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13.08.2019

In Indonesien rückt der Bau von Jakartas "Giant Sea Wall" näher

Kampf gegen das Absinken der Hauptstadt erfordert Milliardeninvestitionen / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Die Bucht von Jakarta könnte mit einem gigantischen Damm geschlossen werden. Landgewinnung und der Bau einer Mautstraße sind Teil der Planungen.

Das indonesische Ministry of Public Works and Housing hat im Juli 2019 eine Absichtserklärung mit dem niederländischen Ministerium für Infrastruktur- und Wassermanagement sowie der südkoreanischen Organisation für Entwicklungszusammenarbeit (Koica) über die Phase zwei des Hochwasserschutzprojektes für Jakarta (National Capital Integrated Coastal Development - NCICD) unterzeichnet.

Offiziell hat das Ministerium zwar noch nicht verlauten lassen, was Phase zwei im Detail beinhaltet. Aber der Rückgriff auf zurückliegende Pläne und die Aussagen von Beratern lassen vermuten, dass der Bau der sogenannten Giant Sea Wall - einem gigantischen Damm von mehr als 30 Kilometern Länge um die Bucht von Jakarta - vorangetrieben werden könnte. Zunächst könnte ein auf der Westseite der Bucht gelegener Damm entstehen. Dem würde später ein östlicher Damm folgen.

Phase eins von NCICD beinhaltet den Hochwasserschutz an der Küstenlinie der indonesischen Hauptstadt. In ihrem Rahmen werden derzeit Dämme mit einer Gesamtlänge von 20 Kilometern an besonders von Überschwemmungen bedrohten Gebieten gebaut.

Das zugrunde liegende Problem ist, dass Jakarta durch illegale Grundwasserentnahme jedes Jahr um mehrere Zentimeter absinkt. Insbesondere der an das Meer grenzende Norden der Stadt ist dadurch immer stärker von Überschwemmungen bedroht, die besonders nach Regenfällen auftreten. Schon heute liegen einige bewohnte Küstengebiete der 10-Millionen-Metropole deutlich unter dem Meeresspiegel und können nur notdürftig mit Dämmen vor den Fluten geschützt werden.

Stopp der Grundwasserentnahme gefordert

In ihrer radikalsten Form würde die Giant Sea Wall die Bucht von Jakarta abschließen und in eine Lagune verwandeln. Sie wäre dann nicht nur Damm, sondern könnte durch Landgewinnung - so die kühnste Version - zu einer Luxusinsel in Form des indonesischen Wappenvogels Garuda ausgebaut werden. Den Immobiliensektor versetzt diese Vorstellung in Ekstase; die Verwirklichung dieses Gigaprojekts ist aber zweifelhaft, wenngleich eine Landgewinnung von 2.000 Hektar geplant ist.

Doch das ganze Szenario ist umstritten. Denn laut Kritikern könnte ein umgehender Stopp der Grundwasserentnahme das weitere Absinken der Stadt verhindern. Eine Studie von 2018 hat ergeben, dass 4.231 Geschäftsgebäude unterirdische Quellen nutzen. Laut der staatlichen Wasserbehörde PAM entfallen 40 Prozent der Wasserversorgung auf Grundwasserentnahme.

Widerstand kommt auch von den örtlichen Fischern, die um den offenen Zugang zum Meer und damit um ihre Existenz fürchten. Und Umweltschützer haben das Projekt in "Giant Toilet" umbenannt: Denn das jetzt schon stark verschmutzte Wasser der Bucht würde durch den Zufluss der dreizehn ebenfalls verschmutzten Flüsse der Stadt noch weiter an Qualität einbüßen.

Mautstraße auf dem Riesendamm

Neuere Planungen sehen fünf Öffnungen der Giant Sea Wall für die örtlichen Fischer und den Verkehr der Touristenboote zu den nahe gelegenen Resorts der Inselgruppe Pulau Seribu vor. Außerdem soll der Damm auch als Mautstraße fungieren, die als Ost-West-Achse zur Entschärfung der Stauproblematik Jakartas beitragen soll.

Es kursieren zahlreiche unterschiedliche Schätzungen über die Kosten der genannten Maßnahmen. So soll Phase zwei umgerechnet 3,4 Milliarden US-Dollar (US$) verschlingen. Eine Phase drei mit einem östlichen Damm könnte etwa 2 Milliarden US$ kosten, ebenso viel wie die zu bauende Mautstraße. Eine häufig genannte Zahl für alle Maßnahmen von Hochwasserschutz und Landgewinnung bis 2050 ist 11 Milliarden US$, andere Berechnungen liegen deutlich darüber.

Klar ist, dass die öffentliche Hand die Kosten nicht annähernd alleine stemmen kann. Berichte besagen, dass allenfalls 20 Prozent der Kosten von der Stadt Jakarta und der Zentralregierung getragen werden könnten, 80 Prozent müssten über Entwicklungskredite und die Privatwirtschaft finanziert werden.

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Bezeichnung Internetadresse Anmerkung
Ministry of Public Works and Housing https://www.pu.go.id zuständig für den Hochwasserschutz

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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