Suche

10.10.2019

Indiens "Smart City Mission" geht in die nächste Runde

Initiative soll auf 4.000 Städte ausgeweitet werden / Von Boris Alex

New Delhi (GTAI) - Indien will Anfang 2020 Smart-City-Projekte im Wert von 8 Milliarden Euro ausschreiben. Diese bieten Geschäftschancen für Stadtplaner und Anbieter von ziviler Sicherheitstechnik.

Seit dem Start der "Smart City Mission" in Indien hat sich in den für das Programm ausgewählten 100 Städten einiges getan. In den letzten vier Jahren wurden etwa 3.700 der insgesamt 5.000 von den Kommunen eingereichten Projekte realisiert oder angeschoben. Das Investitionsvolumen der bisherigen Ausschreibungen beläuft sich auf umgerechnet 18 Milliarden Euro. Bis zum Ende des Programms im Jahr 2022 dürften weitere 8 Milliarden Euro in Smart-City-Vorhaben fließen, schätzt das federführende Ministry of Housing and Urban Affairs.

Die verbleibenden 1.300 Projekte werden ab dem Frühjahr 2020 ausgeschrieben, so die Pläne der Ministeriums. Bis zum Ende des Finanzjahres 2022/23 (1. April bis 31. März) sollen dann alle Vorhaben abgeschlossen sein. Die Zentralregierung beteiligt sich bis dahin weiter an der Finanzierung. Im laufenden Haushalt werden hierfür Mittel von rund 1,5 Milliarden Euro bereitgestellt. Den Großteil der Kosten müssen die Städte aber selbst schultern. Dazu wurden eigens Zweckgesellschaften (Special Purpose Vehicle) gegründet. Viele Vorhaben werden zudem über öffentlich-private Partnerschaften finanziert.

Indiens "Smart City Mission 2.0" ist bereits in Vorbereitung

Die indische Regierung will gleich im Anschluss an die für 2020 geplante Tenderrunde mit der "Smart City Mission 2.0" starten. Damit wird das Programm auf 4.000 indische Städte ausgeweitet. Ziel ist es, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, den öffentlichen Raum lebenswerter zu gestalten und die Verkehrsinfrastruktur zu verbessern. Die Projektpipeline dürfte daher auch für die nächsten Jahre weiter gut gefüllt bleiben, erwartet die Unternehmensberatung EY.

Auch dürften die Vorhaben künftig zügiger ausgeschrieben und implementiert werden. Hier hatte es in den ersten zwei Jahren erhebliche Verzögerungen gegeben. Denn zunächst mussten die 100 Städte ausgewählt und die Finanzierung auf die Beine gestellt werden. Vor allem in den kleineren Städten gab es zudem personelle Engpässe in der Verwaltung, wodurch sich die Umsetzung weiter verzögerte.

Zahl der ausgeschriebenen Projekte seit Juni 2018 verdreifacht

Doch das hat sich nach Einschätzung von Deloitte India inzwischen gebessert. Waren im Juni 2018 erst 1.363 Vorhaben ausgeschrieben, waren es im September 2019 bereits knapp 4.000. Informationen zum Ausschreibungsprozess sowie die aktuellen Tender der an der "Smart City Mission" teilnehmenden Städte sind auf der zentralen Internetplattform unter http://smartcities.gov.in abrufbar.

Die südindische Hafenstadt Mangaluru hatte im Juni 2019 angekündigt, insgesamt 125 Millionen Euro in 44 Smart-City-Projekte zu investieren. Die Hauptstadt der beiden Bundesstaaten Punjab und Haryana, Chandigarh, will in Kürze Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von 14 Millionen Euro ausschreiben. Unter anderem sollen Bike-sharing- sowie E-Government-Dienste in der nordindischen Millionenstadt eingeführt werden.

Mit einem Investitionsvolumen von umgerechnet 5,4 Milliarden Euro entfällt der Großteil der bislang ausgeschriebenen Projekte auf stadtplanerische Maßnahmen. Ziel ist es, den öffentlichen Raum für alle sicherer zu machen - beispielsweise durch getrennte Bereiche für Fußgänger, Fahrradfahrer und Autos, verbesserte Verkehrssignaltechnik und Fahrbahnmarkierungen sowie Straßenbeleuchtung. In vielen indischen Städten gibt es hier noch enormen Nachholbedarf.

Einige Smart-City-Städte wie Ahmedabad, Chennai und Tiruppur haben bereits ihre Straßenbeleuchtung zumindest teilweise auf LED umgestellt, um Energie zu sparen. Die nordindische Stadt Amritsar hat gerade damit begonnen, 35.000 LED-Leuchten zu installieren.

Intelligente Verkehrskontrollsysteme sollen Indiens Städte sicherer machen

Der städtische Transport ist ein weiterer Schwerpunkt der "Smart City Mission". Hier wurden bislang Projekte mit einem Investitionsbedarf von 4,4 Milliarden Euro ausgeschrieben. Im Mittelpunkt stehen intelligente Verkehrsüberwachungs- und -steuerungssysteme, mit deren Hilfe der Verkehrsfluss verbessert und die Einhaltung von Verkehrsregeln kontrolliert werden sollen. Im Zuge der bereits realisierten Projekte wurde eine Überwachungsinfrastruktur aufgebaut und Kontrollzentren, in denen Polizei und Rettungsdienste koordiniert werden, eingerichtet.

In Ahmedabad (Gujarat) laufen beispielsweise die Daten von 30.000 miteinander vernetzten Geräten (IoT-Devices) - darunter 6.500 Überwachungskameras, 1.300 Abfallsammelfahrzeuge, 600 öffentliche WLAN-Hotspots und 50 Sensoren zur Überwachung der Luftqualität - in einem Kontrollzentrum zusammen. Im südindischen Hyderabad überwachen inzwischen 100.000 Kameras den Verkehr und geben die Informationen an die Leitstelle weiter.

Indiens Smart City Mission bietet Potenzial für zivile Sicherheitstechnik

Die geplanten Projekte eröffnen auch interessante Geschäftschancen für Anbieter von ziviler Sicherheitstechnik. So fragen die indischen Städte zunehmend Kameras mit Gesichts- oder Nummernschilderkennungsfunktion nach. Auch Analyse- und Auswertungstools für die Videoüberwachung sind zunehmend gefragt. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in vielen indischen Städten sorgt dabei für weiteres Absatzpotenzial.

E-Government-Lösungen bilden einen weiteren Schwerpunkt der Smart-City-Initiative. Hier wurden bislang Projekte mit einem Investitionsvolumen von knapp 3 Milliarden Euro ausgeschrieben und zum Teil auch schon erfolgreich realisiert. Die Verwaltung der Hauptstadt New Delhi hat beispielsweise eine mobile Applikation entwickelt, mit der zahlreiche kommunale Dienste wie die Beantragung von Geburts- und Sterbeurkunden von den Bürgerinnen per Smartphone in Anspruch genommen werden können. Die App liefert zudem Informationen zur Verkehrs- und Parkplatzsituation sowie zur Luftqualität.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indien können Sie unter http://www.gtai.de/indien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indien Bauwirtschaft, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung, Signal-, Sicherheitstechnik (nicht Zugangs-Kontrolltechnik), Zugangs-Kontrolltechnik, Biometrie, etc., Hochbau, Digitalisierung, Urbanisierung, Stadtentwicklung

Funktionen

Wilma Knipp Wilma Knipp | © GTAI

Kontakt

Wilma Knipp

‎+49 228 24 993-259

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche