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21.03.2016

In Serbien ziehen Pkw-Verkäufe wieder an

Absatzniveau aber immer noch recht bescheiden / EU-Länder wichtigste Beschaffungsquelle / Von Jan Triebel

Belgrad (gtai) - Der Absatz fabrikneuer Pkw (einschließlich leichter Nutzfahrzeuge) hat in Serbien im vergangenen Jahr erstmals seit 2008 wieder zulegen können. Mit 22.685 Fahrzeugen, die 2015 einen Käufer fanden, ergab sich gegenüber dem Vorjahresniveau eine Verbesserung von 12,1%. Das Gros der gängigsten Marken stammt aus Montagewerken in der EU. Hinzu kommen der russische Lada Niva und ein lokal gefertigtes Fiat-Modell. Letzteres bleibt zudem ein bestimmendes Element der serbischen Fahrzeugexporte.

Die Durststrecke von sechs Jahren im Handel mit Neuwagen scheint somit zunächst ein Ende gefunden zu haben. War doch dieses Segment durch kontinuierlich schwindende Verkaufszahlen gekennzeichnet - in der Spitze verringerte sich der Absatz im Vorjahresvergleich um etwa ein Viertel. Aber auch wenn sich der positive Trend im Gleichschritt mit einer sich weiter erholenden Gesamtwirtschaft verfestigen sollte, gilt eine zügige Rückkehr zu einstigen Höhen als wenig wahrscheinlich.

Als Gradmesser gilt das Jahr 2008. Laut Angaben der Fachzeitschrift Auto magazin und der Vereinigung der Pkw-Importeure des Landes (Srpska asocijacija uvoznika vozila i delova) wurde damals mit 57.255 Neu-Pkw der nach wie vor geltende Verkaufsrekord markiert.

Als bestimmendes Element für die Motorisierung der serbischen Bevölkerung gilt unverändert der Markt für Gebrauchtwagen. Nach Angaben des Statistikamtes RZS zu den 2015 in Serbien erfolgten Erstzulassungen dürften bei insgesamt 112.615 Pkw, abzüglich der Verkäufe neuer Autos, knapp 90.000 Fahrzeuge aus zweiter Hand gestammt haben.

EU-Fabrikate im unteren Preissegment nachfragebestimmend

Bei den fabrikneuen Fahrzeugen gelang es 2015 unter den zahlreichen in Serbien vertretenen Herstellern nur Skoda und Fiat mit jeweils gut 16% zweistellige Marktanteile zu erzielen. Sie vereinigten zusammen mit fünf weiteren Marken etwa zwei Drittel aller Verkäufe fabrikneuer Pkw auf sich. Dem Kaufkraftniveau im Land entsprechend standen Kleinst- und Kleinwagen sowie Fahrzeuge der Kompaktklasse laut Auto magazin und Importeursverband mit einem Anteil von zusammen gut 60% im Mittelpunkt des Interesses.

Serbiens meistverkaufte Pkw-Modelle (in Stück) *)
Modell 2014 2015 Veränderung 2015/2014
Fiat 500L 1.018 1.727 69,6
Skoda Fabia 1.106 1.150 4,0
Skoda Octavia 821 987 20,2
Dacia Sandero 617 639 3,6
Ford Fiesta 440 621 41,1
Opel Astra 212 541 155,2
Kia Cee´d 466 503 7,9
Skoda Superb 348 484 39,1
VW Golf 454 480 5,7
Renault Clio 299 465 55,5
Skoda Rapid 434 444 2,3
Dacia Duster 401 428 6,7
Mercedes A-Klasse 62 406 554,8
VW Polo 389 352 -9,5
Toyota Yaris 200 347 73,5
Opel Corsa 317 330 4,1
Skoda Rapid Spaceback 209 299 43,1
Lada Niva 247 298 20,6
VW Passat 216 297 37,5
Kia Sportage 270 296 9,6

*) Spitzenreiter in der Sparte "leichte Nutzfahrzeuge" waren 2015 die Fiat-Modelle Ducato light (596 Exemplare) und Doblo Cargo (424).

Quellen: Auto magazin, Srpska asocijacija uvoznika vozila i delova (Vereinigung der serbischen Kfz-Importeure); Berechnungen von GTAI - Germany Trade & Invest

Unter den verkaufsstärksten Pkw dominieren in Serbien Fabrikate, die aus in der EU ansässigen Montagewerken stammen. Darunter befinden sich auch solche mit Wurzeln in den USA, Japan oder Korea (Rep.), die aber bereits seit längerem oder aber erst seit einigen wenigen Jahren über eigene Fertigungsstätten in EU-Staaten verfügen.

Dank dieser profitieren sie vom Abbau der Zollschranken zwischen Serbien und der EU. Der Zoll für die Einfuhr von Pkw mit EU-Ursprung nach Serbien wurde über einen längeren Zeitraum hinweg kontinuierlich verringert. Seit dem 1.1.14 gilt Zollfreiheit.

Zu den beiden einzigen Ausnahmen in der serbischen Top-20-Liste, die nicht in aus der EU stammen, zählte 2015 zum einen der russische Lada Niva. Dieser kann dank des Freihandelsabkommens mit Russland auch zollfrei eingeführt werden. Bei dem zweiten Modell handelt es sich um den in Serbien produzierten Fiat 500L, dessen lokaler Absatz 2015 allein um gut zwei Drittel in die Höhe schnellte.

Deutschland mit gut einem Viertel des Importmarktes führend

Aus den jüngst veröffentlichten Daten des serbischen Statistikamtes zu den Importen von Pkw im vergangenen Jahr lässt sich die leichte Erholung der Verkäufe von Neuwagen zunächst nicht herauslesen. Beobachtern zufolge liegt dies vor allem daran, dass Angaben zu detaillierten Warenpositionen nur in US-Dollar veröffentlicht werden. Wegen nennenswerter Wechselkurseffekte dürfte dies aber das tatsächliche Bild verzerren, da Serbien seine Pkw schwerpunktmäßig aus der EU bezieht und diese deshalb überwiegend in Euro fakturiert werden.

Die mögliche Diskrepanz wird anhand eines Vergleichs der Angaben für 2015 zu Serbiens Einfuhren von Waren des gesamten SITC-Abschnitts 78, Straßenfahrzeuge deutlich: In Dollar berechnet betrug hier das Minus 19,4%, in Euro lediglich 3,2%. Entsprechend ist auch die für Pkw mit Dollarwerten ermittelte Veränderungsrate von -4,5% in erster Linie der Entwicklung des Wechselkurses geschuldet. Der Europäischen Zentralbank zufolge gab der Euro 2015 im Jahresmittel 16,5% gegenüber dem US-Dollar nach.

Serbiens Pkw-Importe (Wert in Mio. US$; Veränderung in %)
Fahrzeugart (SITC) 2014 2015 Veränderung 2015/2014
Pkw (781.2); darunter aus: 540,5 516,0 -4,5
.Deutschland 140,8 134,0 -4,8
.Ungarn 82,2 83,2 1,2
.Tschechische Republik 69,1 66,7 -3,5
.Frankreich 64,5 57,2 -11,3
.Italien 26,8 21,8 -18,7
.Slowenien 24,2 21,5 -11,2
.Kroatien 5,3 20,3 283,0

Quelle: Republicki zavod za statistiku (RZS; Statistikamt Serbiens)

Neben den Wertangaben in Euro bleibt das serbische Statistikamte für die Pkw-Einfuhr auch ein Splitting nach neu und gebraucht schuldig sowie Angaben dazu, welche Stückzahlen hinter den Importwerten stehen. Immerhin lässt sich aber ablesen, dass mit einem Anteil von 69% (2014: 67%) Dieselfahrzeuge das Bild prägten.

Unverändert gegenüber dem Vorjahr überwog in dieser Gruppe die Hubraumklasse zwischen 1.500 und 2.500 ccm, aus der vier von fünf Diesel-Pkw stammten. Parallel dazu setzten unter den Benzinern bei einem Anteil von erneut nahezu 70% Pkw mit einem Hubraum zwischen 1.000 und 1.500 ccm einen ebenso deutlichen Schwerpunkt.

Das größte Kontingent der von Serbien bezogenen Pkw stammt traditionell aus Deutschland. Gemessen am deklarierten Einfuhrwert lag der deutsche Lieferanteil 2015 mit 26% ähnlich hoch wie im Vorjahr. Zweistellig fielen die Importanteile zudem noch für Ungarn mit 16% (2014: 15%), die Tschechische Republik mit 13% (13%) und Frankreich mit 11% (12%) aus.

Serbische Fiats überwiegend für Italien bestimmt

In Gegenrichtung führte Serbien 2015 Angaben der offiziellen Statistik zufolge Pkw für insgesamt 1,30 Mrd. $ aus. Obwohl auch einige Fahrzeuge anderer Hersteller im Rahmen des Reexports das Land verließen, dominierte der 500L recht klar. Der seit dem 2. Halbjahr 2012 vom Band laufende Minivan wird im zentralserbischen Kragujevac in mehreren Modifikationen exklusiv für den Weltmarkt gefertigt und entsprechend überwiegend ins Ausland geliefert.

Der Wert der Gesamtausfuhren reduzierte sich im Vergleich zum Jahr davor (1,78 Mrd. $) um 26,9%. Im Zusammenhang mit den bereits bei den Pkw-Importen beschriebenen Wechselkurseffekten dürfte der Einbruch der Exporte auf Euro-Basis weniger drastisch ausgefallen sein. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil mit Italien ein Euro-Land wichtigster Absatzmarkt war. Dessen Anteil belief sich auf 78% (2014: 77%). Nennenswerte Verkäufe wurden des Weiteren in den USA mit 7% (10%) und Deutschland mit 5% (4%) getätigt.

Der Antriebsart nach dominierten 2015 die Ausführungen mit Dieselmotoren mit einem Exportanteil von 69% (2014: 68%). Von diesen wiederum erwiesen sich Pkw mit Hubraumgrößen von über 1.500 ccm als die am stärksten nachgefragten. Der Beitrag von Benzinern belief sich auf 31% (33%), aus deren Reihen Fahrzeuge mit einem Hubraumen zwischen 1.000 und 1.500 ccm überwogen.

(T.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Serbien Personenkraftwagen (Pkw), Nutzfahrzeuge (Nfz)

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‎+49 228 24 993 321

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