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16.10.2018

Indiens Informationstechnologie weiterhin auf Erfolgskurs

Bangalore ist wichtigstes Zentrum / Von Heena Nazir

Mumbai (GTAI) - Sechs Standorte bilden die Schwerpunkte und prägen die indische IT-Branche: Bangalore, der Großraum um die Hauptstadt New Delhi, Chennai, Hyderabad, Pune und Mumbai.

Indiens Informationstechnologie (IT) - und Business Process Management-Sektor (BPM) (E-Commerce ausgenommen) hat sich zu einer der führenden Branchen entwickelt. Der Sektor erwirtschaftete im Finanzjahr 2017/18 circa 7,9 Prozent des indischen Bruttoinlandsprodukts. Der Gesamtumsatz der IT/BPM-Branche soll laut des indischen Fachverbands National Association of Software and Services Companies (Nasscom) von 154 Milliarden US-Dollar (US$) 2017/18 auf 167 Milliarden US$ 2018/19 steigen. Dies entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 8 Prozent. Die Branche hat eine starke Exportausrichtung. Die Exporte sollen 2017/18 um 7,7 Prozent auf 126 Milliarden US$ steigen.

Die gute Qualifikation indischer IT-Fachkräfte, vergleichsweise niedrige Löhne sowie gute englische Sprachkompetenz haben - vor allem US-amerikanische - Unternehmen dazu veranlasst, Teile ihrer Wertschöpfung nach Indien zu verlagern. Sie haben so wesentlich zur Entwicklung des Sektors beigetragen. Neben diesen Faktoren spielt auch die Clusterbildung für die IT-Branche eine bedeutende Rolle. Der Aufbau regionaler Netzwerke mit dem Ziel, wirtschaftsförderliche Synergien sowie konkrete Wettbewerbs- und damit auch Standortvorteile in bestimmten Regionen zu schaffen, sorgte für eine Erfolgsstory die kein anderer Sektor in Indien so erlebt hat.

Dabei konzentriert sich Indiens IT-Branche auf wenige Schlüsselregionen um Tier-I-Städte herum. Hier spielt vor allem die Hauptstadt des Bundesstaates Karnataka - Bangalore - eine bedeutende Rolle. Sie ist das wichtigste IT-Zentrum des Landes und wird als das indische Silicon Valley bezeichnet. Gegenwärtig haben dort knapp 26 Prozent aller indischen IT-Firmen ihren Sitz. Zu den bekanntesten deutschen IT-Unternehmen zählt SAP, das in Bangalore den größten Standort außerhalb Deutschlands unterhält.

Was Bangalore für IT- Firmen so besonders macht

Bereits der indische Staatsgründer Nehru wollte Bangalore in "Indiens Stadt der Zukunft" verwandeln, und so investierte die Zentralregierung frühzeitig stark in Spitzenuniversitäten, wissensintensive Branchen und schaffte gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Unternehmen.

Bereits in den 50er Jahren siedelten sich Unternehmen wie Bharat Electronics Limited (BEL), Hindustan Aeronautics Limited (HAL), Hindustan Machine Tools Limited (HMT) und Indian Telephone Industries Limited (ITI) in Bangalore an und legten den Grundstein für das Wachstum moderner Industrieunternehmen. Im Jahr 1984 eröffnete Texas Instruments als erstes ausländisches Unternehmen ein Forschungs-und Entwicklungszentrum in Indien und zwar in Bangalore. Im Zuge der wirtschaftlichen Liberalisierung 1991 begannen mehr und mehr multinationale Unternehmen diesem Beispiel zu folgen und haben so wesentlich zur Entwicklung Bangalores als High-Tech-Cluster beigetragen.

Ein weiteres wichtiges Cluster für die indische IT-Industrie befindet sich in der National Capital Region (NCR; Großraum um die Hauptstadt New Delhi) vor allem in Gurgaon und Noida. Die Unternehmen haben hier Zugang zu dem Talentpool der führenden Bildungseinrichtungen wie IIT Delhi, Delhi Engineering College, der Jawaharlal Nehru Universität sowie der Universität Delhi. Weiterhin verschafft die Nähe zur Hauptstadt New-Delhi, mit ihrer Infrastruktur und institutioneller Stärke, den IT-Firmen weitere Vorteile.

Die Finanzmetropole Mumbai hat eine große Anzahl von IT-Firmen sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland angezogen. Mumbai hat, abgesehen von der Produktion von Hardware, eine starke Position in den verschiedenen Segmenten der IT-Industrie eingenommen. Vor allem für IT-Dienstleistungen und Business Process Outsourcing (BPO), also der Auslagerung ganzer Geschäftsprozesse, ist Mumbai bedeutend. Es ist die Heimat des ältesten und erfolgreichsten IT-Parks des Landes, der Santacruz Electronics Export Processing Zone. Allein die Größe Mumbais mit der Vielzahl von industriellen Clustern und der beträchtlichen Präsenz von multinationalen Unternehmen, die sich schon vor Jahrzehnten in der Metropole niedergelassen haben, schaffen Synergien für Interaktionen, von denen die IT-Firmen profitieren.

Das Industrieportfolio in Chennai umfasste alle diversifizierten Segmente der Branche wie IT-Services, Software und Engineering, Research & Development, BPO und Hardware. Der Fokus liegt in Chennai bei Hardware, entsprechend findet man die meisten Hardware-Firmen dort. Zu den größten Clustern zählt der Electronic Hardware Technology Park. Renommierte Bildungseinrichtungen wie IIT Madras, Anna University und Madras University stellen qualifizierte technische Arbeitskräfte zur Verfügung.

Auch Hyderabad hat sich zu einem wichtigen Cluster für die IT-Industrie entwickelt und hat sich vor allem bei BPO und bei weiteren technologischen Dienstleistungen einen Namen gemacht. Hier überzeugt neben einem großen Angebot an gut ausgebildeten Fachkräften (Absolventen renommierter Universitäten wie International Institute of Information Technology Hyderabad und IIT Hyderabad) vor allem die Kosten, die oftmals geringer sind als in anderen Regionen.

Große multinationale Technologieunternehmen wie etwa Microsoft, Facebook, Google, Amazon, Oracle, Texas Instruments, IBM, Motorola etc. haben einen Sitz in Hyderabad. Im Jahr 2016 stammten mehr als 13 Prozent aller indischen Exporte im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie aus der Region. Anfang 2016 hatten sich mehr als 1.500 IT- und ITes (Information Technology Enabled Services) -Unternehmen in Hyderabad angesiedelt.

Andere Städte wie Pune und Kolkata versuchen IT-Cluster aufzubauen. Potential zwar vorhanden, aber nach dem heutigen Stand können diese Städte noch nicht mit den Clustern in Bangalore, Mumbai, Chennai, Hyderabad oder der NCR-Region mithalten.

Geografische Verteilung von IT-Unternehmen für ausgewählte Regionen

Standort Anzahl 2004/05 Anteil 2004/05 in % Anzahl 2015/16 Anteil 2015/16 in %
Bangalore 92 26,8 3.500 26,0
Delhi NCR 95 27,7 2.702 20,1
Mumbai 58 16,9 2.504 18,6
Chennai 42 12,2 1.780 13,2
Hyderabad 27 7,9 1.500 11,1
Pune 22 6,4 793 5,9
Kolkata 7 2,5 686 5,1
Gesamt 343 100 13.465 100

* Schätzungen basieren auf der durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate zwischen 2004/05 und 2015/16

Quellen: Telecommunication Policy, Nasscom, Recherche GTAI, Oktober 2018

Staat setzt Wachstumsimpulse

Die IT/BPM-Branche ist ein fester Bestandteil der Make in India-Initiative der indischen Regierung. Ziel ist es, das verarbeitende Gewerbe zu stärken und die Investitionsbedingungen für in- und ausländische Unternehmen zu verbessern. Im Rahmen der Initiative wurden bereits Steuererleichterungen und andere finanzielle Anreize für den Sektor bekannt gegeben. Allerdings reichen diese Maßnahmen alleine nicht aus.

Als problematisch erweist sich, dass notwendige Investitionen in die Erweiterung der Infrastruktur verschoben wurden oder unterblieben sind. Die indische Regierung hat zwar jahrzehntelang in die Entwicklung von IT-Clustern investiert - vor allem der Aufstieg von Bangalore ist beträchtlich - hat es aber versäumt, diese Entwicklungen durch dringend notwendige Infrastrukturinvestitionen abzusichern. Um weiterhin auch international konkurrenzfähig zu bleiben und Wettbewerbsvorteile nicht zu verlieren , muss neben Infrastruktur in Innovation und Neuentwicklung investiert werden.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indien können Sie unter http://www.gtai.de/indien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indien Telekommunikationsdienste, Software / EDV-Dienstleistungen, Regionalstruktur

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