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19.06.2019

In China finden immer mehr Bewerber online ihren Job

Suche auf Jobmessen und an Universitäten weiter wichtig / Von Stefanie Schmitt

Beijing (GTAI) - Onlineplattformen und Social-Media-Kanäle - speziell WeChat - haben in China als Rekrutierungsinstrument massiv an Bedeutung gewonnen. (Kontaktanschriften)

Immer mehr Firmen und Stellensuchende finden in China über soziale Medien wie WeChat oder über Microblogs zueinander. Dies gilt nicht mehr nur in unteren, sondern vermehrt auch für Managementpositionen. Tatsächlich erlebte die Stellensuche in China einen dramatischen Wandel.

"Gerade die jungen Leute informieren sich fast nur noch über WeChat", so die Erfahrung einer deutschen Managerin. Auch sonst ist bei der Personalsuche vieles anders als in Deutschland. Nach wie vor erfüllen etwa viele Bewerber nur einen geringen Prozentsatz die Anforderungen im Stellenprofil. Eine genaue Prüfung der Kandidaten bleibt daher unerlässlich.

Während viele etablierte Unternehmen noch bis vor wenigen Jahren die traditionellen Wege der Arbeitskräfterekrutierung bevorzugten beziehungsweise Social-Media-Plattformen allenfalls für eher Personalstellen mit geringerem Anforderungsprofil oder für bestimmte Sparten - etwa im IT-Bereich - nutzten, gehören Social-Media-Anzeigen heute fast zum Standard. Bald könnten auch Top-Positionen über WeChat publiziert werden, heißt es.

Umgekehrt nutzen natürlich auch Arbeitssuchende die neuen Möglichkeiten, um sich bei gegenwärtigen oder ehemaligen Beschäftigten eines Unternehmens über den potenziellen künftigen Arbeitgeber zu erkundigen. Deshalb ist ein guter Auftritt auf den gängigen Kanälen ausgesprochen wichtig.

Dies ist umso bedeutsamer, da deutsche Unternehmen bei vielen Absolventen nicht mehr bedingungslos als attraktiver Arbeitgeber angesehen werden. Manch großes chinesisches Privatunternehmen oder Start-up gilt als interessanter.

WeChat und Internetplattformen lösen das traditionelle Inserat ab

Viele Firmen betreiben eigene WeChat-Channel, haben eigene Unterseiten, etwa auf LinkedIn, aufgebaut oder schalten Anzeigen auf Job-Plattformen wie 51.job.com, chinahr.com und zhaopin.com. Neben diesen allgemeinen Jobbörsen existieren spezialisierte Plattformen mit regionalen und/oder branchenspezifischen Schwerpunkten, zum Beispiel zjrc.com für Zhejiang. Anzeigen in Massenmedien wie Tageszeitungen sind dagegen quasi verschwunden. Eine Ausnahme bilden, wenn spezielle Kenntnisse gesucht werden, mitunter noch Inserate in Fachpublikationen.

Die wichtigsten Internet-Plattformen in China

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Deutsche Unternehmen berichten über sehr gute Erfahrungen bei Stellenanzeigen auf der Job-Market-Plattform der AHK Greater China (http://www.de-jobmarket.com). Bislang haben bereits über 1.800 Unternehmen die Jobbörse erfolgreich genutzt und dabei offene Stellen mit Fachpersonal besetzt. Außerdem nehmen die Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft in Beijing, Shanghai und Guangzhou konkrete Aufträge zur Personalsuche an. Die Gebühren hängen von der zu besetzenden Position ab.

Umfangreiches Angebot an Jobmessen

In den Städten finden regelmäßig Jobmessen statt, an denen sich Firmen mit einem Stand beteiligen können. Auch die AHK Greater China veranstaltet entsprechende Messen. Auf der letzten "22th Sino-German Job Fair in Shanghai" im März 2019 stellten sich 33 deutsche Firmen rund 1.000 Studenten und anderen Bewerbern vor. Zur "18th Sino-German Job Fair in Beijing" im April 2019 waren 27 Unternehmen und um die 1.000 Besucher gekommen. Die nächsten beiden Veranstaltungen finden jeweils im Oktober 2019 statt. In den letzten Jahren ließ an beiden Standorten das Interesse jedoch etwas nach, was auf die gewichtigere Rolle des Internets zurückgeführt wird.

Des Weiteren könnte auch eine Teilnahme bei den jährlichen "SinoJobs Career Days" (6. November 2019 in Düsseldorf; 8. November 2019 in München) interessant sein. Dort steht die Rekrutierung von chinesischen Auslandsstudenten für Positionen in China im Fokus (http://www.sinojobs-careerdays.com/de).

Campus Recruitment bleibt wichtiges Standbein

Werden Universitätsabsolventen gesucht, wenden sich viele Unternehmen direkt an die lokalen Hochschulen, um sich dort - etwa mit Vorträgen - zu präsentieren. Als besonders günstig gilt der Zeitraum von Ende Oktober bis Anfang November, das heißt zu Beginn des letzten Schuljahres. Später sind die besten Kandidaten meist schon vergeben.

Kleine und mittelständische Firmen sind gut beraten, sich ihre Kandidaten nicht an den Top-Universitäten des Landes wie der Beijing- oder der Tsinghua-Universität zu suchen. Denn die dortigen Absolventen haben oft kaum zu erfüllende Gehalts- und Karrierevorstellungen, die ihnen allenfalls die "Top-500-Firmen" der Welt bieten können.

Deutlich bodenständiger agieren Absolventen der weniger hoch angesehenen, aber dennoch soliden Hochschulen wie etwa der TU Harbin oder der TU Qingdao. "Das sind oft Leute, die sich ihr Studium noch erkämpfen mussten und die bereit sind, die Ärmel hochzukrempeln; die passen viel besser zu uns," so die Geschäftsführerin eines deutschen Familienunternehmens. "Natürlich muss jede Firma aber die Universität finden, die ihren Anforderungen entspricht." Und selbstverständlich erfolgt im Anschluss an die Einstellung ein oft über mehrere Jahre angelegtes Trainee-Programm.

Weitere Informationen zum chinesischen Arbeitsmarkt bietet die Publikation "Lohn- und Lohnnebenkosten - China 2019", http://www.gtai.de/china-lohn.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

China Arbeitsmarkt / Löhne / Ausbildung

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