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19.10.2018

In Polen steigt die Nachfrage nach privaten Krankenversicherungen

Viele Firmen schließen Policen für ihre Beschäftigten ab / Von Niklas Becker

Warschau (GTAI) - Lange Wartezeiten beim Arzt und steigender Wohlstand: In Polen setzten immer mehr Menschen auf eine private Krankenversicherung.

In Polen boomt der Markt für private Krankenversicherungen. Alleine im Jahr 2017 waren 2,3 Millionen Menschen im Land Privatpatienten, 22 Prozent mehr als 2016. Das Volumen der gezahlten Versicherungsbeiträge belief sich auf rund 1 Milliarde Euro. Die Bruttoprämien summierten sich 2017 auf etwa 160 Millionen Euro, ein Plus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so die Polnische Versicherungskammer, Polska Izba Ubezpieczen (PIU). Seit 2014 hat sich die Zahl der privat versicherten Personen den Angaben zufolge fast verdoppelt. Dabei ist die private Krankenversicherung in Polen vergleichsweise günstig: Aktuell kostet sie den Versicherten im Durchschnitt 35 bis 40 Euro im Monat, Familienversicherung inkludiert.

Das Wachstum der Assekuranz-Sparte wird in den kommenden Jahren weiter anhalten, erwartet das Marktforschungsinstitut PMR in einem Bericht über den privaten Gesundheitsmarkt in Polen. Die privaten Krankenversicherungen gehören dem Bericht zufolge zu den am stärksten wachsenden Bereichen des privaten Gesundheitsmarktes. Insgesamt erwartet PMR für das Jahr 2023 ein Marktvolumen im polnischen Gesundheitssektor von16 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2017 wäre das ein Anstieg von 41 Prozent. Dabei beinhalten die Zahlen auch die Ausgaben für Arzneimittel.

Bei dem Großteil der Versicherungsnehmer handelt es sich um Beschäftigte, bei denen die private Krankenversicherung zu den Lohnnebenleistungen gehört. Laut PIU machen entsprechende Gruppenversicherungen über 80 Prozent der privaten Krankenversicherungen aus. Da in Polen zunehmend Fachkräfte fehlen, versuchen immer Unternehmen, sich als Arbeitgeber attraktiver machen, auch durch das Angebot privater Versicherungspakete. Malgorzata Jackiewicz, Leiterin des Krankenversicherungsvertriebs bei der Saltus Versicherung stellt zudem fest, dass sich auch kleine und mittlere Unternehmen vermehrt für den Kauf privater Krankenversicherungen für ihre Beschäftigten entscheiden.

Justyna Goscinska-Bociong, Sprecherin des privaten Gesundheitsdienstleisters Medicover bestätigt, dass Firmenkunden zwar den Großteil der Kunden ausmachen. Individuelle Personen kaufen hingegen immer öfter Versicherungen mit einer breiteren Palette von Dienstleistungen, einschließlich der Krankenhausversorgung.

Ein weiterer Grund für die steigende Nachfrage nach privaten Krankenversicherungen sind zudem die langen Wartezeiten für Ärzte bei den öffentlichen Gesundheitseinrichtungen. So beträgt die durchschnittliche Wartezeit für einen Termin beim Facharzt 2,5 Monate. Auf einen Termin zur Magnetresonanz-Tomographie (MRT) warten die Polen im Schnitt sogar 6 bis 8 Monate. Neben den langen Wartezeiten ist der steigende Wohlstand in Polen laut Dorota M. Fal, Beraterin des PIU-Vorstandes, ein weiterer Grund für die steigende Nachfrage nach privaten Krankenversicherungen.

Weitere Informationen zu Polen finden Sie unter http://www.gtai.de/polen

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