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03.04.2019

In Indonesien wird der Kampf um IT-Fachkräfte härter

Nachfrage nach Spezialisten steigt stärker als das Angebot / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Auch für ausländische Firmen wird es in Indonesien immer schwieriger, Programmierer oder andere IT-Fachkräfte zu finden. Deren Gehälter steigen schnell, die Betriebstreue ist gering.

Indonesien hat sich der digitalen Zukunft verschrieben. Praktisch alle jungen Städter nutzen ein Smartphone. Einkäufe und Bestellungen digital zu bezahlen ist eine Selbstverständlichkeit. Und die Digitalbranche hat bereits vier sogenannte Unicorns mit einem geschätzten Unternehmenswert von mindestens 1 Milliarde US-Dollar (US$) hervorgebracht.

Darauf aufbauend hat die indonesische Regierung im Frühjahr 2018 die Strategie "Making Indonesia 4.0" vorgestellt, die den Weg der heimischen Wirtschaft in die digitale Zukunft vorzeichnen soll. Doch woher das dafür notwendige Know-how kommen sollen, weiß noch niemand.

Ausländische Unternehmen berichten, dass es immer schwieriger wird, Fachkräfte aus dem Bereich Informationstechnologie (IT) - vor allem Programmierer und Softwareingenieure - zu finden. Und wer welche einstellen kann, muss für sie immer tiefer in die Tasche greifen. So schmilzt im IT-Sektor der in allen anderen Bereichen oftmals große Gehaltsunterschied zwischen Herkunftsland der Firmen und Indonesien immer schneller zusammen.

Für einen Programmierer mit mittleren und anspruchsvollen Aufgaben und einer Berufserfahrung von mehr als fünf Jahren müssen Arbeitgeber mittlerweile Monatsgehälter zwischen 1.000 und 2.000 US$ zahlen, Tendenz steigend. Bei gleichzeitigen Führungsaufgaben kann die Summe noch einmal deutlich darüber liegen. Einige Unternehmen sind in diesem Umfeld sogar schon dazu übergegangen, Teilprogrammierungen nach Indien auszulagern, wo der Pool an Fachkräften größer und ihre Arbeitskraft dadurch günstiger ist.

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Ein hohes Gehalt ist wichtigster Anreiz

Unternehmen müssen in dieser Mangellage kreativ sein. Viele akquirieren IT-Kräfte bereits an den Universitäten oder engagieren Headhunter. Kleinere Firmen nutzen die in Indonesien gängigen Online-Jobbörsen JobStreet, jobsDB und Karir. Dort können allgemein gehaltene Stellenanzeigen durchaus Hunderte Bewerber anlocken. Sie haben aber zumeist eine Beschäftigung und wollen ihren Marktwert ausloten.

Ein hohes Gehalt ist der mit Abstand wichtigste Anreiz für IT-Fachkräfte. Jüngere lassen sich manchmal auch mit zusätzlichen Urlaubstagen locken (die meisten Angestellten haben nur das gesetzlich vorgeschriebene Minimum von zwölf Tagen). Ein bekanntes Unternehmen mit coolem Image, das für die weitere Karriere hilfreich ist, hat es bei der Suche nach IT-Fachkräften leichter als eine No-Name-Firma.

Etablierten Unternehmen macht im Wettbewerb um die besten Köpfe der Erfolg der vier Unicorns Go-Jek, Tokopedia, Bukalapak und Traveloka zu schaffen. Diese benötigen Tausende IT-Spezialisten und können ihnen mit den in Finanzierungsrunden weltweit eingeworbenen Hunderten Millionen US-Dollar entsprechend hohe Gehälter zahlen. Zudem gelten sie als coole Arbeitsgeber.

Als ein großes Problem bei indonesischen IT-Fachkräften beschreiben viele ausländische Unternehmen die schlechten Englischkenntnisse, selbst in großen Metropolen wie Jakarta, Surabaya und Bandung. Sie müssen oftmals in Kursen nachgeschult werden.

Universitäten mit renommierten IT-Fachbereichen
Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Binus University, Jakarta https://binus.ac.id Schwerpunkt Science & Technology, Zweigstellen in Bandung und Malang
Institut Teknologi Bandung (ITB) http://www.itb.ac.id renommierteste Universität im Technologiebereich
Universitas Gunadarma, Jakarta http://www.gunadarma.ac.id Privatuniversität mit breitem Fächerspektrum

Auch Singapur rekrutiert in Indonesien

Die Not an Fachkräften macht erfinderisch. Einige Anbieter haben sogenannte Coding-Boot-Camps eingerichtet, in denen Bewerber in wenigen Tagen oder Wochen gegen eine Kursgebühr auf speziell benötigte Fertigkeiten gedrillt werden. Den Absolventen winkt ein überdurchschnittliches Gehalt, mit dem sich ihre Investition schnell amortisiert.

Oder man bildet selbst aus. Auf der Singapur vorgelagerten und als Freihandelszone fungierenden indonesischen Insel Batam hat der Economic Development Board, die oberste Wirtschaftsbehörde des Stadtstaats, die Glints Academy gegründet. Sie ist Rekrutierungspool für die singapurische Digitalindustrie.

Hier werden Indonesier in neun Wochen zu Programmierern ausgebildet und bekommen nach einer einjährigen Übergangsphase auf Batam einen Job in einem singapurischen Unternehmen garantiert, mit einem Monatsgehalt zwischen umgerechnet 370 und 1.100 US$ (die singapurischen IT-Gehälter betragen ein Vielfaches davon). Einzige Voraussetzung für die Teilnehme ist ein bestandener Eingangstest.

Die wichtigsten Jobbörsen in Indonesien
Bezeichnung Internetadresse
JobStreet http://www.jobstreet.co.id
jobsDB https://id.jobsdb.com/id
Karir http://www.karir.com

Investitionen in Hochschulen

Auch die indonesische Politik hat den Mangel an IT-Fachkräften als Flaschenhals für die weitere wirtschaftliche Entwicklung erkannt. Doch schnelle Lösungen sind nicht in Sicht. Das Informations- und Kommunikationsministerium hat im Herbst 2018 heimischen Hochschulen gerade einmal 9 Millionen US$ an Unterstützung zugesagt, um 20.000 IT-Fachkräfte im Jahr auszubilden.

Ein nachhaltigeres, wenn auch breiter angelegtes Vorhaben ist der Aufbau einer polytechnischen Ausbildung. So hat die Regierung mithilfe eines Darlehens der Asian Development Bank in Höhe von 75 Millionen US$ das Polytechnic Education Development Project aufgelegt. Bisher sind laut Bildungsministerium lediglich 262 von knapp 4.500 höheren Bildungseinrichtungen polytechnisch ausgerichtet.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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Indonesien Arbeitsmarkt / Löhne / Ausbildung

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