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19.06.2017

In Indonesiens Kohlebergbau heißt es wieder "Glückauf"

Förderung soll 2017 Rekordwert erreichen / Marktteilnehmer teils hoch verschuldet / Von Roland Rohde

Jakarta (GTAI) - Indonesien hat Kohle ohne Ende, und zwar im wörtlichen Sinne. Die jährlichen Fördermengen übersteigen den einheimischen Verbrauch um ein Vielfaches. Der Ausbau der landesweiten Kraftwerkskapazitäten treibt den inländischen Bedarf, zugleich generieren die asiatischen Nachbarn mehr Nachfrage. 2017 soll der Output um bis zu 13% steigen. Die Minengesellschaften investieren wieder verstärkt. Angesichts einer hohen Verschuldung kaufen sie vorzugsweise gebrauchtes Gerät. (Internetadressen)

Indonesien gehört zu den weltweit führenden Produzenten und Exporteuren von Kohle. Der Brennstoff ist im Überfluss vorhanden. Ein Großteil der jährlichen Förderung wird exportiert, zumeist nach Indien, Japan, Korea (Rep.) und in die VR China. Die indonesische Kohle hat zwar im Durchschnitt einen geringen Brennwert, dafür aber auch einen niedrigen Schwefelgehalt. Das macht sie insbesondere beim chinesischen Nachbarn, der verzweifelt gegen die massive Luftverschmutzung kämpft, besonders beliebt. Zugleich lassen sich die meisten Vorkommen im Tagebau gewinnen, das macht die Förderung preiswert und konkurrenzfähig.

Der indonesische Kohlebergbau litt in jüngster Vergangenheit unter den geringen Weltmarktpreisen, in deren Folge die Fördermenge zwischen 2012 und 2015 laut Angaben des nationalen Statistikamtes Badan Pusat Statistik (BPS) um insgesamt 13% auf gut 400 Mio. Tonnen (t) fiel. Insbesondere den kleineren Minengesellschaften fehlte Kapitalfluss, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Oftmals gab es nicht einmal genug Geld, um Diesel für die Stromgeneratoren zu kaufen.

Kennzahlen zum Kohlebergbau (Reales Wachstum sowie Anteil an der BIP-Entstehung zu laufenden Preisen in %)
Jahr BIP-Wachstum Wertschöpfung Kohlebergbau Anteil am BIP
2011 6,2 24,0 3,2
2012 6,0 15,7 3,1
2013 5,6 7,4 3,0
2014 5,0 1,4 2,5
2015 4,9 -7,3 2,0
2016 5,0 -4,1 1,9

Quelle: BPS

Rund 100 mittelständische Kohlebergwerke stellten nach Aussagen des indonesischen Arbeitgeberverbands alleine 2015 ihren Betrieb ein. Etwa 60.000 Arbeiter verloren ihren Job. Die Banken ließen auf der Bergbauinsel Kalimantan 12.000 Einheiten schweren Geräts wegen Kreditausfällen beschlagnahmen. Doch auch die größte Förder- und Exportgesellschaft Bumi Resources konnte sich nicht dem Abwärtstrend entziehen. Sie hat nach eigenen Angaben Schulden in Höhe von über 4 Mrd. US$ angehäuft, die sie bis 2017 noch nicht getilgt hat.

Output legt 2017 auf 450 Mio. bis 490 Mio. t zu

Doch das sind Zahlen aus der Vergangenheit. Die Weltmarktpreise haben sich spürbar erholt, die Förderung steigt wieder. Der Output legte 2016 laut Schätzungen des Ministeriums für Energie und Bodenschätze (ESDM) um 7% zu. Für 2017 erwartet die Behörde ein Plus von 13% auf knapp 490 Mio. t. Das Marktforschungsunternehmen Data Consult ist da wesentlich vorsichtiger. Es rechnet mit einer Steigerung von knapp 4% auf 450 Mio. t.

Kohleausstoß Indonesiens (in Mio. t)
Jahr Wert
2010 325,3
2011 415,8
2012 466,3
2013 458,4
2014 435,7
2015 405,8
2016 1) 434,1
2017 2) 450,0 bis 489,0

1) Schätzung; 2) Prognose

Quelle: BPS, ESDM, Data Consult

Die Branche profitiert von den höheren Weltmarkpreisen und einer anziehenden Nachfrage aus den großen Absatzmärkten China, Indien und Korea (Rep.). Daneben steigt auch der einheimische Bedarf rasant. Indonesien baut die inländischen Kraftwerkskapazitäten kräftig aus. Zwischen 2017 und 2025 sollen zusätzliche 80 Gigawatt ans Netz gehen. Die entsprechenden Investitionskosten belaufen sich dabei auf rund 100 Mrd. $. Pläne werden in Indonesien zwar nicht immer vollständig oder im vorgegebenen Zeitrahmen umgesetzt, doch im Kraftwerksbereich stehen die Zeichen eindeutig auf Expansion.

Im Rahmen ihrer Energiepläne setzt die Regierung vor allem auf den Bau von kohlebefeuerten Anlagen. Sie sollen aus Gründen des Umweltschutzes insbesondere alte, dieselbetriebene Anlagen ersetzen. Der einheimische Kohleverbrauch dürfte 2017 in Folge gemäß Data Consult rund 120 Mio. t erreichen. Das entspräche einer Quote von rund einem Viertel im Vergleich zur Gesamtförderung. 2015 hatte der entsprechende Wert noch bei 19% gelegen.

Umfangreiche Reserven und Ressourcen

Die Ausfuhrquote könnte daher in den nächsten Jahrzehnten weiter sinken. Allerdings lässt sich die Förderung auf absehbare Zeit angesichts riesiger Vorkommen relativ einfach steigern. Die vorhandenen Kohlereserven lagen 2015 laut des zuständigen Ministeriums bei gut 32 Mrd. t. Hinzu kamen Ressourcen im Umfang von 125 Mrd. t. Bis 2035/2040 dürfte Indonesien daher ein bedeutender Exporteur bleiben.

Bereits ab 2017 werden die Kohlegesellschaften ihre Investitionen in neue Lagerstätten und schweres Gerät steigern. Sie hatten zwischen 2013 und 2016 Neuerkundungsaktivitäten und Anschaffungen nach hinten gestellt. Viele arbeiteten sozusagen auf Verschleiß. Die Anbieter von "Heavy Equipment" stellten fest, dass der Absatz regelrecht implodierte.

Doch von einer durchgreifenden Trendwende gehen die Hersteller von schwerem Gerät auch für 2017 und 2018 nicht aus. Die Firmen müssen erst einmal ihren "Cashflow" verbessern beziehungsweise ihre Verschuldung reduzieren. Sie dürften daher vor allem auf gebrauchte Ware zurückgreifen. Davon befindet sich infolge der zahlreichen Konkurse in den letzten Jahren noch sehr viel auf dem Markt.

Internetadressen

Indonesisches Ministerium für Energie und Bodenschätze (ESDM)

https://www.esdm.go.id/en (Startseite); https://www.esdm.go.id/assets/media/content/Statistik_Mineral_Dan_Batubara_2015-ilovepdf-compressed.pdf (Studie zum Metall- und Kohlebergbau)

Nationales Statistikamt (BPS)

http://www.bps.go.id (Startseite);

https://www.bps.go.id/linkTableDinamis/view/id/1126 (Statistiken zur Bergbauförderung; "Batu Bara" = indonesisch für "Kohle")

(R.R.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Kohle, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik

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