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24.09.2019

In Russland wächst die Nachfrage nach Verpackungen

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Lebensmittel- und Pharmahersteller investieren / Von Gerit Schulze

Moskau (GTAI) - In Russland gehören Hersteller von Lebensmitteln, Kosmetika und Süßwaren zu den Gewinnern der Rubelschwäche. Die Branchen haben deshalb wachsenden Bedarf an neuen Verpackungen.

Veränderte Konsumgewohnheiten, Interesse an neuen Produkten und starkes Wachstum in Nischensegmenten sorgen in Russland für Bedarf an neuen Verpackungen. Die Konsumlaune der Verbraucher ist trotz der schwierigen Wirtschaftslage und stagnierenden Einkommen intakt. Die Umsätze im Einzelhandel sind im 1. Halbjahr 2019 preisbereinigt um fast 2 Prozent gestiegen.

Dabei setzen Hersteller von schnelllebigen Konsumgütern (FMCG) den Trend fort, Verpackungen zu verkleinern und von den Standardgrößen (1 Liter oder 1 Kilogramm) abzuweichen. Untersuchungen der Gesellschaft für Konsumforschung Russland (GfK Rus) haben gezeigt, dass die Produzenten zwischen 2012 und 2018 die Verpackungsgrößen zwischen 7 und 20 Prozent verringert haben. Damit wollten sie Preiserhöhungen umgehen. Hinzu kommt, dass Russlands Verbraucher weniger auf Vorrat kaufen und häufiger zu kleineren Verpackungen greifen.

Einheimische Nahrungsmittelindustrie setzt stabiles Wachstum fort

Die Produktion von Lebensmitteln ist 2018 um 5 Prozent gewachsen, im 1. Halbjahr 2019 um 4 Prozent, wie Russlands Statistikdienst Rosstat bekannt gab. Die Einzelhandelsumsätze mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakerzeugnissen sind 2018 auf einen Rekordwert von 15 Billionen Rubel (200 Milliarden Euro) gestiegen. Auf Rubelbasis haben sie seit 2012 um die Hälfte zugelegt.

Russlands Embargo für westliche Lebensmittel hat die Eigenproduktion erheblich erhöht, wie eine aktuelle Studie von KPMG zeigt. Bei Getreide erreicht die Eigenversorgung inzwischen 99 Prozent, bei Zucker 97 Prozent und bei Fleisch 93 Prozent.

In der Branche laufen zahlreiche Investitionsprojekte, weil einheimische Nahrungsmittel stärker nachgefragt werden. Auch McDonald's hat angekündigt, seine Produkte für die russischen Filialen künftig zu 100 Prozent im Inland beziehen zu wollen.

Trotz der angestrebten Importsubstitution hängt die Lebensmittelindustrie weiterhin von ausländischen Zulieferern ab. Die Hälfte der Wertschöpfung entfällt laut KPMG auf importierte Vorprodukte. Doch auch hier gibt es Tendenzen zur Lokalisierung: Der deutsche Hersteller von Geschmacksstoffen, Symrise, hat im Juli 2019 eine neue Produktionslinie in Rogowo bei Moskau in Betrieb genommen.

Höhere Steuern und Zollsätze für bestimmte Lebensmittel

Der Verbrauch von Palmöl könnte zurückgehen. Seit 1. Juli 2019 dürfen mit Palmöl gestreckte Milchprodukte nicht mehr in einem Verkaufsregal mit reinen Milchprodukten angeboten werden. Außerdem hat das Parlament beschlossen, das Steuerprivileg für Palmöl aufzuheben. Ab 1. Oktober 2019 verdoppelt sich die Umsatzsteuer auf 20 Prozent. Die zusätzlichen Steuereinnahmen von rund 70 Millionen Euro sollen in die einheimische Milchproduktion fließen. Russland hat 2018 rund 1,06 Millionen Tonnen Palmöl importiert - fast zwei Drittel mehr als 2014.

Der Föderale Zolldienst (FTS) hat dem Landwirtschaftsministerium höhere Einfuhrabgaben für Lebensmittelzutaten vorgeschlagen. Die Zollsätze für Molke, Palm- und Kokosnussöl sowie für Orangensaftkonzentrat sollen um 3 bis 10 Prozentpunkte steigen. Damit sollen die Tarife ähnlicher Produktgruppen angeglichen und Schlupflöcher durch Falschdeklaration verhindert werden. Die Safthersteller warnen vor starken Preiserhöhungen und einem Nachfragerückgang.

Trend zu gesünderen und ökologischen Nahrungsmitteln

Immer beliebter sind Biolebensmittel, Produkte mit geringerem Fettanteil und gesünderen Zutaten. Analysen der Marktforschungsagentur Nielsen haben ergeben, dass entsprechende Müslis, Joghurts und Fruchtsäfte überdurchschnittliches Wachstum erzielen. Die Verkäufe von Milch auf Pflanzenbasis (z. B. Soja- und Hafermilch) sollen sich 2018 nahezu verdreifacht haben.

Am 1. Januar 2020 tritt ein neues Gesetz über Biolebensmittel in Kraft. Es regelt Herstellung, Lagerung, Transport, Kennzeichnung und Vertrieb biologischer Nahrungsmittel. Außerdem definiert das Gesetz Begriffe wie "ökologisch", "bio" und "organisch". Bei falscher Verwendung dieser Bezeichnungen sind Bußgelder zu zahlen.

Die Umsätze mit Biolebensmitteln, mit Erzeugnissen kleiner Bauernhöfe und Functional Food werden vom Marktforscher Euromonitor für 2019 auf 12,5 Milliarden Euro prognostiziert. Jeder vierte russische Verbraucher achtet demnach bewusst auf "Bio"-Label beim Einkauf von Lebensmitteln. Importprodukte haben in diesem Marktsegment einen Anteil von rund 80 Prozent.

Produktion ausgewählter Nahrungs- und Genussmittel (Veränderung in Prozent)
Warengruppe Produktion 2018 in 1.000 t 1) Veränderung 2017/2016 Veränderung 2018/17
Milch (ohne Rohmilch) 5.488 -2,4 3,6
Käse 473 5,5 2,4
Fleisch (ohne Geflügel) 2.663 5,5 12,4
Geflügelfleisch 4.795 7,4 -0,5
Wurstwaren 2.276 3,1 -0,4
Seefisch, gefroren 2.594 2,6 -5,3
Fischkonserven (in Mio. Verpackungseinheiten) 214 10,3 7,8
Gemüse (ohne Kartoffeln) und Pilze, konserviert (in Mio. Verpackungseinheiten) 393 30,3 17,9
Pflanzenöl, unraffiniert 5.754 8,7 1,3
Backwaren mit kurzer Haltbarkeit 5.786 -3,6 -2,3
Süßwaren und Schokolade 1.891 3,5 5,4
Zigaretten (in Mrd. Stück) 257 -25,8 4,3
Frucht- und Gemüsesäfte (in Mio. Verpackungseinheiten) 1.152 5,3 6,2

1) sofern nicht anders angegeben

Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat

Verbrauch von Milchprodukten stagniert

Russlands Markt für Milchprodukte stagniert seit drei Jahren nach Berechnungen von Nielsen. Für den Zeitraum Mai 2018 bis April 2019 ermittelte das Marktforschungsunternehmen einen Rückgang des physischen Verkaufsvolumens von 0,4 Prozent. Auch die Inlandsproduktion von Milch und Milchprodukten ist im 1. Halbjahr 2019 im Vergleich zur Vorjahresperiode geschrumpft. Bei Milch (ohne Rohmilch) betrug der Rückgang 1,5 Prozent, bei Butter 6 Prozent und bei Quark sogar 8 Prozent. Nur die Käseproduzenten legten in den ersten sechs Monaten 2019 um 7 Prozent zu.

Dabei ist das Wachstumspotenzial bei Milchprodukten groß. Laut Wirtschaftszeitung Wedomosti betrug der Milchverbrauch pro Kopf 2016 noch 236 Kilogramm, 2018 aber nur 227 Kilogramm. Bei Käse liegt der Jahreskonsum pro Kopf erst bei 3 bis 3,5 Kilogramm, während der europäische Durchschnitt 14 Kilogramm erreicht, rechnet der russische Milchverband Sojusmoloko vor.

Ungeachtet dessen gehen die Investitionen in die Branche weiter. Der singapurische Konzern Olam International hat Anfang 2019 Rusmolko komplett übernommen. Das Unternehmen will die Milchproduktion im Land in den kommenden drei Jahren verdoppeln. Rusmolko kam 2018 auf eine Bruttoproduktion von 85.000 Tonnen. Die bislang größten Produzenten von Rohmilch in Russland sind EkoNiva (2018: 484.000 Tonnen) und Agrokomplex imeni N.I. Tkatschewa (180.000 Tonnen).

Bis 2020 will EkoNiva in Russland eine jährliche Rohmilchproduktion von 1 Million Tonnen erreichen. Im Sommer 2019 hat das Unternehmen angekündigt, seine komplette Rohmilchproduktion künftig selbst verarbeiten zu wollen. Dafür entsteht unter anderem im Gebiet Nowosibirsk bis 2020 ein Werk mit 1.200 Tonnen Tageskapazität.

Auch Agrokomplex imeni N.I. Tkatschewa will die Verarbeitungstiefe erhöhen. Die Unternehmer begründen ihre Strategie mit den Preisen für Milchprodukte, die weniger volatil sind als die Preise für Rohmilch.

Große Russland-Pläne hat außerdem die vietnamesische TH Group. Das Unternehmen baut zurzeit im Gebiet Kaluga eine Milchverarbeitungsanlage mit einer Tageskapazität von 1.500 Tonnen. Das Werk zur Herstellung von Milch, Käse, Butter, Joghurt und Speiseeis kostet 155 Millionen US-Dollar (US$) und soll 2021 in Betrieb gehen.

Zu den schnell wachsenden Milchproduzenten zählt zudem die Agrarholding Step, die zur Mischholding AFK Sistema gehört. Das Unternehmen kam 2018 auf einen Milchertrag von 46.500 Tonnen und plant bis 2022 eine Produktion von 120.000 Tonnen. In den Gebieten Krasnodar und Rostow am Don entstehen derzeit zwei neue Milchviehfarmen. Um eigene Verarbeitungskapazitäten aufzubauen, hat Step kürzlich das Milchwerk Orlowski bei Rostow am Don gekauft.

Darüber hinaus steigt der Fleischkonzern Miratorg ins Milchgeschäft ein. Das Unternehmen plant, 400 Millionen US$ in den Aufbau von Stallanlagen und Produktionskapazitäten für Trinkmilch, Käse und Sauermilchprodukten zu investieren.

Die deutsche DMK Group errichtet bis 2020 in Bobrow bei Woronesch eine zweite Käseproduktionslinie. Das Werk soll jährlich rund 25.000 Tonnen Hartkäse liefern. Die Investitionen betragen etwa 28 Millionen Euro.

Joghurthersteller Ehrmann erweitert zurzeit sein Werk in Ramenskoje bei Moskau. Für über 8 Millionen Euro werden bis Herbst 2019 zwei neue Produktionslinien installiert.

Die größten Milchverarbeiter in Russland (allerdings ohne eigene Rohmilchproduktion) sind die US-amerikanische PepsiCo und die französische Danone. Der wichtigste einheimische Verarbeiter ist Molwest aus Woronesch.

Hohe Kosten für Pflichtkennzeichnung von Milchprodukten

Heftige Kritik übt die Milchwirtschaft an der doppelten Kennzeichnungspflicht für ihre Produkte. Käse, Butter und Kondensmilch müssen seit 1. Juli 2019 im IT-System Mercury registriert sein, um die Herkunft der Rohstoffe und das Vorliegen eines Veterinärzertifikats jederzeit überprüfen zu können. Ab 1. November 2019 gilt die Registrierungspflicht bei Mercury auch für Trinkmilch, Joghurt und Sauerrahm.

Darüber hinaus unterliegen Milchprodukte künftig einer digitalen Kennzeichnungspflicht, weshalb ihre Verpackungen 2D-DataMatrix-Codes tragen müssen. Das soll Produktfälschungen verhindern. Nach einem Testlauf vom 15. Juli 2019 bis 29. Februar 2020 werden die Termine für eine verpflichtende Kennzeichnung festgelegt. Sojusmoloko beziffert die Kosten zur Beschaffung der Labeling-Technologie auf umgerechnet 350 Millionen Euro.

Zweitgrößter Absatzmarkt für deutsche Fleischverarbeitungsmaschinen

Die Fleischindustrie entwickelt sich im Windschatten des Importembargos für westliche Lebensmittel weiterhin gut. Auch 2018 ist die Produktion zweistellig gestiegen, weitere Neubauvorhaben sind zu erwarten.

Deutsche Hersteller von Fleischverarbeitungsmaschinen erzielten 2018 in Russland das höchste Wachstum auf allen Auslandsmärkten. Die Lieferungen stiegen um knapp 28 Prozent auf 34 Millionen Euro, berichtet der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Russland war damit der zweitgrößte Absatzmarkt nach den USA.

Russlands größter Rindfleisch- und Schweinefleischhersteller Miratorg richtet in Moskau und Sankt Petersburg Kochstudios ein, um die Verbraucher in der richtigen Zubereitung von Fleisch zu schulen. Ziel ist es, hochwertigeres Fleisch zu verkaufen. Laut Nationalem Fleischverband hat sich der Absatz von Premiumrindfleisch zwischen 2013 und 2018 auf 15.000 Tonnen versechsfacht.

Im Gebiet Woronesch hat die Agroeko Group im Frühjahr 2019 mit dem Bau einer großen Fleischfabrik begonnen, die rund 190 Millionen Euro kosten wird. Dort sollen nach Fertigstellung täglich rund 600 Schweine verarbeitet werden können.

Süßwarenproduktion wächst dank steigender Exporte

Russlands Süßwarenproduktion steigt vor allem dank der boomenden Exporte, denn der schwache Rubel begünstigt den Absatz im Ausland. Die Ausfuhren erreichten 2018 ein Volumen von 512.000 Tonnen und einen Wert von 1,1 Milliarden US$ - das beste Ergebnis seit 2014, wie das Analysezentrum für den Konditorei-Markt (ZIKR) bekannt gab. Inzwischen soll bereits ein Drittel der in Russland produzierten Schokolade in den Export gehen. Am dynamischsten entwickelt sich China als Absatzmarkt.

Die einheimische Produktion von Schokolade und Süßwaren ist 2018 um fast 6 Prozent auf 1,89 Millionen Tonnen gestiegen. Für das 1. Halbjahr 2019 ermittelte Rosstat ein Minus von knapp 2 Prozent.

Der in der Schweiz ansässige Schokoladenkonzern Barry Callebaut übernimmt den einheimischen Produzenten Inforum im Gebiet Rjasan. Das Unternehmen stellt Industrieschokolade, Glasuren und Füllstoffe her.

Mondelez nimmt seine vor zwei Jahren errichtete Schokoladen- und Gebäckfabrik wegen der schwierigen wirtschaftlichen und politischen Lage vorerst nicht in Betrieb, berichtete das Branchenmagazin Russian Food & Drinks.

Dagegen plant PepsiCo in Nowosibirsk bis 2021 den Bau einer Fabrik für Chips und Cracker der Marken Lay's, Cheetos und ChrusTeam (160 Millionen Euro Investition).

Einen Dämpfer könnte die Süßwarenbranche durch Regulierungen bekommen. Laut Zeitungsberichten plant die Regierung Produkte mit hohem Zuckergehalt stärker zu besteuern.

Getränke: Fußball-WM hat für Zuwachs bei den Brauereien gesorgt

Nach Angaben der Russischen Bierbrauer-Union ist die Bierproduktion 2018 erstmals seit elf Jahren wieder gestiegen. Der Jahresausstoß von 77,5 Millionen Hektoliter bedeutete einen Zuwachs um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Weitere Regulierungen stehen bei hochprozentigen Alkoholika an. Auf Initiative des Gesundheitsministeriums sollen Getränke mit mehr als 16,5 Prozent Alkoholgehalt nur noch an Personen über 21 Jahre verkauft werden dürfen.

Die Produktion von Wodka ist 2018 um knapp 1 Prozent auf 7,86 Millionen Hektoliter geschrumpft, im 1. Halbjahr 2019 stieg der Ausstoß um 1 Prozent.

Hohe Zuwächse verzeichnen die Hersteller von Mineralwasser. Laut Nielsen wuchsen die Verkäufe von in Flaschen abgefülltem Wasser 2018 um 13 Prozent (physisches Volumen). Für 2019 erwarten die Marktforscher ein weiteres Plus um 5 Prozent auf 50,5 Millionen Hektoliter. Zweistellige Zuwachsraten erzielen die Hersteller von sonstigen nicht-alkoholischen Getränken wie Säften und Limonaden.

Tabakwaren: Produktion sinkt

Wegen höherer Verbrauchsteuern sinkt die legale Produktion von Zigaretten in Russland seit einigen Jahren. Der Ausstoß schrumpfte von 400 Milliarden im Jahr 2014 auf 257 Milliarden Stück 2018. Im 1. Halbjahr 2019 ging die Produktion um ein Fünftel gegenüber der Vorjahresperiode zurück. Branchenexperten schätzen, dass ein Zehntel des Marktes auf illegal hergestellte oder unversteuerte Zigaretten entfällt.

Neue Investitionsprojekte in der Pharmaindustrie

Die Arzneimittelherstellung ist eine starke Wachstumsbranche in Russland. Der Produktionsindex stieg laut Rosstat 2018 um 8 Prozent und im 1. Halbjahr 2019 sogar um 17 Prozent. Das Marktvolumen betrug 22,7 Milliarden Euro. Insgesamt wurden 2018 von Russlands Pharmaindustrie 7,46 Milliarden Medikamentenschachteln, 718 Millionen Ampullen und 270 Millionen Flakons abgefüllt.

Mehr als ein Drittel aller verkauften Medikamente entfällt auf Importe. Gemessen am Wert hatten ausländische Präparate 2018 sogar einen Anteil von 70 Prozent.

Dennoch führt der Lokalisierungsdruck zu weiteren Investitionsvorhaben. Der US-Pharmakonzern MSD plant in Rjasan eine Produktion von Impfstoffen. Dabei will er mit dem örtlichen Betrieb Fort kooperieren, an dem die staatliche Industrieholding Rostec beteiligt ist. Die Investitionssumme beträgt 112 Millionen US$. Mit dem Werk will sich MSD für öffentliche Aufträge in Russland empfehlen.

Der deutsche Hersteller von pflanzlichen Arzneimitteln, Bionorica, baut zurzeit in Woronesch ein eigenes Werk. Das Unternehmen investiert 40 Millionen Euro und rechnet für Mai 2020 mit dem Produktionsstart.

Die Mischholding AFK Sistema investiert über 60 Millionen Euro in die Erforschung und Produktion von Krebsmedikamenten. Dafür werden zunächst Labors im Innovationszentrum Skolkowo bei Moskau eingerichtet, ab 2023 sollen Produktionskapazitäten entstehen. Außerdem arbeitet AFK Sistema an der Gründung einer neuen Pharmaholding und hat dazu Anteile an Sintez, Biocom, OBL Pharm und Binnopharm erworben.

Pharmstandard und Janssen planen eine Gemeinschaftsproduktion von Tuberkulose-Präparaten in der Republik Baschkortostan. Das Unternehmen Radioswjas will in der Region Krasnojarsk Arzneimittel zur Krebsbehandlung produzieren. Pharmasyntez baut bis 2021 eine Medikamentenproduktion im Gebiet Irkutsk auf. Rusatom Healthcare und R-Pharm planen ein gemeinsames Werk in Moskau.

Bedarf an neuen Verpackungsmaschinen entsteht auch durch die digitale Kennzeichnungspflicht für Medikamente, die zum 1. Januar 2020 in Kraft treten soll. Bereits am 1. Juli 2019 hat die Registrierung von hochpreisigen Arzneimitteln begonnen, deren Kennzeichnung ab 1. Oktober 2019 verpflichtend werden soll. Arzneimittelverpackungen müssen dann mit einem individuellen DataMatrix-Code gelabelt werden. Das soll den Anteil von Fälschungen und den Schwarzmarkt einschränken.

Absatz von Parfüm und Kosmetik wächst überdurchschnittlich

Russlands Markt für Parfümerie- und Kosmetikartikel könnte sich bis 2030 auf ein Wertvolumen von über 1 Billion Rubel (rund 13 Milliarden Euro) nahezu verdoppeln. Einheimische Hersteller sollen mehr Marktanteile erringen und ihre Fertigungsanlagen mit staatlicher Unterstützung modernisieren. Das sieht die Regierungsstrategie für die Branche vor, die 2018 verabschiedet wurde.

Die Marktgröße betrug 2018 bereits 780 Milliarden Rubel (10,5 Milliarden Euro), wie die Marktforschungsagentur M.A. Research berechnet hat. Euromonitor gibt das Volumen mit 555 Milliarden Rubel an.

Die Verkäufe wachsen deutlich schneller als die Einzelhandelsumsätze insgesamt. Das liegt am Boom der Drogerie- und Parfümerieketten. Die Zahl ihrer Filialen hat sich innerhalb von drei Jahren auf rund 20.000 verdoppelt.

Importwaren haben einen Anteil von 80 Prozent am Geschäft mit Kosmetika. Bei den Rohstoffen sind russische Kosmetikahersteller zu 90 Prozent von Importen abhängig.

Aktuell gibt es rund 450 Hersteller von Parfümerie- und Kosmetikwaren in Russland. Produktionsschwerpunkt ist der Großraum Moskau. Wichtige einheimische Hersteller sind Arnest, DRC Group, Klewer, Swoboda, Newskaja Kosmetika und Wesna. Unter den ausländischen Anbietern sind unter anderem Unilever, Procter & Gamble, Avon, L'Oréal, Oriflame, Henkel und Coty mit Produktionsstätten vertreten.

Procter & Gamble hat angekündigt, seinen Standort Nowomoskowsk im Gebiet Tula auszubauen. Für 34 Millionen Euro entsteht ein neues Logistikzentrum, die bestehenden Produktionslinien werden modernisiert und erweitert. Das betrifft vor allem Waschmittel, Spül- und Reinigungsmittel sowie Damenhygieneartikel.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Russland sind unter http://www.gtai.de/russland erhältlich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Arzneimittel, Diagnostika, Körperpflegemittel und Kosmetika

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