rechtlichen Privilegien, die noch aus der Kolonialzeit stammen. Enteignungen könnten langwierig werden. Eine Umwidmung der unter Schutz stehenden Country Parks zu Bauland findet auch keine Mehrheiten.

Mit der Regierungserklärung wird die Umsetzung des Vorhabens, das nun "Lantau Tomorrow Vision" heißt, recht wahrscheinlich. Hongkong ist eine gelenkte Demokratie, in der die Bürger nur beschränkte Einflussmöglichkeiten besitzen. Bei vergangenen Großprojekten - wie etwa einer Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Guangzhou oder einer Riesenbrücke nach Macau - hat sich die Regierung gegen alle Bedenken durchgesetzt.

Kontaktadresse

Bezeichnung Internetadresse Anmerkung
Development Bureau https://www.devb.gov.hk/en/home/index.html (Startseite); http://www.hk2030plus.hk/document/ELM_EN.pdf (Projektbeschreibung East Lantau Metropolis) Stadtentwicklungsbehörde

Zusatzinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Hongkong können Sie unter http://www.gtai.de/hongkong abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

Hongkong, SVR Wasser-, Hafenbau, Wohnungsbau, Urbanisierung, Stadtentwicklung

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Bernhard Schaaf

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