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30.04.2019

In Polen steigt die Zahl der Abholstationen für Pakete stark

Viele Firmen investieren / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Die Polnische Post zieht nach und will - wie die Konkurrenz - stärker in Paket-Abholstationen investieren. Diese setzen sich in Polen immer mehr gegen Übergabekuriere durch.

Die private Kurierfirma InPost Polen ist mit fast 5.000 Paket-Abholstationen der größte Anbieter im Land. Jetzt haben auch die staatliche Poczta Polska (PP, Polnische Post) und der Paketdienst DHL bekannt gegeben, dass sie verstärkt in Lösungen, bei denen Kuriere die Pakete nicht den Abnehmern direkt übergeben müssen, investieren wollen. Auch FedEx und UPS erwägen einen solchen Service anzubieten, berichtet die Tageszeitung Rzeczpospolita.

Im Jahr 2020 soll es in Polen bereits rund 6.500 Abholstationen mit je mehreren Dutzend Einzelfächern für Pakete geben. Für Hersteller von Paketfächern, die auch mit Smart- und IT-Lösungen ausgestattet werden, ergeben sich gute Zulieferchancen.

Die größten Netze von Abholstationen für Pakete in Polen (in Anzahl der Stationen)
Betreiberfirma Stand im 1. Quartal 2019 Plan für Ende 2019
InPost 4.800 k.A.
DHL 150 300
Poczta Polska 40 200

Quelle: Firmenangaben

Die PP will ein eigenes umfangreiches Netz von Abholstationen schaffen und dabei mit der dänischen Firma SwipBox, dem Erdölkonzen PKN Orlen und dem Onlinehandelsportal Allegro.pl kooperieren. Das berichtet Rzeczpospolita. Dem Bericht zufolge will die PP in einer Pilotphase bis Ende 2019 mindestens 200 Abholstationen in sieben Agglomerationen mit ihrem Logo zu betreiben.

Die Hälfte dieser Paketautomaten für Onlineeinkäufe soll sich in den Geschäften der größten Discounter-Kette Polens, Biedronca, befinden, die andere in ausgewählten Postämtern. Im Jahr 2020 plant die PP die Anzahl ihrer SwipBox-Abholstationen auf etwa 500 erhöhen, die auch bei Carrefour und Lidl stehen sollen.

SwipBox hat laut Rzeczpospolita mit Biedronka vereinbart, dass in den Geschäften des Discounters Abholstationen aufgestellt werden können. Noch in der ersten Jahreshälfte 2019 sollen die ersten Paketfächer, die exklusiv die PP befüllen darf, in Biedronka-Filialen in Betrieb gehen. In einigen Filialen der Kette befinden sich bereits Abholstationen von SwipBox, die bislang von DHL genutzt wurden. Diese will SwipBox ausbauen, so dass Paketstationen von DHL und der PP genutzt werden können.

Verknüpfung von stationärem und Onlinehandel

Die zum portugiesischen Konzern Jeronimo Martins gehörende Biedronka-Kette zählte Ende 2018 in Polen 2.900 Filialen. Im Jahresverlauf waren 122 hinzugekommen, während 45 geschlossen wurden. Im Jahr 2019 will Biedronka rund 100 Discount-Märkte der bestehenden Art neu eröffnen und gleichzeitig 40 schließen. Außerdem plant der Konzern, im laufenden Jahr 50 kleinere Geschäfte mit einer Größe von maximal 400 Quadratmetern zu eröffnen, um näher an zusätzlichen Kunden zu sein.

Die PP wiederum plant auch ein Projekt mit dem größten polnischen Onlinehandelsportal Allegro.pl. Im Rahmen des Projektes schaffen beide Firmen ein unabhängiges Netz von Abholstationen, das 2020 mindestens 1.000 Paketautomaten umfassen soll. Standort der Stationen werden die Tankstellen von PKN Orlen. PKN Orlen berichtet in diesem Zusammenhang, dass Kunden steigende Ansprüche an Aufgabe- und Abholorte stellten. Seit der stufenweisen Einführung des Handelsverbots an Sonntagen hätten sich die Umsätze an den durchgehenden geöffneten Tankstellen mit ihrem Zusatzsortiment erhöht.

Ein weiterer Schritt von PKN Orlen könnte die Übernahme des angeschlagenen Pressevertrieb Ruch mit seinen zahlreichen Kiosks, bei denen ebenfalls Pakete zur Abholung bereit gelegt werden, sein. Entsprechende Verhandlungen werden geführt. Ruch betreibt laut der Izba Wydawcow Prasy (IWP, Kammer der Presseherausgeber) 16.800 Verkaufsstellen. Über ein größeres Netz verfügt demnach nur Konkurrent Kolporter mit rund 23.000 Punkten, während Garmond Press mit 10.300 Stellen kleiner ist.

Die unter Onlinehändlern beliebtesten Alternativen zu Kurierauslieferungen (in %) *)
Große Onlinehändler Mittlere und kleine Onlinehändler
Paketabholstationen 74 44
Ruch-Kiosks 24 3
Persönliche Abholung 49 51
Postämter 44 24

*) mehrere Antworten möglich

Quelle: Furgonetka.pl

Großstädter nutzen Paketfächer am stärksten

Während immer weniger Briefe verschickt werden, legt der Paketversand deutlich zu. Die Firma InPost, die die Abholstationen eingeführt hatte, versandte 2018 dorthin laut ihrem Vorsitzenden Rafal Brzoski rund 86 Millionen Pakete, ein Plus von 56 Prozent gegenüber 2017.

Anzahl der in Polen insgesamt versandten Pakete (in Mio. Stück)
2014 2015 2016 2017 2018
278 313 355 396 460

Quelle: Kurierfirmen

Die mit Abstand meisten Nutzer haben die Paketstationen für den Onlinehandel in der Hauptstadt, weitere Großstädte folgen - mit großem Abstand.

Anzahl der 2018 in Abholstationen abgelegten Pakete
Warszawa (Warschau) Krakow (Krakau) Wroclaw (Breslau) Poznan (Posen) Gdansk (Danzig)
33.000 13.600 13.100 9.000 8.900

Quelle: Versandplattform Sendit

Die polnische Regierung will der PP mit 47 Millionen Euro unter die Arme greifen, auch um den Wandel weg vom Briefverkehr und hin zum Paketservice zu meistern, schreibt die Rzeczpospolita. Bereits jetzt macht die Post mit ihrem Paketservice mehr Umsatz als mit dem Briefversand, der zum 01. April 2019 teurer wurde. Die Post soll nach dem Willen der Regierung außerdem weitere Aufgaben des Zolls übernehmen, zum Beispiel elektronische Deklarationen. Dafür benötige sie neue Ausrüstungen wie Scanner. Außerdem erwäge die PP, sich beim Pressevertrieb zu engagieren. Zur Übernahme von Ruch reicht ihr Kapital nach Angaben des Vorsitzenden der PP, Przemyslaw Sypniewski, aber nicht aus.

Mehr zum Land finden sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

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Polen E-Commerce, Logistik / Speditionen

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