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16.09.2019

In Usbekistans Abfallwirtschaft schlummern Potenziale

Projekte für 2,8 Milliarden US-Dollar geplant / Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - Die neue Abfall-Initiative Usbekistans verfolgt zwei Hauptziele: Eine komplette Mülleinsammlung und eine Abfallverarbeitungsquote von 60 Prozent. Dies bietet viele Geschäftschancen.

Die zentralasiatische Republik Usbekistan hegt investitionsträchtige Pläne für eine qualitative Verbesserung des Abfallmanagements. Die Vorhaben basieren auf einer von der Regierung für den Zeitraum 2019 bis 2028 verabschiedeten Strategie. Dabei geht es um Einsammlung, Transport, Lagerung und industrielle Verwertung von festen Haushaltsabfällen. Letztere umfasst die Gewinnung von Sekundärrohstoffen ebenso wie die Nutzung von Abfällen zur Wärmenergie- und Stromerzeugung. Bis Ende 2019 sollen in allen 14 Verwaltungsgebieten des Landes detaillierte mittel- und langfristige Pläne für das Abfallmanagement vorliegen.

Neue Abfall-Strategie umfasst zwei Projektetappen

Das Projekt wird in zwei Phasen umgesetzt. Von 2019 bis 2021 werden gesetzliche Regelungen angepasst, die marktkonform sein und die Branche fördern sollen. Zudem wird die materiell-technischen Ausstattung der Entsorgungsunternehmen verbessert. Die zweite Phase (2022 bis 2028) umfasst massive Investitionen in Müllverladestationen (Müll-Zwischenlager). Geplant ist eine Ausweitung der Müllverarbeitung. Neue Deponien werden gebaut, bestehende modernisiert. Es soll ein regionales Cluster für das Abfallmanagement entstehen.

Den Investitionsbedarf für die Umsetzung aller geplanten Projekte in der Abfallwirtschaft gibt die Regierung mit 2,8 Milliarden US-Dollar an. In den Jahren 2019 bis 2021 sollen etwa 450 Millionen US-Dollar, im Zeitraum 2022 bis 2025 rund 1,0 Milliarden US-Dollar und in den drei Folgejahren 1,3 Milliarden US-Dollar fließen.

Grünes Licht für das Recycling von Hausmüll

Ab 2022 sollen zudem alle Haushalte im Land in die Erfassung, Sammlung und den Weitertransport von festen Abfällen einbezogen werden. Gleichzeitig wird die Mülltrennung eingeführt. Getrennt gesammelt werden Glasverpackungen, Polymere/Papier/Pappe/Metalle, Bioabfall (Küchen- und andere biologisch abbaubare Abfälle), Restmüll (Mischabfälle) sowie Schadstoffe (Batterien, Leuchtstoffröhren, Energiesparlampen, Akkumulatoren und medizinische Abfälle).

In den zentralen Städten wird das neue Entsorgungssystem im Zeitraum 2022 bis 2025 eingeführt und von 2026 bis 2028 in den Landkreisen und ländlichen Siedlungen. Der Ausbau von Recyclingkapazitäten ist darauf ausgerichtet, dass im Jahr 2025 bis zu 45 Prozent und 2028 bis zu 60 Prozent des eingesammelten kommunalen Abfalls verarbeitet werden (Ist 2018: circa 6 Prozent).

Großer Nachholbedarf in allen Segmenten der Abfallentsorgung

Das jährliche Aufkommen an eingesammelten festen Haushaltsabfällen in Usbekistan beträgt geschätzte mehr als 9 Millionen Tonnen. Das Gesamtaufkommen ist mit etwa 35 Millionen Tonnen ungleich größer. Es besteht ein großer Mangel an Abfallbehältern einschließlich Müllcontainern sowie Fahrzeugen. Alle zentralen Müllverladestationen sind technisch veraltetet und entsprechen nicht den ökologischen Vorschriften.

Für Spezifische Abfallarten wie quecksilberhaltige Abfälle, Kfz-Altreifen, Akkumulatoren und Altöl wird die Verwertungsquote niedriger angesetzt. Im Jahr 2025 sollen bis zu 15 Prozent und drei Jahre später bis zu 25 Prozent des Aufkommens verarbeitet werden. Der Anteil der Nutzung alternativer Energiequellen an der Energieerzeugung in Objekten der Abfallwirtschaft soll 35 Prozent erreichen.

Viele Geschäftschancen für ausländische Branchenunternehmen

In Usbekistan lässt sich auf behördlicher und unternehmerischer Ebene eine zunehmende Sensibilisierung für die bestehenden ökologischen Probleme im Abfallmanagement beobachten. Hiervon zeugen in letzter Zeit verabschiedete Initiativen für den Ausbau der Müllsammlung. Die bisherigen Ergebnisse fallen allerdings bescheiden aus. Die neue Initiative soll Schwung in die Branche bringen. Dabei setzt die Regierung auf finanzielle und fachliche Unterstützung aus dem Ausland sowie auf Projekte einer öffentlich-privaten Partnerschaft.

Nach Angaben des Staatlichen Komitees für Ökologie und Umweltschutz wird heute nur die Hälfte der Bevölkerung des 33,5 Millionen Einwohner zählenden Landes von der Mülleinsammlung erfasst. Die 13 staatlichen regionalen Reinigungsbetriebe Toza hudud bedienen mit ihren Diensten 9,7 Millionen Einwohner. Die Stadtreinigung Maxsus Trans sammelt den Müll von 1,2 Millionen Bewohnern der Hauptstadt Taschkent ein. Etwa 100 kleine private Müllabfuhrfirmen entsorgen die Abfälle von 6,1 Millionen Bürgern. Allein in der Landesmetropole gibt es 40 private Entsorgungsfirmen. Neun regionale Hauptstädte errichten Cluster für das Abfallmanagement.

Viel Geld fließt in die Sanierung und den Neubau von Deponien

Usbekistan will erhebliche Mittel in seine Deponien investieren. Rund 170 Müllkippen sollen geschlossen und rekultiviert werden. Für 54 Deponien gibt es Sanierungspläne. Die geplanten Maßnahmen konzentrieren sich auf die Reduzierung von Treibhausgasen und die Durchführung von Abdichtungsmaßnahmen für den Untergrund. Fünf Deponien werden neu gebaut.

Unter den geplanten neuen Müllhalden ragt das auf 55 Millionen US-Dollar veranschlagte Projekt für den Bau einer großen modernen Deponie in der Region Taschkent hervor. Sie soll den den alten Mülllagerplatz in Achangaran ersetzen, der seine Kapazitätsgrenze erreicht hat. Die massiv entweichenden Deponiegase stellen eine erhebliche gesundheitliche Belastung der Anwohner dar.

Sämtliche von den Gemeinden betriebene Müllablagerungsstätten müssen im Jahr 2028 den gesetzlichen und ökologischen Vorschriften entsprechen (Ist 2018: unter 10 Prozent). Die Deponien sollen mit Messtechnik für die Kontrolle von Emissionsdaten (Menge und Zusammensetzung des Deponiegases und Sickerwassers) und Grundwasserdaten (Grundwasserbeschaffenheit und -stände) ausgerüstet werden.

Taschkent baut Müllsortierungsanlagen

Aktuell realisiert das Unternehmen "OOO EcoWorld" in der Müllverladestation im Taschkenter Stadtteil Yakkasaray einige kleinere Projekte für die Errichtung von Müllsortieranlagen, mit Unterstützung von chinesischem Kapital. Der Projektwert beträgt nach Angaben des Direktors der GmbH, Olimkhon Turakhanov, 3 bis 4 Millionen US-Dollar.

Eco World hegt auch Pläne für die Verarbeitung von PET-Flaschen zu Granulat (Produktion von Kunststoffbehältern) sowie von alten Elektrogeräten. Die heutigen Kapazitäten für die Verarbeitung von Sekundärrohstoffen in Usbekistan betragen nur sehr bescheidene 894.000 Tonnen. Die genutzte Verarbeitungskapazität der rund 200 Recyclingfirmen beträgt nur etwa 600.000 Tonnen. Die Unternehmen produzieren hauptsächlich Erzeugnisse aus Gummi, Metall oder Papier.

Kontaktadresse

O´zbekiston Respublikasi ekologiya va atrof muhitni muhofaza qilish davlat qo´mitasi

(Staatliches Komitee für Ökologie und Umweltschutz der Republik Usbekistan;

(oberste Verwaltungs- und Kontrollbehörde für Abfallwirtschaft)

Ansprechpartner Bahrom To´lqinovich Qo´chqorov, Vorsitzender

To´y-tepa ko´chasi 2A uy

100047 Taschkent/Usbekistan

T +99871/207 07 70

F +99871/236 33 31

info@uznature.uz

http://www.eco.gov.uz

Hinweis: Unter der Internetadresse http://eco.gov.uz/en/region_organization?numer=108 sind die Kontaktdaten aller regionalen staatlichen Reinigungsbetriebe (Toza hudud) und der Taschkenter Stadtreinigung abrufbar.

Eine Übersicht über laufende, vorbereitete und geplante Projekte in der Abfallwirtschaft Usbekistans können Sie hier herunterladen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Usbekistan sind unter http://www.gtai.de/usbekistan erhältlich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Abfallentsorgung, Recycling

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Dominik Vorhölter

‎+49 228 24 993 219

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