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05.09.2019

Indien will Öl- und Gasförderung hochfahren

Raffineriekapazitäten müssen ausgebaut werden / Von Boris Alex

New Delhi (GTAI) - Indien setzt bei Öl und Gas auf heimische Produktion statt auf Import. Die Regierung versteigert weitere Förderlizenzen. Die Mineralölkonzerne investieren in neue Raffinerien.

Indien verbraucht immer mehr Öl und Gas, doch die heimische Produktion stagniert. Im Finanzjahr 2018/19 (1. April bis 31. März) ging die Rohölförderung um 4 Prozent auf 34,2 Millionen Tonnen zurück. Zwar legte die Produktion von Erdgas leicht um 0,7 Prozent auf 32,9 Millionen Kubikmeter zu, blieb damit aber deutlich unter dem anvisierten Förderplus von 7,7 Prozent. Der Verbrauch hingegen wächst kontinuierlich: Seit 2014/15 legte der Bedarf von Rohöl um durchschnittlich 5 Prozent pro Jahr auf zuletzt 212 Millionen Tonnen und der von Erdgas um 3 Prozent auf 59 Millionen Kubikmeter zu.

Förderung von Erdöl und Erdgas in Indien *)
2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 2018/19
Erdöl (Mio. Tonnen) 37,5 36,9 36,0 35,7 34,2
Erdgas (Mio. Kubikmeter) 33,7 32,2 31,9 32,6 32,9

*) Finanzjahr 1. April bis 31. März

Quelle: Ministry of Petroleum and Natural Gas

Die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten wächst und belastet die Handelsbilanz des Landes. Um die heimische Produktion zu steigern, will die Regierung private Investitionen erleichtern. Anfang 2019 wurde die Vergabe von Lizenzen zur Erkundung von Öl- und Gasfeldern reformiert. Beispielsweise müssen die Unternehmen nur noch bei der Öl- und Gasproduktion aus bereits entwickelten Lagerstätten (Kategorie I) einen Teil des Gewinns als Förderabgabe entrichten.

Bei wenig bis überhaupt nicht entwickelten Feldern (Kategorie II und III) fallen hingegen in den ersten vier Jahren nur die üblichen Lizenzgebühren, aber keine Gewinnabgaben an. Die Regierung erhofft sich davon, ein stärkeres Interesse des Privatsektors an der Erschließung und Kommerzialisierung neuer Lagerstätten. Die Öl- und Gasfelder befinden sich in der Regel im Besitz der beiden Staatsbetriebe Oil and Natural Gas Corporation (ONGC) und Oil India Limited (OIL).

Regierung erwartet Investitionen in Höhe von 210 Milliarden US$

Indiens Regierung versteigert seit 2017 im Rahmen des Open Acreage Licensing Programme (OALP) Explorationsrechte für die Lagerstätten. Am 27. August 2019 wurde die vierte Ausschreibungsrunde (OALP-IV) eingeläutet. Diesmal werden die Lizenzen für sieben Öl- und Gasfelder versteigert, davon sechs in bislang noch nicht entwickelten Lagerstätten der Kategorie III (http://online.dghindia.org/oalp). Die zuständige Behörde Directorate General of Hydrocarbons (DGH) erwartet Investitionen in die Erkundung von bis zu 250 Millionen US-Dollar (US$).

In den ersten drei OALP-Runden wurden insgesamt 89 Lizenzen versteigert. Die indische Regierung erwartet, dass die Erkundung und kommerzielle Entwicklung der bislang vergebenen Öl- und Gasfelder bis 2025 Investitionen von 210 Milliarden US$ nach sich ziehen könnte. Die Unternehmen, die in den ersten beiden Runden den Zuschlag erhalten hatten, haben bereits Investitionen von knapp 20 Milliarden US$ angekündigt.

Private Öl- und Gasförderer bauen ihre Kapazitäten aus

Indiens größter staatlicher Öl- und Gasproduzent ONGC will bis 2023/24 insgesamt 11,5 Milliarden US$ in die kommerzielle Entwicklung seiner 25 größten Projekte investieren. Auch der Privatsektor baut seine Kapazitäten aus. Der führende private Ölkonzern Cairn Energy hat angekündigt, bis Ende 2020 etwa 1,1 Milliarden US$ in die Rohölförderung zu investieren. Das Unternehmen möchte die Produktion bis 2021/22 auf 500.000 Barrel pro Tag mehr als verdoppeln.

Sollte die Förderung von Öl und Gas in den nächsten Jahren wieder stärker wachsen, müssen auch im Downstream-Bereich zusätzliche Kapazitäten aufgebaut werden. Im Finanzjahr 2018/19 wurden 257,2 Millionen Tonnen Rohöl in Indien raffiniert, ein Plus von 2 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Zurzeit gibt es in Indien 23 Raffinerien mit einer Kapazität von insgesamt 249 Millionen Tonnen jährlich. Die Auslastung der Anlagen lag 2018/19 im Schnitt bei 104 Prozent.

Raffineriekapazitäten sollen sich bis 2040 mehr als verdoppeln

Angesichts des steigenden Ölbedarfs müssen die Raffineriekapazitäten dringend ausgebaut werden. Der Plan des Ministry of Petroleum and Natural Gas sieht vor, sie bis 2020 auf 259 Millionen Tonnen, bis 2030 weiter auf 439 Millionen und bis 2040 auf 530 Millionen Tonnen pro Jahr zu erhöhen. Sowohl die staatlichen Ölfirmen - diese betreiben 18 der 23 Raffinerien - als auch die privaten Konzerne haben umfassende Investitionen angekündigt.

Indiens größter Mineralölkonzern Indian Oil Corporation Ltd. (IOCL) will seine Raffineriekapazitäten bis 2030 auf etwa 117 Millionen Tonnen pro Jahr ausbauen. In den elf Raffinerien, die das Staatsunternehmens mit seiner Tochter Chennai Petroleum Corporation betreibt, wurden 2018/19 rund 81 Millionen Tonnen an Erdölprodukten hergestellt. IOCL will die Kapazitäten an fünf Standorten erhöhen sowie eine komplett neue Raffinerie mit einem Jahresausstoß von 9 Millionen Tonnen errichten. Den Investitionsbedarf beziffert der das Unternehmen auf knapp 10 Milliarden US$.

Raffineriekapazitäten in Indien (in 1.000 Tonnen)
Unternehmen 2017/18 *) 2018/19 *) Veränderung (in %)
Indian Oil Corporation 69.001 71.816 4,1
Reliance Industries 70.470 69.145 -1,9
Bharat Petroleum Corporation 28.149 30.823 9,5
Nayara Energy 20.693 18.896 -8,7
Hindustan Petroleum Corporation 18.276 18.444 0,9
Mangalore Refinery and Petrochemicals 16.129 16.231 0,6
HPCL-Mittal Energy 8.830 12.473 41,3
Chennai Petroleum Corporation 10.789 10.695 -0,9
Bharat Oman Refineries 6.708 5.716 -14,8
Numaligarh Refinery 2.809 2.900 3,2
Oil and Natural Gas Corporation 80 66 -17,5
Insgesamt 251.934 257.205 2,1

*) 1. April bis 31. März

Quelle: Ministry of Petroleum and Natural Gas

Darüber hinaus plant IOCL gemeinsam mit den ebenfalls staatlichen Mineralölkonzernen Bharat Petroleum (BPCL) und Hindustan Petroleum (HPCL) sowie Saudi Aramco und Abu Dhabi National Oil Company im Bundesstaat Maharashtra den Bau einer neuen Großraffinerie mit einer Kapazität von 60 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Kosten für das Projekt veranschlagt das Konsortium auf rund 38 Milliarden US$.

Auch der größte Private Ölkonzern Reliance Industries will seine Kapazitäten deutlich erhöhen. Bis 2030 sollen in der Raffinerie in Jamnagar (Bundesstaat Gujarat) 2 Millionen Barrel Rohöl pro Jahr verarbeitet werden - eine Steigerung um 44 Prozent im Vergleich zum derzeitigen Output.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indien können Sie unter http://www.gtai.de/indien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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