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27.09.2018

In Schweden boomt die Windenergie

Deutsche Firmen wollen profitieren / Von Michal Wozniak

Stockholm (GTAI) - Investitionen im Wert von bis zu 4,5 Milliarden Euro könnten der schwedischen Windenergiebranche bevorstehen.

Nach Angaben des Branchenverbands Schwedische Windenergie (Svensk Vindenergi; SV) wird im größten skandinavischen Land die jährliche Windstromproduktion zwischen 2017 und 2021 um ein Drittel auf etwa 29 Terrawattstunden steigen. In den Kapazitätsausbau könnten mittel- bis langfristig 4,5 Milliarden Euro fließen. Laut Markus Selin, Analytiker der Schwedischen Energieagentur (Energimyndigheten) macht Windkraft den größten Teil der aktuell realisierten erneuerbaren Energieprojekte aus. So befanden sich Mitte 2018 Anlagen im Bau, die jährlich über 15 Terrawattstunden Strom liefern sollen. Auf Wind entfielen davon 11,6 Terrawattstunden.

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Auslöser für den Investitionsboom sind die Verlängerung der Förderung durch das Energiezertifikatsystem sowie ein parteiübergreifendes Abkommen. Dieses wurde 2016 von der Linksregierung um die Sozialdemokraten mit dem rechten Oppositionsblock, der Allianz, geschlossen. Es sieht vor, dass die Energienutzung bis 2030 um 50 Prozent effizienter wird. Zehn Jahre später soll die Energie ausschließlich aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden. Bis 2045 sollen die Nettoemissionen von Treibhausgasen auf null sinken.

Damit die Ziele nicht nur auf dem Papier bleiben, wurden Fördermaßnahmen sowohl für Haushalte als auch für Unternehmen und Kommunen eingeplant: Für 2018 stehen 85 Millionen Euro, für die beiden Folgejahre entsprechend etwa 92 Millionen und 150 Millionen Euro zur Verfügung.

Rentenfonds wittern sichere Renditen

Die rechtliche Sicherheit, verbunden mit den ambitionierten Plänen der öffentlichen Hand, zieht immer mehr Investoren an. Die Rentenfonds AMF und KLP aus Schweden und Norwegen, kauften sich Mitte 2018 mit 200 Millionen Euro beim Energieunternehmen Stena Renewable ein. Zusammen mit dem Stena-Gründer Sten Olsson wollen sie bis spätestens 2022 etwa 600 Millionen Euro in den Ausbau von Windkraftkapazitäten investieren. Die ersten beiden Projekte gehen bereits in die Realisierung und umfassen insgesamt 19 Windturbinen im Wert von 70 Millionen Euro, die 2019 ans Netz angeschlossen werden sollen.

Der dänische Rentenfonds PKA ist zu 30 Prozent an einem 350 Millionen Euro teuren Vorhaben des Energieversorgers Vattenfall und des Technologielieferanten Vestas beteiligt. Der Fondschef Peter Damgaard glaubt, dass die Renditen solcher Vorhaben durch die sinkenden Kosten attraktiver werden. "Für uns ist es gutes Geschäft und gesunder Menschenverstand. Deswegen wird dies wohl nicht unser letztes Projekt in Onshore-Wind sein", kündigte er bei einer Pressekonferenz Mitte Mai 2018 an.

Wichtige Windenergie-Projekte in Schweden (Investitionssumme in Mio. Euro)
Akteur/Projekt Investitionssumme Projektstand Anmerkungen
Svevind; Markbygden Vind, Enercon/ Markbygden nahe Pitea 5.000 Zwei von drei Etappen befinden sich schon im Bau, der Bau der letzten Etappe wurde Mitte 2018 genehmigt; Planung für Bau und Anschlüsse erfolgt laufend; geplante Fertigstellung 2021 1.101 Turbinen insgesamt; Etappe 3: 442 Turbinen
OX2; Aquila Capital/Windpark Valhalla in Bollnäs und Ockelbo 400 Fertigstellung im Frühjahr 2020 85 Turbinen des Typs Vestas V136-4.2 MW; Stromnetzausbau: Ellevio; Fundamentarbeiten: Empower, Svevia
Vattenfall; Vestas; PKA/Windparks Blakliden und Fabodberget 350 Beginn der Turbinenlieferungen und Fertigstellung 2021 84 Turbinen des Typs Vestas V136-4.2 MW; Abnahmevertrag über 60 Prozent der Kapazitäten für 20 Jahre mit Norsk Hydro
Vasa Vind; APG /Windpark in Askälen in Jämtland 310 Geplante Fertigstellung 2019/2020 80 Turbinen des Typs Vestas V136-3.6 MW
Green Investment Group; SCA Energy/Ange, Västernorrland 270 Fertigstellung 2019 56 Turbinen des Typs Siemens Gamesa SWT-DD-130 mit jeweils 4,2 MW
Vattenfall/Stormyrberget nahe Örnsköldsvik 260 Baugenehmigung wurde Mitte diesen Jahres erteilt, kann noch angefochten werden; geplanter Baustart 2019 Bis zu 60 Turbinen
European Energy /Windpark Zinkgruvan nahe Linköping k.A. Fertigstellung 2019 14 Turbinen mit jeweils 3,8 MW von GE Renewable Energy

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Die zunehmend dominierende Rolle von Kapital- und Rentenfonds bei der Finanzierung von Windprojekten bestätigt auch die schwedische Projektentwicklungsfirma OX2. So wird ihr neustes, etwa 400 Millionen Euro großes Vorhaben Valhalla vom Hamburger Investitionsfonds Aquila Capital getragen. Paul Stomoen, Vorsitzender von OX2 Wind, zählt auch Rentenfonds aus Europa und Asien zu den willigen Geldgebern. Unter anderem dank mehrjähriger Abnahmeverträge hätte man hier gut abgesicherte Aussichten auf relativ hohe Renditen.

Deutsche Firmen machen mit

Aquila Capital ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, das sich vom schwedischen Wind treiben lassen will. Siemens Gamesa hat seit 1992 mehr als 500 Turbinen in Schweden aufgestellt, deren installierte Leistung sich auf etwa 1,3 Gigawatt summiert. Ende Juli 2018 bekam sie einen weiteren Zuschlag auf die Lieferung von 56 Windrädern. Dem Auftraggeber Green Investment Group lag vor allem an der regionalen Erfahrung. "Die Expertise von Siemens Gamesa in Bezug auf die nordischen Staaten war besonders wichtig, um die Finanzierung des Projektes abzuschließen", unterstrich Mark Dooley, Leiter für grüne Energien beim GIG-Mutterkonzern Macquarie Capital.

Auch der deutsche Energieversorger EnBW baut sein Engagement in Schweden aus. Nachdem er 2016 die dänische CWS übernahm, die zu den führenden unabhängigen Wartungsdienstleistern in Schweden gehört, wurde im Juli 2018 die EnBW Sverige AB gegründet. Das erste Vorhaben der neuen Tochtergesellschaft wird eine 11 Megawatt starke Anlage in der Gemeinde Tidaholm in Südschweden sein. Weitere sollen folgen. Schweden soll für EnBW, neben Deutschland, Frankreich und der Türkei, einen wichtigen Beitrag zur Realisierung der Firmenstrategie sein: 1 Gigawatt installierter Windleistung bis 2020 und 5 Milliarden Euro Investitionen in erneuerbare Energien bis 2025.

Gleich zehn neue Projekte hat der Mischkonzern BayWa AG geplant. Die Münchener betreiben in Schweden bereits acht Windparks. Alle zukünftigen Standorte befinden sich in Südschweden und umfassen maximal knapp 30 Windräder. Für sieben der geplanten Windfarmen erhielt BayWa bereits Baugenehmigungen. Allerdings sollen diese teilweise modifiziert werden, um höhere Türme, bis maximal 210 Meter samt Rotor, installieren zu können.

Mehr zu Schweden erfahren Sie unter http://www.gtai.de/Schweden.

Dieser Artikel ist relevant für:

Schweden Strom-/ Energieerzeugung, Wind

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