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16.02.2017

Indiens Bundesstaat Westbengalen holt auf

Investoren zeigen zunehmendes Interesse / Von Thomas Hundt

New Delhi (GTAI) - Indiens Bundesstaat Westbengalen möchte sich als bevorzugter Investitionsstandort etablieren und kann bereits einige Erfolge bei seinem Aufholprozess vermelden. Die Wirtschaftsleistung hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Die Landesregierung baut die Infrastruktur aus und fördert Ansiedlungen von Unternehmen aus klassischen und modernen Branchen. Das Geschäftsumfeld könnte allerdings besser sein. (Kontaktanschriften)

Der ostindische Bundesstaat Westbengalen stieg seit 2011 von der siebtgrößten zur viertgrößten Wirtschaftskraft unter den 36 Bundesstaaten beziehungsweise Unionsterritorien auf. Im Finanzjahr 2015/16 (1.4. bis 31.3.) erwirtschafteten seine 96 Mio. Einwohner ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von umgerechnet 140 Mrd. US$ und ein reales BIP-Wachstum von 12,6%, gibt die Statistikabteilung der Landesregierung an.

Damit sich der Wachstumspfad fortsetzt, investiert die Regierung in Kolkata (vormals Kalkutta) in die Infrastruktur. Die Ausgaben für technische Infrastrukturmaßnahmen wuchsen seit 2011 erheblich und erreichten 2015/16 circa 1,1 Mrd. $. Das Budget für den Straßenbau wuchs auf umgerechnet circa 400 Mio. $ (Vorjahr 246 Mio. $). Neue See- und Flughäfen sind geplant. Auch neue Kraftwerke und Stromleitungen sollen die vergleichsweise stabile Energieversorgung weiter verbessern.

Chancen beim Bau von Fabriken und Infrastruktur

Die Entwicklungsgesellschaft West Bengal Industrial Development Corporation soll dafür sorgen, dass der frische Wind sich unter nationalen und internationalen Unternehmen verbreitet. Sie richtete im Januar 2017 zum dritten Mal einen "Bengal Global Business Summit" in Kolkata aus. Der Kongress fand reges Interesse, denn Firmen sehen sich zunehmend auch außerhalb der überfüllten Standorte des Subkontinents um. Großunternehmen kündigten auf dem Kongress Investitionsprojekte im Wert von 2.353 Mrd. indischen Rupien (iR; circa 32 Mrd. Euro; 1 Euro = 72,7 iR) an.

Auswahl an Investitionsprojekten in Westbengalen
Projekt/Investor Investition in Mrd. iR Anmerkung
Tiefseehafen Bhor Sagar/Bhor Sagar Port Limited 160,0 Bau der Verkehrsanbindung gestartet, Konzessionär noch gesucht
Gasförderung/Great Eastern Energy Corp. 68,0 Investitionen in die Förderung von Schiefergas und Flözgas bis 2024
Gaspipeline/Gas Authority of India 60,0 Investitionen in die Stadtgasnetze und die Pipeline Durgapur nach Kokata
Petrochemie/Chatterjee Gruppe 10,0 Ausbau des Werkes Haldia Petrochemicals (http://www.haldiapetrochemicals.com)
Stromverteilung/West Bengal State Electricity Distribution Company 8,1 Verbesserung der Stromversorgung in 68 Städten (http://www.wbsedcl.in/irj/go/km/docs/internet/new_website/Distribution_Projects.html)
Fahrradfabrik/Hero Motors 4,5 Jahreskapazität 3 Mio. Fahrräder

Quelle: Pressemeldungen, WBIDC

Landwirtschaft und Bergbau müssen modernisieren

Westbengalen ist die wichtigste Agrarkammer Indiens. Die Bauern liegen 2015/16 bei den Erntemengen von Reis (rund 16,1 Mio. t), Gemüse (23,7 Mio. t) und Obst (3,5 Mio. t) auf Platz eins. Die Verarbeitung von Agrarprodukten soll mit verschiedenen Projekten verbessert werden, weil bei der fachgerechten Ernte, Lagerung, Kühlung und Verwertung noch Nachholbedarf besteht.

Die Region verfügt über große Vorkommen an Kohle, Eisenerzen, Apatite und anderen Bodenschätzen. Der Bergbau einschließlich der Eisen- und Stahlproduktion hat sich Jahrzehnte lang gut entwickelt und stellt den Schwerpunktsektor der gesamten Industrie dar. Durgapur bezeichnet sich beispielsweise als die Stahlstadt Ostindiens. In der Industriestadt Howrah hat sich ein Großteil der Gießereibranche mit insgesamt etwa 500 Betrieben und einer Kapazität von 1 Mio. Jahrestonnen angesiedelt. Hier sollen drei neue Parks für Gießereien entstehen. Die Montanindustrie wartet derzeit allerdings wegen der weltweit schwierigen Absatzlage mit Investitionen ab.

Die Lederindustrie ist in Westbengalen mit circa 540 Gerbereien, 230 Lederschuhherstellern und 440 sonstige Lederwaren produzierenden Betrieben stark vertreten. Die Regierung möchte den Sektor weiterentwickeln und den Industriepark "Calcutta Leather Complex" aus den 1990er Jahren mit ausländischer Technik ausbauen.

Das Bundesland bietet sich aufgrund günstiger Löhne ebenfalls für Fertigungen von Textilien und Bekleidung an. Der Umsatz der Branche erreicht inzwischen ungefähr 6,2 Mrd. $. Die Regierung verabschiedete für den Sektor 2013 einen eigenen Fördermechanismus.

Ein Förderprogramm und Subventionen zur erfolgreichen Entwicklung der indischen Informationstechnikbranche gibt es für IT- und IT-Service-Betriebe seit 2012. Circa 550 Branchenfirmen haben sich schon angesiedelt. Neben den fünf bestehenden IT-Parks sollen in den nächsten Jahren sieben weitere eingeweiht werden. Der Standort punktet hier mit günstigen Mieten und der hohen Anzahl an Hochschulabsolventen.

Standortbedingungen sind guter Durchschnitt

Indien möchte beim Ease of Doing Business Ranking der Weltbank vom aktuellen Rang 130 von insgesamt 190 Staaten unter die Top 50 vordringen. Die Bundesstaaten sollen daher nach Vorgaben des Ministeriums für Handel und Industrie aus Delhi noch umfängliche Reformmaßnahmen umsetzen. Die Verwaltungen in Westbengalen können ihr Tempo bei der Umsetzung von Wirtschaftsreformen noch erhöhen. Nach Angaben der Weltbank erreichte Westbengalen bei den Standortbedingungen einen Mittelplatz und liegt auch gemäß einem "State Investment Potential Index 2016" genau im Mittelfeld. Als größte Hindernisse bei Investitionsprojekten gelten der schwierige Landerwerb sowie die komplexen Vorschriften im Arbeits- und Steuerrecht, die jeder indische Bundesstaat unterschiedlich formuliert und interpretiert.

Seit 2000 haben ausländische Firmen rund 4,0 Mrd. $ in Westbengalen investiert, damit liegt der Bundesstaat auf Position sieben in Indien. Auch ungefähr 200 deutsche Unternehmen haben sich niedergelassen. Dazu zählen sowohl Industriebetriebe als auch Dienstleistungsfirmen. Das Büro der Deutsch-Indischen Handelskammer in Kolkata hilft Markteinsteigern gerne bei der Suche nach Investitionsstandorten oder Vertriebspartnern.

Kontaktanschriften

West Bengal Industrial Development Corporation

Protiti 23, Abanindranath Tagore Sarani, Camac Street

700 017 Kolkata, West Bengal

Tel.: 0091 33/225 53 70 07 05, Fax: -22 55 37 37

E-Mail: wbidc@wbidc.com, Internet: http://www.wbidc.com

Indo-German Chamber of Commerce (AHK)

3A, Gurusaday Road,

700 019 Kolkata, West Bengal

Tel: 0091 33/228 37 96 29 70, Fax: -22 83 79 63

E-Mail: calcutta@indo-german.com, Internet: http://indien.ahk.de/contact/kolkata-team

(T.H.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Indien finden Sie unter http://www.gtai.de/indien. Einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik finden Sie unter http://www.gtai.de/asien-pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indien Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Infrastruktur

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