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05.03.2018

In Afrika soll mehr Agrarland bestellt werden

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Bei Anbau vielerorts noch reichlich Potenzial / Deutlicher Ausbau der lokalen Verarbeitung angestrebt

Bonn (GTAI) - In vielen Regionen Afrikas liegen große landwirtschaftlich nutzbare Flächen brach. Die Agrarproduktion bietet ebenso vielversprechende Möglichkeiten wie die inländische Weiterverarbeitung des Geernteten. Fast überall auf dem Kontinent tragen die Bemühungen, eine florierende Landwirtschaft in Gang zu bringen, erste Früchte. Bis zur angestrebten Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln ist es aber oft noch ein weiter Weg.

Nordafrika

Ägypten

Al Nouran Sugar plant für umgerechnet 282 Millionen Euro die Errichtung einer hochmodernen Zuckerfabrik im Gouvernorat Sharqia. Hauptaufgabe wird die Gewinnung von Zucker aus Rüben und das Raffinieren von Roh- zu Weißzucker sein. Melasse und als Futtermittel geeignete Nebenprodukte sollen nach eigenen Angaben exportiert werden. Nach Fertigstellung der Anlage sollen 274.000 Tonnen Herstellungskapazitäten und 315.000 Tonnen Raffineriekapazitäten erreicht werden. Hinzu kommen 106.000 Tonnen Futter und 105.000 Tonnen Melasse, so Al Nouran.

In Ägypten schlossen sich laut Berichten der Daily News Egypt das Ministerium für militärische Produktion und der russische Konzern Rosagro zu einem Joint Venture zusammen. Vorgesehen ist die gemeinsame Herstellung von Ausrüstung für Mühlen und Silos. Hinzu kommen zwei weitere Abkommen. Die Minister für militärische Produktion sowie Landwirtschaft und Landgewinnung unterzeichneten ein Protokoll über die gemeinsame Herstellung von Landtechnik und Landmaschinen. Die National Organization for Military Production und das Agricultural Engineering Research Institute wollen außerdem laut einem Kooperationsprotokoll an der Umsetzung nationaler Projekte des Ministry of Agriculture teilnehmen.

Mitte November eröffnete der ägyptische Präsident Abdel Fattah Al Sisi die 1. Phase der größten Fischfarm im Nahen Osten, berichtete die Zeitung Al-Ahram. Bei dem Vorhaben im Gouvernorat Kafr El Sheikh arbeiten das ägyptische Militär und das chinesische Unternehmen Evergreen zusammen. Die 1. Etappe umfasst die Produktion von 3.000 Tonnen Fisch und 2.000 Tonnen Garnelen pro Jahr. Teil des Projekts ist auch der Bau von Fabriken für Fischfutter und zur Verpackung von Fischen. Ziel des Gesamtvorhabens mit seinen mindestens zwei Phasen ist es, einen Beitrag von 70 Prozent zur ägyptischen Fischproduktion zu leisten. Als Investitionssumme wurden 200 Millionen Euro genannt.

Laut Atlanta Business Chronicle plant die US-amerikanische Fastfoodkette Arby's gemeinsam mit dem Franchisenehmer Vantage Egypt for Tourism and Entertainment die Eröffnung von 50 Restaurants in Ägypten noch im laufenden Jahr 2018.

Einem Bericht von Al Borsa zufolge hat die European Bank for Reconstruction and Development einem langfristigen Kredit für Beyti Food Industries zugestimmt. Die 35,5 Millionen Euro sollen unter anderem dazu dienen, die Herstellung von Milchprodukten und Säften des Unternehmens auszubauen.

In Ägypten kündigte der Gouverneur von Qena, Abdul Hamid Al-Hagan, im Januar 2018 ein großes Nahrungsmittelindustrieprojekt an. Dieses soll mit Hilfe von emiratischen Investitionen im Wert von 31,5 Millionen Euro finanziert werden. Über Details zu den Produkten berichtete Amwal Al Ghad noch nicht.

Die Einzelhandelskette HyperOne möchte 2018 eine 25 Millionen Euro teure Filiale in der Solaimaneyah City eröffnen. Das meldete Al Masry Al Youm. HyperOne peilt bereits weitere Märkte in Badr City, Assiut und Al Shorouk im Gesamtwert von 100 Millionen Euro an.

Die saudische Nahrungsmittelherstellergruppe Al Rabie plant gemeinsam mit ägyptischen Partnern den Bau einer Speiseölfabrik für 17,5 Millionen Euro. Vorgesehen sind das Extrahieren und Raffinieren von Ölen aus Sonnenblumenkernen, Soja und Mais mit einer anfänglichen Menge von 120.000 Tonnen pro Jahr. Durch weitere Investitionen soll die Erzeugung laut Al Youm Al Sabaa schrittweise auf 500.000 Tonnen ausgeweitet werden.

Die Einzelhandelskette Spinneys setzt ihren Expansionskurs fort. Bis Ende 2018 sollen ungefähr 10 Millionen Euro investiert werden, um fünf bis sieben neue Filialen zu eröffnen. Nach Angaben von Al Mal verfügt Spinneys bisher über zwölf Super- und Hypermärkte in den Gouvernoraten Kairo, Gizeh, Hurghada, Minya und Alexandria.

Tunesien

In der Kleinstadt Foussana in der Bergregion Kasserine sollen mehrere Werke für die Nahrungsmittelverarbeitung entstehen, so haben es laut Pressemeldungen Unternehmer im Rahmen eines tunesisch-französischen Workshops beschlossen. Dabei handelt es sich um Anlagen zur Verarbeitung von Kartoffeln sowie Tomaten und solchen zur Verpackung von Fruchtsäften und Herstellung von Olivenöl. Ebenso ist der Aufbau von Gewächshäusern geplant. Investoren für das Vorhaben seien vorhanden. Das Projekt würde rund 400 Arbeitsplätze schaffen. Die geplante Investitionssumme beträgt rund 13 Millionen Euro. Das an Algerien angrenzende Gouvernorat Kasserine gilt als eine der am wenigsten entwickelten Regionen Tunesiens.

In der Saison 2017/18 wird Tunesien mit einem Olivenöl-Ertrag von 220.000 Tonnen rund 120 Prozent mehr ernten als im Jahr zuvor, berichtet die zwischenstaatliche Organisation International Olive Council. Es ist allerdings nicht mit Rekordeinnahmen aus dem Olivenölexport zu rechnen, wie es 2015 der Fall war. Damals hatte Tunesien dank hoher Erntemengen und gestiegener Weltmarktpreise Olivenöl im Wert von mehr als 850 Millionen Euro exportiert. Preistreibend waren vor allem Ernteausfälle andernorts. Für 2017/18 ist hingegen auch bei den Wettbewerbern von größeren Mengen auszugehen. Der International Olive Council rechnet mit einer weltweiten Erntesteigerung von 14 Prozent (2,9 Millionen Tonnen). Der Konsumzuwachs wird rund 5 Prozent betragen.

Die spanische Emmi-Tochter Kaiku erhöht ihre Beteiligung am tunesischen Molkereibetrieb Centrale Laitiere de Mahdia auf 54,7 Prozent. Die Molkerei beschäftigt rund 480 Personen und vertreibt ihre Produkte unter dem Namen Vitalait. Hierzu zählen Trinkmilch, Joghurts, Trinkjoghurts und Desserts. Emmi ist an Kaiku zu 73,4 Prozent beteiligt. Tunesien ist laut Pressemeldung von Emmi der viertbedeutendste Auslandsmarkt. Emmi ist das größte milchverarbeitende Unternehmen der Schweiz. Der Milchverarbeiter Kaiku ist auf dem spanischen Markt die Nummer zwei.

Marokko

Der emiratische Agrarinvestor Jenaan und die marokkanische Diana Holding haben am 13. Dezember 2017 Investitionen in Höhe von umgerechnet 66 Millionen Euro beschlossen. Dabei handelt es sich zum einen um den Anbau von Beerenfrüchten (Himbeeren, Heidelbeeren und Erdbeeren) für den Export. Geplant sind hierfür eine Anbaufläche von 350 Hektar und ein Produktionsvolumen von 5.000 bis 6.000 Tonnen. Zum anderen ist auf 1.500 Hektar der Anbau von Oliven zur Herstellung von Olivenöl vorgesehen. Nach den USA streben die beiden Unternehmen an, die afrikanischen Märkte zu erschließen. Die Diana Holding setzt sich laut eigener Angaben aus 14 Tochterunternehmen zusammen und ist unter anderem bei Anbau, Verarbeitung und Vertrieb von Wein, Oliven, Südfrüchten und in der Abfüllung und dem Vertrieb von Softdrinks sowie Alkoholika tätig. Das Privatunternehmen Jenaan ist auf Auslandsinvestitionen in den exportorientierten Agrarsektor spezialisiert.

Algerien

Im Dezember 2017 wurde in der Oase Biskra die erste Zuckerherstellung im Land auf der Basis von Datteln eröffnet. Die Errichtung der Zuckerfabrik mit einer Investitionssumme von 3 Millionen Euro ist im Rahmen einer italienisch-algerischen Partnerschaft realisiert worden. Beteiligt an dem Projekt sind der italienische Anlagenbauer Sovimp und der Dattelverarbeiter Amenta aus Biskra. Die Provinzstadt Biskra gilt als Dattelzentrum Algeriens. Für die Zuckerherstellung ist lediglich Ausschussware des wertvollen Nahrungsmittels vorgesehen.

West- und Zentralafrika

Benin

Nachdem die Baumwollernte noch 2015 einen herben Einbruch um 38 Prozent verzeichnete, erlebt sie seitdem einen Aufschwung. Im Jahr 2016 konnte ein Ernteplus von 67 Prozent auf 174.000 Tonnen verzeichnet werden und 2017 dürfte es ein weiteres deutliches Plus gegeben haben. Der Sektor, welcher lange unter dem Zwist zwischen dem 2016 abgewählten Präsidenten Thomas Boni Yayi und dem einflussreichen Geschäftsmann Patrice Talon - in Benin bekannt als der "König der Baumwolle" - litt, erlebte seinen Aufschwung, als Talon selber Präsident wurde. Baumwolle beschert dem Land etwa 80 Prozent seiner Deviseneinnahmen und macht fast die Hälfte des Staatshaushaltes aus. Mittelfristig soll auch in die lokale Verarbeitung von Baumwolle investiert werden, zum Beispiel in die Herstellung von Schürzen oder Handtüchern für den inländischen Markt. Auch die Erträge, welche mit knapp über 300 Kilogramm je Hektar vergleichsweise niedrig liegen, sollen erweitert werden. Als Vergleich: Südafrika erreicht fast 1.000 Kilogramm je Hektar.

Guinea-Bissau

Die chinesische Zhongyu Global Seafood Corporation will in Guinea-Bissau eine Fischverarbeitungsfabrik bauen. Dies wurde im Rahmen einer Absichtserklärung zwischen dem Unternehmen und der Regierung des westafrikanischen Landes beschlossen. Zhongyu möchte den Fisch größtenteils exportieren, aber auch den Markt in Guinea-Bissau mit etwa 1.000 Tonnen jährlich beliefern. Über die Investitionskosten wurden keine Angaben gemacht.

Nigeria

Im Rahmen eines National Egg Production Scheme (NEPRO) will die Regierung die Eierproduktion in mehreren Bundesstaaten des Landes unterstützen. Wie die nigerianische Presse Anfang 2018 berichtete, stellt die Zentralbank hierfür einen Betrag von umgerechnet etwa 22,6 Millionen Euro zur Verfügung. Ausgezahlt wird das Geld durch die Bank of Agriculture an Bauern, die sich in diesem Bereich engagieren. Die Haltung von Legehennen wurde in Nigeria in den letzten Jahren vernachlässigt. In den Zeiten des Ölbooms hat sich das Land zunehmend darauf beschränkt, Eier aus dem Ausland einzuführen. Durch NEPRO soll die Produktion binnen fünf Jahren einen Umfang von 50 Millionen Eiern erreichen.

Kamerun

Die kamerunische Azur will ihre Seifen- und Speiseölproduktion ausbauen. Hierfür soll bis 2030 auch die Anbaufläche von Ölpalmen von derzeit etwa 500 auf dann 15.000 Hektar erweitert werden. Die Investition in die Plantagen soll bei etwa 96,8 Millionen Euro liegen. Azur gehört zur Nana Bouba Group, die in Kamerun in verschiedenen Geschäftszweigen aktiv ist. Hierzu zählt die Herstellung von Tomaten, Rindfleisch und Getränken. Die Erzeugung von Speiseöl soll für den kamerunischen Markt erfolgen. Derzeit kann die lokale Landwirtschaft den Speiseölbedarf des zentralafrikanischen Landes noch nicht decken, sodass in größerem Umfang importiert werden muss.

Ostafrika

Äthiopien

Die Addis Ababa Abattoirs Enterprises wollen umgerechnet 70,2 Millionen Euro für einen neuen Schlachthof ausgeben. Standort ist ein 29 Hektar großes Gelände im Nefa-Silk-Lafto-District. Die Bauzeit wird mit vier Jahren angegeben. Finanzgeber ist die French Development Agency. Das äthiopische Parlament hat dem Kreditvertrag Ende Dezember 2017 zugestimmt. Dank des neuen Schlachthauses will Äthiopien seine Fleischexporte nachhaltig steigern. Zur Ausstattung des neuen Betriebs gehören fünf Fließbänder für die Viehschlachtung mit einer Gesamtkapazität von 100 Stück Vieh pro Stunde. Hinzu kommen drei Bänder für 450 Ziegen beziehungsweise Schafe pro Stunde. Nach dem äthiopischen Wirtschaftsplan sollten im Finanzjahr 2016/17 (8. Juli bis 7. Juli) 38.600 Tonnen Fleisch exportiert werden. Tatsächlich waren es aber nur 19.779 Tonnen.

Äthiopien möchte im Rahmen einer 15-jährigen National Cotton Development Strategy zum führenden Baumwollproduzenten Afrikas werden. Aktuell liegt das Land nach eigener Einschätzung auf dem zehnten Platz mit 80.000 Hektar Fläche. Schon in fünf Jahren sollen es 250.000 Hektar mit einem Ertrag von 0,5 Millionen Tonnen werden und bis 2031 rund 1 Million Hektar beziehungsweise circa 2,6 Millionen Tonnen Ertrag. Eine noch zu institutionalisierende Behörde werde dafür Sorge tragen, dass Böden nachhaltig genutzt, Wasser angemessen eingesetzt und Schädlinge auf Distanz gehalten werden, heißt es. Die Förderung des Baumwollanbaus gilt als Voraussetzung für fortgesetzte Erfolge der einheimischen Textilindustrie.

Im Rahmen eines dänisch-äthiopischen Entwicklungshilfevorhabens soll in Äthiopien ein bezahlbarer und mit gesunden Zusatzstoffen angereicherter Joghurt produziert werden - speziell für einkommensschwache Familien. Promotor ist die Gain Nordic Partnership, hinter der die Institutionen Arla Foods Ingredients, TetraPak, Confederation of Danish Industries und DanChurchAid stehen. Eine finanzielle Förderung kommt von der dänischen Entwicklungsagentur Danida. Arla Foods Ingredients lobt sein eigenes Molkepermeat, das reich an Milchmineralien und Laktose sei. Dass schätzungsweise 70 bis 90 Prozent der afrikanischen Bevölkerung eine Laktoseintoleranz haben, scheint kein Thema zu sein.

Kenia

Nach mehreren Fehlstarts in den letzten Jahren will Kenia nun endgültig seine hoch defizitären Zuckermühlen an private Investoren verkaufen. Der vorangegangene politische Hickhack hat den Verkauf nicht leichter gemacht. Alle zur Veräußerung stehenden fünf Mühlen sitzen auf hohen Schuldenbergen, drei sind zudem technisch in einem erbärmlichen Zustand, namentlich die Miwani Sugar Company (unter Konkursverwaltung; Schuldenstand: 226 Millionen Euro), Muhoroni Sugar Company (unter Konkursverwaltung; Schuldenstand: 218 Millionen Euro) und die Chemelil Sugar Company (Schuldenstand: 40 Millionen Euro). Als technisch halbwegs betriebsbereit gelten nur die Nzoia Sugar Company, die allerdings auch abschreckend hohe Verbindlichkeiten von 299 Millionen Euro angehäuft hat, sowie die SonySugar Company mit nur 24 Millionen Euro Schulden.

Vor Jahren hat Kenia schon eine Zuckerfirma verkauft, die Mumias Sugar Company, die aber in Schieflage geriet, weil zu viele Anleger zu lange um den richtigen Kurs stritten. Dieses Mal will Kenia deshalb jeweils 51 Prozent an einen strategischen Investor verkaufen, der die Mühlen technisch neu ausstatten soll. Weitere 24 Prozent würden dann an Kleinanleger und Angestellte gehen. Sollte Kenia Investoren finden, bleibt diesen nur wenig Zeit, die Mühlen wettbewerbsfähig zu machen: Ab 2019 darf Zucker vom Common Market for Eastern and Southern Africa (Comesa) ungehindert nach Kenia importiert werden.

Kenias Staatspräsident Uhuru Kenyatta hat Ende November 2017 medienwirksam den Startschuss für das rund 161 Millionen Euro teure Thiba-Staudammprojekt im Kirinyaga County gegeben. Die Bauzeit soll drei Jahre betragen. Dank des Projekts soll die Reiserzeugung auf jährlich 160.000 Tonnen verdoppelt werden können. Die Japan International Cooperation Agency will das Vorhaben mit 97 Millionen Euro unterstützen. Nach dem Manifest der Regierungspartei sollen in den nächsten fünf Jahren weitere 57 Dämme gebaut werden, um Kenia bei Nahrungsmitteln zu einem Selbstversorger zu machen.

Schon bei Antritt seiner ersten Amtszeit hatte Kenyatta die Selbstversorgung mit Lebensmitteln versprochen und das Bewässerungsprojekt Galana River gestartet, das bislang allerdings kaum etwas vorzuweisen hat. Erst Jahre nach dem Projektstart sei aufgefallen, dass der Galana-Fluss die meiste Zeit des Jahres eher ein Bach sei, lästerte damals die kenianische Presse. Kritische Journalisten befürchten nun eine Wiederholung: Kaum war die Präsidenteneskorte aus Thiba abgefahren, wurden die zur Grundsteinlegung fotogen bereitgestellten Räum- und Baumaschinen wieder abgeholt.

Kenias Molkereisektor hat ein zunehmendes Qualitätsproblem: Immer mehr Milch enthält Arzneimittelrückstände und Pestizide. "Eine Mehrzahl der von uns getesteten Milchproben enthält Aflatoxine und Konservierungsstoffe", sagt Kaberia Muriungi, Senior Dairy Development Officer am Kenya Dairy Board in Voi. "Darüber hinaus finden wir regelmäßig Stresshormone, Reinigungsmittel, Desinfektionsmittel, Pflanzenschutzmittel und Mykotoxine in angelieferter Rohmilch." Das häufig anzutreffende Strecken von Milch mit Wasser und Weizenmehl sei dagegen noch harmlos. Etwa ein Fünftel der täglichen Milchanlieferungen müsste regelmäßig wegen Beanstandungen zurückgewiesen werden. Hintergrund des Problems: Durch die übliche Erbteilung von Land werden die Parzellen immer kleiner. Statt großer Kuhställe mit professionellem Management hat der durchschnittliche kenianische Milchbauer kaum Fachwissen und nur eine Handvoll schlecht genährte Tiere mit extrem niedrigen Erträgen. Eine andere Folge dieser Entwicklung: teure Milch. So kosten 1 Liter haltbare Vollmilch im Ladenregal umgerechnet 1,52 Euro und Spezialprodukte wie 1 Liter laktosefreie, haltbare Magermilch 2,80 Euro oder 250 Gramm Quark der Vollfettstufe stolze 4,10 Euro.

Der Fischfang im Viktoriasee, dem zweitgrößten Süßwassersee der Welt, steht mittelfristig vor dem Zusammenbruch. Die Bestände an Seebarschen und Sardinen seien in den letzten Jahren rapide zurückgegangen, meldet die kenianische Presse. Ursache ist die zunehmende Verschmutzung des Sees. Für chinesische Exporteure ist dies eine gute Gelegenheit: Immer mehr Fische aus chinesischer Produktion finden ihren Weg in kenianische Kühltheken, insbesondere Tilapia. In Mombasa kostet der Buntbarsch im Laden nur ein Drittel seines kenianischen Verwandten. Deutschland importierte 2008 für 4,1 Millionen Euro Fisch aus Kenia (vornehmlich Viktoriabarsch), 2016 lag der Importwert nur noch bei 0,6 Millionen Euro.

Das Softdrink-Unternehmen Coca-Cola will seine Produktion in Kenia auf eine sich verändernde Nachfrage einstellen. Erzeugte das Unternehmen bislang vornehmlich die Marken Coca-Cola, Krest, Sprite und Fanta, abgefülltes Wasser der Marken Dasani und Keringet sowie Fruchtgetränke unter dem Namen Minute Maid, so sollen 2018 Sport-, Tee- und Kaffeegetränke sowie milch- und sojagestützte Getränke hinzukommen. Der Zuckergehalt der Brausen - bisher in Kenia höher als in Europa - soll reduziert werden. Coca-Cola hat Ende 2017 eine neue, 22 Millionen Euro teure Abfüllanlage in Nairobi-Embakasi in Betrieb genommen.

In der westkenianischen Stadt Eldoret will das Unternehmen Almasi Beverages (ABL) eine neue Abfüllanlage und ein Distributionszentrum für Coca-Cola-Produkte aufbauen. Es gebe immer mehr Personen in der Region, die sich solche Erzeugnisse leisten könnten, heißt es. ABL ist auch die Holding-Gesellschaft der Kisii Bottlers und der Mount Kenya Bottlers (beide Nyeri) sowie der Rift Valley Bottlers (Uasin Gishu County).

Tansania

Tansania will mit Hilfe eines chinesischen Investors groß in die Verarbeitung von Kassava einsteigen. Die Produkte, wie zum Beispiel Nudeln, sollen dann nach China exportiert werden. Laut tansanischer Presse, benötigt das neue Werk täglich 3.000 Tonnen Kassava. Der Deal soll 807 Millionen Euro wert sein.

Südliches Afrika

Südafrika

Der Verpackungshersteller Nampak plant für 2018 Investitionen von 67,7 Millionen bis 101,5 Millionen Euro. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 44,8 Millionen Euro im Jahr 2017. Eine der geplanten Maßnahmen ist die Umstellung der Getränkedosen-Fertigung in Angola von Blech auf Aluminium. Zudem sollen die südafrikanischen Fertigungsanlagen für Flüssigkeitsverpackungen konsolidiert werden. In den vergangenen sechs Jahren hat Nampak insgesamt 622,4 Millionen Euro in moderne und effiziente Maschinenausstattung investiert.

Im Jahr 2018 will die Rhodes Food Group 23,7 Millionen Euro investieren. Gegenüber den 29,7 Millionen Euro des Vorjahres bedeutet dies einen Rückgang. Erweitert werden sollen die Anlagen für die Herstellung von salzigen Torten und Backwaren. Für die Produktionsstätte in Groot Drakenstein ist eine neue Saftkonzentrat-Fertigung geplant. Auch die Installation einer Verarbeitungsanlage für Bohnen steht auf der Agenda. In den vergangenen fünf Jahren wurden rund 67,7 Millionen Euro in die Produktionskapazitäten investiert. Ab 2019 sollen die investiven Ausgaben jedoch tendenziell zurückgehen, da zahlreiche strategische Projekte dann abgeschlossen sind.

Pioneer Foods dürfte, so die für das Geschäftsjahr 2018 veröffentlichten Zahlen, Investitionen von rund 57,2 Millionen Euro tätigen. Wichtige Vorhaben sind der Ausbau der Getreidemühle in Durban sowie der Shakaskraal-Backfabrik. Im Jahr 2017 wurden noch Ausgaben in Höhe von 58,5 Millionen Euro vorgenommen. Für die kommenden drei Jahre plant Pioneer das Investitionsvolumen zu reduzieren. Für 2019 stehen bislang nur vorgesehene Maßnahmen mit einem Umfang von 21,4 Millionen Euro in den Büchern.

Der größte Nahrungsmittelhersteller Südafrikas, Tiger Brands, kündigt für die kommenden drei bis fünf Jahre Investitionen von 338,3 Millionen Euro an. Bereits 2018 könnten rund 142,1 Millionen Euro in die Hand genommen werden (2017: 62,2 Millionen Euro). Geplant ist eine Mischung aus Erweiterungsmaßnahmen und Effizienzsteigerungen. Ein Fokus des Unternehmens liegt auf der Reduzierung des Wasserverbrauchs aufgrund zunehmender Wasserknappheit in der Kaprepublik. Vorgesehen sind unter anderem die verstärkte Aufbereitung und direkte Wiedernutzung von Abwasser in den Produktionsstätten des Unternehmens.

Mosambik

Ein Joint Venture zwischen Power China International Group und Xinjiang Production and Construction Corporation plant ein Agrarprojekt von 3.000 Hektar Landwirtschaftsfläche in Chokwe, Südmosambik. Zusätzlich soll das Hidraulica do Chokwe (HICEP)-Bewässerungssystem mit einer Fläche von 1.500 Hektar saniert werden, um höhere Ernteerträge insbesondere für Mais und Bohnen zu erwirtschaften. Die Partnerschaft wird sich auch auf die Bereitstellung von mechanisierten Diensten, Technologietransfer und institutioneller Ausbildung für das HICEP erstrecken. Zwei weitere neue Partner für das HICEP sind die Gesellschaften Green 2000 und Agrotech, die Fischzucht und Maisanbau betreiben wollen.

Angola

Die Grupo Atlanfina plant eine Investition von 4 Millionen Euro zur Herstellung von Verpackung für alkoholische Getränke. Die Anlage in Viana soll Gin produzieren und Wein in Tetra-Pak-Kartons abfüllen.

In Luanda verfolgt Alba da Vida Pläne für eine Investition von etwa 0,8 Millionen Euro für die Produktion von Nudeln mit einer durchschnittlichen Menge von 372 Tonnen pro Jahr.

Casa dos Fresco S.A. beabsichtigt in Luanda mit portugiesischen Partnern eine Investition in Höhe von 674.000 Euro zur Herstellung von 4.200 Tonnen Brot und 720 Tonnen verschiedener Backwaren pro Jahr.

Mit der Marke Hidrobem will die Kibabo Gruppe in den nächsten Jahren zum Marktführer in der Produktion von Tomaten in Angola werden. Zu diesem Zweck erweitert das Unternehmen derzeit eine Reihe von Gewächshäusern mit mehr als 5.000 Quadratmetern in der Region Kikuxi-Viana. Das Unternehmen rechnet im 1. Quartal 2018 bereits mit einer Ernte von mindestens 150.000 Tonnen Tomaten. Die hydroponischen Produktionsbereiche sollen schrittweise ausgebaut werden. Kibabo investiert ferner rund 3,1 Millionen Euro in eine Anlage zur Verarbeitung und Verpackung landwirtschaftlicher Produkte. Seit ungefähr fünf Jahren ist die Gruppe auf dem angolanischen Markt präsent. In diesem Zeitraum tätigte Kibabo Investitionen von mehr als 20,2 Millionen Euro.

In Angola benötigt die Tomatenkonzentratfabrik Matala Development Company (Sodmat) weitere 1,2 Millionen Euro für die Montage einer Verpackungslinie und für andere Ausrüstung zur Wiederaufnahme des Betriebs. Die Anlage ging ursprünglich im Jahr 1960 in Betrieb, um 12.500 Tonnen frische Tomaten pro Jahr zu verarbeiten. Seit 1980 ist die Fabrik stillgelegt.

Stand: 31.1.18

F.N.; O.I.; He.St.; C.E.; M.B.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ägypten, Tunesien, Marokko, Algerien, Benin, Guinea-Bissau, Nigeria, Kamerun, Äthiopien, Kenia, Tansania, Südafrika, Mosambik, Angola, Nordafrika, Südliches Afrika, Westafrika, Ostafrika, Zentralafrika Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Land- und Forstwirtschaftsmaschinen

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