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17.03.2017

In Mexiko surft man unterwegs bald schneller

Neues Netz für das mobile Internet wird aufgebaut / Weitere Ausschreibungen in Planung / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - In Mexikos Mobilfunksektor soll ein neues Netz im 700-MHz-Band die Abdeckung in ländlichen Gegenden verbessern. Zudem bauen die Telekomanbieter ihre Netze in höheren Frequenzbereichen aus. Die Mobilfunkunternehmen stehen vor der Herausforderung, dass immer mehr Internetnutzer in ihre Netze drängen und zudem höhere Geschwindigkeiten auf 4G-Niveau fordern. Deutsche Technologieanbieter können als Auftragnehmer der Systemintegratoren zum Zuge kommen. (Internetadressen)

Mexiko baut die Infrastruktur für das mobile Internet aus. Mitte November 2016 wurde der Bau eines neuen Netzes im 700-MHz-Band (Red Compartida) für 8 Mrd. US$ als PPP an das Konsortium Altán vergeben. Es soll künftig das Rückgrat des mobilen Internets bilden und richtet sich an Großkunden wie Internet- und Kommunikationsanbieter. Die Abdeckung mit mobilem Breibandinternet wird voraussichtlich von aktuell 73% auf rund 92% der Bevölkerung im Jahr 2023 steigen. Rund ein Drittel des Netzes soll laut Eugenio Galdón, Präsident von Altán, bereits 2018 in Betrieb gehen. Dafür will das Konsortium binnen eines Jahres 3.000 Funktürme aufstellen, so Galdón weiter.

Zu Altán gehören Kapitalgeber wie Morgan Stanley und die Weltbank sowie, von technischer Seite, die mexikanischen Internet- und TV-Anbieter Axtel (Grupo Alfa) und Megacable. In der Vergangenheit kamen beim Netzausbau unter anderem Nokia Networks, NEC, Cisco, Ericsson, Huawei, ZTE und Juniper Networks zum Zuge. Sie integrierten dabei zum Teil auch Lösungen von Drittanbietern. Damit sind sie mögliche Auftraggeber für spezialisierte Hersteller von IT- und Kommunikationsausrüstung.

Weitere Ausschreibungen geplant

Im Februar 2017 gab die Regulierungsbehörde Instituto Federal de Telecomunicaciones (IFT) bekannt, später im Jahr ein Spektrum von 130 MHz im 2,5-GHz-Bereich versteigern zu wollen. Dieser Bereich ist für Kommunikationsanbieter vor allem interessant, um urbane Gegenden mit einer guten Struktur an Funkstationen bei gleichzeitig hohem Kapazitätsbedarf abzudecken.

In den kommenden Jahren könnten von der IFT darüber hinaus Frequenzbänder im 600-MHz-Bereich vergeben werden. Dieser Bereich eignet sich besonders für mobiles Internet in abgelegenen Gegenden mit wenigen installierten Sendern. Im Gegensatz zu der Red Compartida soll sich die Ausschreibung direkt an die Kommunikationsanbieter richten, welche die Bänder möglicherweise bereits mit 5G-Technologie bedienen werden.

Anzahl der Mobiltelefonanschlüsse in Mexiko (in Mio.)
Anschlüsse 2015 2016 *) 2017 *) 2018 *)
Mobiltelefonanschlüsse 110,1 114,7 119,0 122,0
3G- und 4G-Anschlüsse 22,1 30,9 40,2 48,3

*) Schätzung bzw. Prognose

Quelle: Business Monitor International

Starker Wettbewerb um Frequenzen

Um die für mobile Datenübertragung geeigneten Frequenzbänder herrscht ein Wettstreit zwischen den wichtigsten Anbietern. 2016 boten der Branchenprimus Telcel und die zweiplatzierte Movistar um ein 60-Mhz-Band im 2,5-Ghz-Bereich des Unternehmens MVS - mit dem glücklicheren Ende für Telcel. Der Deal muss allerdings noch von der IFT genehmigt werden.

Telcel, die Mobilfunksparte des mexikanischen Telekommunikationskonzerns América Móvil, hält 68% Marktanteil, während Movistar, eine Tochter der spanischen Telefónica, auf 23% kommt. AT&T - mit einem Anteil von 8% der dritte große Kommunikationsanbieter - hatte sich zusammen mit Telcel im Februar 2016 bereits Rechte im AWS-Spektrum (1,7/2,1 GHz) gesichert.

Daneben bauen die drei großen Mobilfunkanbieter ihre Netze aus, um eine bessere Abdeckung mit LTE-Standard (4G) zu erreichen. Telefónica kündigte im Mai 2016 an, bis 2018 rund 1.700 Antennen neu zu installieren, um LTE in 23 zusätzlichen mexikanischen Städten anbieten zu können. Dafür investiert das Unternehmen knapp 200 Mio. US$. Telcel will im gleichen Zeitraum sogar 400 Mio. US$ in seine Netze stecken.

Besserer Rechtsrahmen

Die Rahmenbedingungen für neue IT- und Kommunikationsanbieter haben sich in den vergangenen Jahren verbessert. 2013 erließ die Regierung eine Telekommunikationsreform, unter anderem um die marktbeherrschende Stellung von América Móvil in der Festnetz- und Mobiltelefonie sowie von Grupo Televisa im TV-Markt einzuschränken. América Móvil hat bereits Kundenstämme abgegeben, muss aber noch weiter schrumpfen, um den Marktanteil auf weniger als 50% zu senken. Zudem wurde der Markteintritt für neue Branchenplayer vereinfacht, was unter anderem dazu führte, dass AT&T 2015 durch die Übernahme der kleineren Mobilfunkfirmen Iusacell und Nextel in Mexiko aktiv wurde.

Im März 2017 erlegte die IFT América Móvil weitere Auflagen, wonach der Konzern den Betrieb des Festnetzes in ein separates Unternehmen ausgliedern muss. So soll anderen Marktteilnehmern ein vollständiger Zugang ermöglicht werden.

Internetadressen

Informationen zum Red Compartida des Kommunikationsministeriums

Internet: http://www.sct.gob.mx/red-compartida/index.html

Instituto Federal de Telecomunicaciones (Regulierungsstelle, IFT)

Internet: http://www.ift.org.mx

Asociación Nacional de Telecomunicaciones (Nationaler Telekommunikationsverband, Anatel)

Internet: http://www.anatel.org.mx

(FST)

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Telekommunikationsdienste, Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk)

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