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02.04.2019

In Botsuana werden kaum Nahrungsmittel verarbeitet

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Teilprivatisierung dürfte Schub im Rindersektor bringen / Von Fausi Najjar

Johannesburg (GTAI) - Bislang werden in Botsuana wenig Nahrungsmittel hergestellt. Nur bei Geflügel ist das Land Selbstversorger. Dynamisch sind die Getränkesparte und die Rindfleischverarbeitung.

Botsuanas Agrarsektor weist eine nur geringe Produktivität auf. Die Farmen, die Getreide anbauen sind klein, von den Regenfällen abhängig und werden kaum mit moderner Agrartechnik oder Anbaumethoden betrieben. Das überwiegend halbtrockene Land bewirtschaftet nur 39 Prozent seiner Nutzfläche und muss 90 Prozent des Getreidebedarfs importieren. Das entspricht jährlich rund 375.000 Tonnen, hauptsächlich Weizen und Mais. Selbst geerntet werden vor allem Mais und Sorghum-Hirse.

Die dominierende Rinderzucht trägt 80 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Agrarsektors bei. Die Rinderzahl von 2,5 Millionen bis 3 Millionen übertrifft die Einwohnerzahl von 2,24 Millionen. Über 90 Prozent der Rinder gehen ins Ausland, seit den 70er-Jahren führt der Flächenstaat Rinder in die Europäische Union aus. Weitere wichtige Zielländer sind Norwegen und Südafrika. Wegen schwacher Kupferexporte war die Ausfuhr von Rind nach Diamanten und Natriumkarbonat 2017 drittwichtigstes Exportgut. Dennoch bleibt ihre Bedeutung mit einem Anteil von 1,6 Prozent klein. 88 Prozent der Ausfuhren entfallen auf Diamanten.

Der Anteil des Agrarsektors am gesamten BIP fällt stetig und lag 2017 bei 2,1 Prozent. Dennoch nimmt die Landwirtschaft weiterhin eine wichtige Funktion ein. Etwas mehr als ein Viertel der Arbeitsbevölkerung sind in diesem Sektor beschäftigt.

Wenig Geld für den Agrarsektor

Die Regierung will eigenen Verlautbarungen zufolge die landwirtschaftliche Produktion steigern und wiederholt regelmäßig, etwas für die Nahrungsmittelsicherheit des Landes tun zu wollen. Dazu wurden das Integrated Support Programme for Arable Agricultural Development (ISPAAD) für den Ausbau der Anbaufläche aufgelegt sowie das Livestock Management and Infrastructure Development (LIMID) Programme für die Stärkung der Viehwirtschaft.

Tatsächlich fällt die staatliche Unterstützung klein aus. Die Budgetmittel für die Landwirtschaft stagnieren auf niedrigem Niveau. Als weiteres Problem kommt die sich abzeichnende Überalterung in der Landwirtschaft hinzu. Insgesamt werden Arbeitskräfte durch die relativ hohen Einkommen in anderen Bereichen entmutigt, einer Tätigkeit in der Landwirtschaft nachzugehen.

Wachstum von niedrigem Niveau aus

Trotz eines zu erwartenden langsameren realen Wachstums für 2019 - laut Internationalem Währungsfonds rund 4,6 Prozent - und 2020 (3,6 Prozent) wird Botsuana auch in Zukunft eine stabil wachsende Nachfrage nach Konsumgütern und Nahrungsmitteln aufweisen. Wichtigster Wirtschaftszweig ist der Abbau von Diamanten, der - mit Schwankungen - ein für die Region überdurchschnittliches Wachstum und Wohlstand ermöglicht. Erkauft wird das mit einer stark einseitig ausgerichteten Wirtschaft, in der der Agrarsektor und eine beschäftigungsintensive verarbeitende Industrie ins Hintertreffen geraten.

Dementsprechend fällt die verarbeitende Industrie klein aus. Einschließlich der Primärbearbeitung von Rohdiamanten liegt ihr Anteil am BIP bei nur rund 5 bis 6 Prozent. Auch die Nahrungsmittelverarbeitung bleibt in dem kaum industrialisierten und zudem niederschlagsarmen Land klein.

Mit dem Wohlstandzuwachs und damit einhergehendem, sich wandelnden Konsummuster ist in Zukunft mit wachsenden Verkäufen bei Backwaren, frischem und konserviertem Obst und Gemüse, Schweine- und Hühnerfleisch sowie Softdrinks zu rechnen. Die Nachfrage nach Mais als wichtigstes Grundnahrungsmittel wird hoch bleiben. Bremsend wirken sich die - trotz Diamantensegen - weiterhin hohen Quoten bei Armut und Arbeitslosigkeit aus.

Zwar ist infolge des steigenden Konsums mit einer wachsenden lokalen Nahrungsmittelverarbeitung zu rechnen, ihr Anteil wird allerdings gegenüber importierten Nahrungsmitteln kaum zunehmen, wenn nicht sogar fallen. Denn: zu bezweifeln ist, ob die staatlichen Bemühungen, die verarbeitende Industrie zu fördern, von großem Erfolg geprägt sein werden.

Hohe Rohstoffeinkommen führen vor allem in unterentwickelten Ländern zu ungünstigen Preisrelationen und Anreizen, die eine Diversifizierung erschweren. So stärken sie in Botsuana die nationale Währung Pula, was unter anderem den Import von Waren auf Kosten einer heimischen Produktion begünstigt. Auch fallen die Gehälter beim Staat tendenziell weitaus höher aus als etwa in der verarbeitenden Industrie.

Kleiner Getränkemarkt wächst

Auch in Zukunft ist in der Getränkeindustrie bei alkoholischen und nicht-alkoholischen Produkten mit realen Umsatzzuwächsen von über 5 Prozent zu rechnen. Mit 80,2 Litern pro Kopf und Jahr fällt der Alkoholkonsum in Botsuana klein aus - in Südafrika sind es deutlich über 100 Liter pro Kopf. Populärstes alkoholisches Getränk ist Bier, während Wein von niedrigem Niveau ausgehend zulegt. Die Alkoholsteuern fallen äußerst hoch aus. Bei Getränken mit einem Alkoholanteil von 5 oder unter 5 Prozent liegt der Steuersatz bei 50 Prozent. Bei Getränken mit einem Anteil von mehr als 5 Prozent bei 55 Prozent.

Zum großen Teil trinken die Botsuaner zu Hause gebrautes Bojwala, das auf Sorghumhirse und Mais basiert. In der formellen Industrie wird Bojwala unter der Marke Chibuku vertrieben, hergestellt von der Kgalagadi Breweries Limited (KBL). An KBL ist die südafrikanische SABMiller mit 40 Prozent beteiligt. Anheuser-Bush InBev hat den ehemals weltweit zweitgrößten Brauereikonzern 2016 übernommen. Neben vier Brauereianlagen für traditionelle Biere stellt KBL in zwei weiteren Anlagen jeweils Lagerbiere und auf Lizenz Softdrinks her. Im Jahr 2018 hat die erste Kleinbrauerei in Botsuana, Big Sip Co., den Betrieb aufgenommen.

Coca-Cola dominiert den nicht-alkoholischen Getränkemarkt. Im November 2018 hat der Lizenznehmer Coca-Cola Beverages Africa angekündigt, die 50,1 Prozent des bisherigen Abfüllers und Vertreibers der Coca-Cola-Produkte Beverage Manufacturers (Botswana) zu übernehmen. Den anderen Anteil hält Sechaba Brewery Holdings Ltd (Sechaba). Das neue Unternehmen wird Coca-Cola Beverages Botswana (CCBB) heißen.

Teilprivatisierung im Rindersektor, Selbstversorger bei Geflügel

Mit der geplanten Teilprivatisierung der staatlichen Botswana Meat Commission (BMC) und der Aufhebung deren Monopols für den Rinderexport ist mehr Bewegung in der privaten Schlachtwirtschaft und beim Rinderexport zu erwarten. Die BMC betreibt Schlachthöfe, eine Konservenfabrik sowie eine Gerberei und eine Verarbeitung der Nebenprodukte. Neben den traditionellen Märkten (EU, Norwegen, Vereinigtes Königreich und Südafrika) zielt die Ausfuhrpolitik des BMC mittlerweile auf den Nahen- und Mittleren Osten, Russland und China. Ein weiterer Fleischverarbeiter - in diesem Fall für Geflügel, Rind und Schaf - ist die private Senn Foods, die Zucht- und Mastbetriebe, Schlachthöfe und Großmetzgereien betreibt.

Botsuana ist bei Geflügelfleisch (tiefgekühlte Teile, ganze Hühner) nahezu autark. Geflügel kann nur beschränkt eingeführt, Futtermittel müssen jedoch importiert werden. Größter Geflügelproduzent ist Tswana Pride, der neben der Versorgung des Einzelhandels auch als Fastfood-Lieferant auftritt. Tswana Pride gehört zur Associated Investment Development Corporation, einem nationalen Firmenkonglomerat. Weiterer bedeutender Marktteilnehmer ist das Unternehmen Richmark, das teils zur Brink Holdings und Pioneer Foods aus Südafrika gehört. Auch dieses Unternehmen ist von der Aufzucht bis zum Vertrieb vertikal integriert. Kleinere Produzenten sind Moleps Poultry, Bobbsies Chickens und Radikoko Enterprises.

Supermärkte mit moderater Expansion

Der Lebensmittelvertrieb über Supermärkte ist relativ weit entwickelt. Außerhalb der Hauptstadt Gaborone und den Provinzstädten Francistown sowie Molepolole gewinnt der informelle Handel an Bedeutung. Botsuana verfügt über zwei gut aufgestellte Supermarktketten, die in der Region expandieren. Diese sind Choppies und Sefalana. Beide Unternehmen sind an der Börse Botswana Stock Exchange (BSE) gelistet. Sefalana betreibt 25 kleinere Supermärkte und 18 größere. Auf Choppies entfällt ein Marktanteil von rund 30 Prozent. Trotz Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur bleiben die Transportkosten in dem großen Binnenland hoch. Eine kleine Bevölkerung und hohe Arbeitslosigkeit schränken die Expansionsmöglichkeit der Ketten ein.

Deutsche liefern Melktechnik

Botsuana importiert bislang den größten Teil seiner Frischmilch aus Südafrika. Eigens produzierte Milch deckt gerade einmal 10 Prozent des Bedarfs ab, der bei rund 65 Millionen Litern liegt. Bereits seit 2014 soll eine Molkerei und Milchfarm in Lobatse (70 Kilometer südlich von Gaborone) errichtet werden. Die Kapazität würde rund ein Drittel des Bedarfs decken, so zumindest die Aussage eines Regierungsmitglieds. Das Vorhaben erfolgt im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft zwischen MilkAfric und der Gemeinde Lobatse.

Wegen administrativer Verzögerungen wurden erst Ende 2018 die Gebäude fertiggestellt und der Melkstand geliefert. Lieferant für die Technik ist GEA Farm Technologies aus Westfalen. Vorgesehen ist eine Partnerschaft mit Parmalat Botswana. Parmalat produziert in Gaborone haltbare Milch, Butter und Käse für den lokalen Markt. Bislang ist die südafrikanische Lebensmittelfirma Clover das einzig moderne Unternehmen, das Milch von heimischen Farmern einsammelt und verarbeitet. Clover besitzt in Gaborone eine Molkerei.

Vermahlung: zwei Firmen dominieren

Die Bolux Gruppe - mit den größten Kapazitäten bei der Vermahlung von Mais und Weizen - importiert ihren Input global und verarbeitet in Ramotswa. Die Gruppe beschäftigt 450 Mitarbeiter. Bei Bokomo Botswana handelt es sich um eine Partnerschaft aus P.F. Brink und der Pioneer Foods Group, einem der größten Produzenten von verpackten Getränken und Nahrungsmitteln in Südafrika. Bokomo Botswana produziert Weizen- und Maismehl und Zucker und bezieht das Getreide teils aus dem eigenen sowie den Nachbarländern. Im Juni 2018 hat Bokomo ein modernisiertes Werk in Betrieb genommen. In dem Unternehmen sind rund 650 Arbeitskräfte beschäftigt.

Stagnation bei Obst und Gemüse

Botsuana muss Obst und Gemüse und daraus weiterverarbeitete Produkte fast ausschließlich aus seinem Nachbarland Südafrika importieren. Deswegen hat die Regierung im Mai 2016 das Staatsunternehmen Napro (National Agro Processing) gegründet. Napro liegt rund 400 Kilometer nördlich von Gaborone in Selebi Phikwe, produziert eingelegtes Gemüse und beliefert die Supermarktkette Choppies. Im Dezember 2017 hat die Regierung beschlossen, das Werk zu privatisieren; bislang ohne Erfolg. Experten kritisieren, dass das Werk ohne ausreichenden Input und aufgrund seiner Entfernung von Gaborone eine Fehlkonzeption sei.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Botsuana können Sie unter http://www.gtai.de/botsuana abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie weitere Informationen zum Land Ihrer Wahl in Afrika.

Dieser Artikel ist relevant für:

Botsuana Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen

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