Suche

11.11.2019

In Polen stehen wieder Auktionen für erneuerbare Energien an

Onshore-Windprojekte könnten zu den großen Gewinnern gehören / Von Niklas Becker

Warschau (GTAI) - Erneuerbare Energie-Anlagen mit einer Kapazität von mehr als 3 Gigawatt könnten 2019 durch Auktionen eine garantierte Abnahme erhalten. Besonders Wind- und Solarstrom sind gefragt.

Ende November und Anfang Dezember 2019 finden in Polen wieder Auktionen für erneuerbare Energien statt. Nach Schätzungen des polnischen Energieministeriums könnten Anlagen mit einer Gesamtleistung von bis zu 3,4 Gigawatt den Zuschlag erhalten. Die bereitgestellten Budgets und die maximal vertragsfähigen Energiemengen reichen den Berechnungen des Ministerium zufolge hierfür aus.

Dabei sollen 2,5 Gigawatt auf Windparks entfallen. Fotovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) mit einer Leistung von jeweils bis zu 1 Megawatt werden voraussichtlich 0,75 Gigawatt beisteuern. Belastungen für die Endverbraucher von Strom (beispielsweise durch Preissteigerungen) seien laut Folgenabschätzung des Ministeriums nicht zu erwarten.

Auch 2020 möchte die Regierung nach Aussage von Piotr Czopek, Direktor der Abteilung für erneuerbare und dezentrale Energien im Energieministerium, wieder Auktionen durchführen. Wie der Beamte im Oktober 2019 erklärte, soll ein Entwurf der Verordnung, der den Verlauf der Auktionen im Jahr 2020 regelt, in naher Zukunft vorgelegt werden.

Auktionssystem zur Förderung erneuerbarer Energien

Erneuerbare Energien werden in Polen seit Mitte 2016 durch ein Auktionssystem staatlich gefördert. Dabei wird zwischen Anlagen mit einer Kapazität von mehr beziehungsweise weniger als 1 Megawatt unterschieden. Auf die Anlagen unterhalb dieser Grenze sollen 25 Prozent der insgesamt ausgeschriebenen Menge entfallen. Zudem sind die verschiedenen Energiequellen auf Körbe aufgeteilt und werden unabhängig voneinander versteigert.

Für die Auktion werden unterschiedliche Abnahmemengen und maximale Auktionspreise (Referenzpreise) für die jeweiligen Körbe festgelegt. Die Auktionsteilnehmer bieten dann eine spezifische Energiemenge für einen gewünschten Verkaufspreis, der maximal dem staatlich festgelegten Referenzpreis entspricht, an. Bei einem Zuschlag sind die jährlich abgenommene Menge sowie die finanzielle Bezuschussung für 15 Jahre garantiert.

Detaillierte Informationen über die verschiedenen Körbe und die Auktionstermine stellt die Energieregulierungsbehörde (Urzad Regulacji Energetyki; URE) in polnischer Sprache zur Verfügung: https://www.ure.gov.pl/download/9/10465/KomunikatNr75-2019.pdf

Die gesamten Abnahmemengen und Referenzpreise sind ebenfalls auf Polnisch hier abrufbar: http://prawo.sejm.gov.pl/isap.nsf/download.xsp/WDU20190001524/O/D20191524.pdf

Auktionskorb für Onshore-Windkraft und Solar doppelt so hoch wie im Vorjahr

Onshore-Windkraft- und PV-Anlagen befinden sich zusammen in einem Auktionskorb. Neue Projekte aus diesem Bereich mit einer Kapazität von mehr als 1 Megawatt werden am 5. Dezember 2019 versteigert. Mit 113.970 Gigawattstunden fällt die Abnahmemenge mehr als doppelt so hoch aus wie bei der Auktion 2018. Es ist zugleich die mit Abstand größte Abnahmemenge, die in einem Auktionskorb angeboten wird. Der Maximalpreis beläuft sich auf 7,6 Milliarden Euro.

Für neue Anlagen mit einer Kapazität von jeweils weniger als 1 Megawatt werden mit einer Strommenge von 11.445 Gigawattstunden im Vergleich zur Vorjahresauktion rund 30 Prozent weniger versteigert. Der Referenzpreis für die gesamte Menge beläuft sich auf knapp 1 Milliarde Euro.

Nach Einschätzung von Experten im Land dürften Investoren aus dem Bereich der Windenergie zu den Gewinnern der Auktion 2019 gehören. Sie seien in der Lage, niedrige Preise anzubieten. Allerdings sind die Möglichkeiten, in Polen Onshore-Projekte zu realisieren, nahezu ausgeschöpft. Deshalb dürfte der Zuschlag aus diesem Korb bei der Auktion 2020 eher an PV-Anlagen gehen.

Abstandsregel bleibt ein Problem

Die 2016 eingeführte Abstandsregel für Windkraftanlagen an Land macht neue Onshore-Projekte in der Praxis schwer realisierbar. Die sogenannte 10H-Regel schreibt als Mindestabstand einer Windkraftanlage von Wohngebäuden mindestens das Zehnfache ihrer eigenen Höhe inklusive Rotorblätter fest. Laut dem polnischen Windenergieverband (Polskie Stowarzyszenie Energetyki Wiatrowej; PSEW) scheiden damit 99 Prozent der Flächen als Standorte für Windräder aus.

Dem Entwickler von PV-Parks PCWO Energy zufolge werden bei der Auktion für Anlagen mit einer Kapazität unter 1 Megawatt im Dezember 2019 auch Projekte aus dem Bereich der Solarenergie gewinnen. Nach Schätzungen des Entwicklers könnten bis zu 850 PV-Projekte in dieser Kapazitätsklasse den Zuschlag erhalten.

Wie Untersuchungen des Instituts für Erneuerbare Energie (Instytut Energetyki Odnawialnej; IEO) zeigen, werden die meisten neuen PV-Projekte im Leistungsbereich zwischen 0,5 Megawatt und 1 Megawatt entwickelt. Das Institut sieht hier einen anhaltenden Trend. Weitere Informationen über die Entwicklungen von PV-Anlagen in Polen finden Sie unter http://www.gtai.de/MKT201910318002

Offshore-Windkraft mit großem Potenzial

Nach den Plänen der polnischen Regierung werden Offshore-Windkraftanlagen in Zukunft ein entscheidender Baustein bei der Erweiterung des Anteils der Erneuerbaren im polnischen Energiemix sein. So sieht die polnische Energiestrategie (PEP2040) bis 2040 installierte Kapazitäten von Windkraftanlagen in der Ostsee von 10 Gigawatt vor. Mit der ersten Stromeinspeisung aus Offshore-Anlagen wird für 2026 gerechnet.

Die beiden am weitesten fortgeschrittenen Offshore-Projekte in Polen plant das Privatunternehmen Polenergia in Zusammenarbeit mit der norwegischen Firma Equinor. Polenergia hofft, bereits 2025 Strom aus den Anlagen liefern zu können. Nach Aussage des Unternehmens von Ende Oktober 2019 müssen allerdings rechtliche Grundlagen geklärt werden. Der Termin, an dem das Energieministerium die ausstehenden Entscheidungen treffen wird, steht noch aus.

Polenergias Vorstandsvorsitzender Michal Michalski berichtet, dass laut Ankündigung des Energieministeriums bis Ende 2019 Sondergesetze für die Offshore-Windenergie geschaffen werden sollen. Diese würde den Bau der ersten Offshore-Windparks in Polen nach Einschätzung des Experten beschleunigen. Nach Angaben von Michalski verfügen die Offshore-Projekte von Polenergia bereits über Anschlussverträge mit einer Gesamtleistung von 3 Gigawatt. Der Zeitpunkt ihres Baubeginns hänge allerdings vom Inkrafttreten der entsprechenden Regularien ab.

Deutsche Unternehmen steigen in den polnischen Offshore-Markt ein

Ein großes Potenzial für die Offshore-Windenergie in Polen sieht auch RWE Renewables. Das Unternehmen gab im Oktober 2019 bekannt, in den polnischen Offshore-Markt einzusteigen. Es erwarb eine Projekt-Pipeline von bis zu vier Offshore-Projekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 1,5 Gigawatt.

RWE beabsichtigt, die Anlagen weiter zu entwickeln, zu bauen und zu betreiben. Die Projekte seien in unterschiedlichen Entwicklungsstadien und lägen alle an der Sandbank von Slupsk in der zentralpolnischen Ostsee. Das Unternehmen will die Entwicklungsaktivitäten in den nächsten Jahren fortsetzen, um 2023 mit der Bauphase beginnen zu können.

Weitere Informationen über die Entwicklungen im Bereich Offshore-Windenergie in Polen bietet unsere Publikation Branche kompakt - Polen will Offshore-Windenergie massiv ausbauen: http://www.gtai.de/MKT201903268003

Weitere Informationen über Polens Wirtschaft finden Sie hier: http://www.gtai.de/Polen

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Kraftwerksbau, Strom-/ Energieerzeugung, Wind

Funktionen

Kontakt

Fabian Möpert

‎+49 30 200099209

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche