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16.10.2019

Indiens Markt für Baumaschinen soll 2020 wieder anziehen

Infrastrukturprojekte sorgen für Nachfrage nach Erdbaufahrzeugen / Von Boris Alex

New Delhi (GTAI) - Der Absatz von Baumaschinen soll in Indien bis 2022 um ein Drittel auf 125.000 Geräte zulegen. Ab 2020 gelten schärfere Abgasnormen. Fahrzeuge mit Telematikfunktionen sind gefragt.

Die Dynamik im indischen Bausektor hat sich zum Jahresende 2018 abgeschwächt. Das bekommen auch die Anbieter von Baumaschinen zu spüren. In den ersten acht Monaten 2019 ist der mengenmäßige Absatz in Schlüsselsegmenten wie Bagger und Radlader um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Die Ratingagentur ICRA erwartet für das kommende Finanzjahr 2020/21 (1. April bis 31. März) allerdings wieder eine lebhaftere Nachfrage. Je nach Sparte dürfte der Absatz um bis zu 20 Prozent zulegen, so die Prognose.

Bis 2021/22 soll der Verkauf auf 125.000 Baumaschinen zulegen, schätzt die Indian Construction Equipment Manufacturers' Association (ICEMA; https://www.i-cema.in). Spätesten Mitte 2020 dürfte die Branche wieder zu ihren früheren Zuwachsraten von durchschnittlich 15 Prozent pro Jahr zurückkehren. Als Wachstumstreiber hat der Branchenverband die anziehenden Aktivitäten im Infrastrukturbau identifiziert. Indiens Premierminister Narendra Modi hatte im August 2019 angekündigt, in den nächsten zehn bis 15 Jahren 1,3 Billionen Euro in die Infrastruktur zu investieren.

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Straßenbau sorgt ab 2020 für steigende Nachfrage nach Erdbaumaschinen

Für den Ausbau und die Modernisierung des indischen Straßennetzes sind bis 2035 Investitionen in Höhe von etwa 130 Milliarden Euro vorgesehen. Entsprechend positiv sind die Wachstumsaussichten für Erdbaumaschinen. Der Absatz von Raupenbaggern soll bis 2022 auf 34.000 Einheiten zulegen - 2018 wurden insgesamt 25.500 Fahrzeuge in Indien verkauft. Für 2019 erwartet ICEMA allerdings ein Minus von 10 bis 15 Prozent, ehe sich die Nachfrage dann im kommenden Jahr wieder erholen dürfte.

Der Marktforscher Off-Highway Research erwartet bei Baggerladern eine ähnliche Entwicklung. Im mengenmäßig größten Segment soll der Absatz 2019 um 12 Prozent auf 40.000 Einheiten zurückgehen. Bis 2022 erwarten die Analysten aber wieder einen schrittweisen Anstieg auf 45.000 verkaufte Baggerlader pro Jahr. Entgegen dem Trend dürfte der Absatz von Radladern 2019 stabil bei rund 3.000 Einheiten bleiben. Bis 2022 soll die Nachfrage dann auf 3.500 Fahrzeuge pro Jahr zulegen, so die Prognose von Off-Highway Research.

Hersteller von Gradern und Radladern hoffen auf Ausbau der Kohleförderung

Der Verkauf von Gradern (Baumaschinen zum Herstellen von großen, ebenen Flächen) dürfte sich 2019 sogar um 15 Prozent auf 1.200 Einheiten erhöhen, schätzt ICEMA. Der Verband erwartet bis 2022 einen weiteren Anstieg auf mindestens 1.500 Grader pro Jahr. Die Hersteller setzen dabei auch auf den Bergbausektor. Indien will in den kommenden Jahren die Kohleförderung kräftig ausbauen, was dem Bedarf an Gradern und Radladern zusätzlichen Schub verleihen dürfte.

Die Nachfrage nach Straßenbaumaschinen entwickelt sich ebenfalls positiv. Der Absatz von Walzen soll in den nächsten vier bis fünf Jahren um knapp 50 Prozent auf 5.300 Fahrzeuge per annum zulegen. Bei Asphaltfertigern erwartet ICEMA in diesem Zeitraum jährliche Zuwächse von 10 Prozent, denn die indische Regierung will künftig verstärkt Asphalt- statt Betonstraßen bauen. Im Jahr 2018 wurden schätzungsweise 300 Fahrzeuge mit einer Einbaubreite von 7,50 Metern sowie weitere 100 Asphaltfertiger mit Einbaubreiten darüber auf dem indischen Markt abgesetzt.

Der Verkauf von Beton- und Fahrmischern dürfte 2019 um 4 Prozent auf rund 130.000 Einheiten steigen, prognostiziert der Marktforscher Fact.MR. Bis 2024 soll die Nachfrage um 5 Prozent pro Jahr zulegen. Dabei wächst der Bedarf an Fahrmischern schneller als der von Betonmischern, so die Prognose der Analysten.

Die Aussichten für Hebezeuge sind ebenfalls positiv. Der Absatz von Fahrzeugkranen hat 2018 erstmals die Marke von 10.000 Einheiten gerissen. Für die kommenden fünf Jahre erwartet ICEMA Zuwächse von 15 bis 18 Prozent per annum. Mittelgroße Fahrzeugkrane mit einer Tragfähigkeit von 12 bis 25 Tonnen haben mit rund 7.500 verkauften Einheiten den Löwenanteil am Absatz. Von Modellen mit einer Tragfähigkeit von 25 bis 80 Tonnen werden jährlich nur rund 200 Fahrzeuge in Indien verkauft.

Nachfrage nach kompakten Baumaschinen zieht weiter an

Die Anbieter von kompakten Baumaschinen hoffen, dass sich der Wohnungsbau wieder erholt und weitere innerstädtische Infrastrukturprojekte in Angriff genommen werden. Der Absatz von Minibaggern hat sich seit 2014 auf zuletzt 1.140 Fahrzeuge mehr als verdoppelt. Bis 2022 soll er weiter auf 1.500 Einheiten pro Jahr wachsen. Der Verkauf von kleinen Bodenverdichtern könnte sich bis 2020 auf 1.000 Fahrzeuge pro Jahr verdoppeln. Wegen des hohen Anteils manueller Arbeit im Bausektor ist die Nachfrage nach kompakten Baumaschinen im internationalen Vergleich aber nach wie vor gering.

Indiens Regierung hat im März 2018 schärfere Abgasvorschriften für Baumaschinen verabschiedet. Ab Oktober 2020 dürfen nur noch Fahrzeuge mit Dieselmotoren, die die Abgasnormen Bharat Stage-IV (BS-IV) erfüllen, produziert werden. Diese entsprechen den Euro-IV-Normen in der Europäischen Union. Ab April 2021 dürfen dann nur noch BS-IV-konforme Baumaschinen in Indien verkauft werden. Die Hersteller müssen nun zum Teil neue Dieselmotoren entwickeln, wodurch die Fahrzeuge für die Abnehmer teurer werden.

Die indischen Kunden achten inzwischen stärker auf den Kraftstoffverbrauch der Baumaschinen. Zwar gibt es bislang keinen Markt für Elektro- oder Hybridfahrzeuge in Indien, angesichts der ehrgeizigen Ziele der Regierung zur Elektromobilität könnte die Nachfrage nach Baufahrzeugen mit alternativen Antrieben allerdings in den nächsten Jahren durchaus entstehen, schätzt der Branchenverband ICEMA. Bereits heute fragen die Abnehmer Maschinen mit Telematikfunktionen - beispielsweise für das Flottenmanagement - nach.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indien können Sie unter http://www.gtai.de/indien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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