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25.01.2017

In Italien steigen die Investitionen in die Sanierung von Gebäuden

Förderprogramme verlängert / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Die Bauwirtschaft in Italien steckt nach wie vor in der Krise, doch eine Sparte - die Gebäudesanierung - wächst gegen den Trend. Ein Grund dafür sind großzügige Abschreibungsmöglichkeiten, die für Sanierungsarbeiten sowie für Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz gewährt werden. Mit der Verlängerung der Abschreibungsmöglichkeiten will die öffentliche Hand der Branche Impulse verleihen. Hinzu kommt die Förderung für den Wiederaufbau in den Erdbebengebieten.

Der italienische Bausektor hat die Krise noch nicht überstanden. Die Investitionen in den Hoch- und Tiefbau sind in den vergangenen Jahren stark eingebrochen, sie sind von 155 Mrd. Euro im Jahr 2011 auf 126 Mrd. Euro im Jahr 2016 gesunken. Entgegen dieser Entwicklung konnte die Sparte Gebäudesanierung zulegen. Ein wichtiger Grund dafür sind großzügige Steueranreize für Investitionen zur Steigerung der Energieeffizienz.

Nach Angaben des Baubranchenverbandes ANCE sind die Investitionen in die Gebäudesanierung 2016 um 1,7% auf 46,5 Mrd. Euro gestiegen, das entspricht rund einem Drittel der gesamten Bauinvestitionen im Jahr 2016. Jüngsten Prognosen des Verbandes zufolge wird die Sparte 2017 um weitere 1,4% wachsen, stärker als die gesamte Baubranche (0,8%).

Strukturdaten des italienischen Hochbausektors (in Mio. Euro zu laufenden Preisen, reale Veränderung in %)
2015 1) 2016 1) 2017 2) Veränderung 2016 1) / 2015
Wert der Bauinvestitionen insgesamt, davon 125.348 125.655 127.868 0,2
.Wohnungsbau, davon 66.772 66.767 67.815 0,0
..Neubau 21.038 20.302 20.218 -3,5
..Sanierung, Renovierung 45.734 46.465 47.596 1,6
Nichtwohnungsbau, davon 58.576 58.887 60.052 0,5
.privat 34.053 34.291 34.738 0,7
.öffentlich 24.523 24.597 25.314 0,3

1) Schätzung; 2) Prognose

Quelle: ANCE

Im Jahr 2007 war die Gebäudesanierung mit einem Anteil an den Investitionen von 19,9% noch die kleinste der vier Sparten in der Bauwirtschaft. Wirtschaftsbau (28,0%), Wohnungsneubau (27,9%) und öffentliche Bauinvestitionen (24,2%) waren von der Wirtschaftskrise deutlich größer.

Im Jahr 2016 sieht das Bild anders aus: Die Sanierungsarbeiten machen 37% der Gesamtinvestitionen im Baubereich aus. Dies liegt einerseits am Rückgang der öffentlichen Bauinvestitionen sowie der privaten Investitionen in den Wohnungsneubau, andererseits an den großzügigen Steueranreize für Sanierungen.

Haushaltsgesetz für 2017 verleiht Impulse

Seit Jahren versucht die italienische Regierung die Talfahrt im Bausektor zu bremsen. Aufgrund der hohen Staatsverschuldung setzt das Land auf die bewährten Instrumente: Investitionen in allgemeine Sanierungsarbeiten dürfen bis zu 50% abgeschrieben werden, Aufwendungen, die die Energieeffizienz erhöhen, bis zu 65%. Mit diesen Instrumenten versucht die öffentliche Hand, Privatinvestitionen zu fördern, ohne die Staatskassen zu sehr zu belasten. Gleichzeitig unterstützten die Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz die Erreichung der europäischen Klimaschutzziele.

Beide Steueranreize wurden für das Jahr 2017 verlängert. Voraussetzungen für die Förderung sind technologische Veränderungen zur Reduzierung des Energieverbrauchs. Im Fokus stehen Heizungsanlagen, die Wärmeisolierung (Dämmung, zum Beispiel von Böden, Fenstern und Türen) und die Installation von Solaranlagen. Für Maßnahmen, die ganze Mehrfamilienhäuser betreffen, wurden die Abschreibungsmöglichkeiten bis 2021 verlängert, in bestimmten Fällen auf bis zu 75% erhöht.

Weitere Impulse für die Branche sind die Fördermöglichkeiten, die vor dem Hintergrund der schweren Erdbeben in Mittelitalien geschaffen worden sind. Hier schafft die Regierung Anreize für Investitionen in die erdbebensichere Bauweise und für den Wiederaufbau. Die Maßnahmen wurden für die Jahre 2017 bis 2021 gebilligt. Ausführliche Informationen finden Sie hier: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=italien-foerdert-wiederaufbau-und-erdbebensicherung,did=1611718.html

(R.J.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Wohnungsbau, Hochbau

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