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07.09.2018

Indiens Textilmaschineneinfuhr wächst nur leicht

Besseres Wachstum für 2019 erwartet / Von Rainer Jaensch

New Delhi (GTAI) - Die indische Einfuhr an Textilmaschinen steigt nur langsam, auch aus Deutschland. Importe aus China legen dagegen zweistellig zu. Lokale Fertigung und Maschinenexport nehmen zu.

Das schwache Wachstum der indischen Textilmaschineneinfuhr 2016 und 2017 dürfte auch 2018 keine großen Sprünge machen. Dazu geben Ausfuhr und Produktion von Textilien, die bislang eher stagnierend bis rückläufig sind, noch keinen Anlass. Die Regierung hat zwar im August 2018 einige Hilfsmaßnahmen für die Textilindustrie auf den Weg gebracht. Auch hat der Textilexport im Juli 2018 nach Rückgängen in den Vormonaten wieder zugenommen.

Von einer Kehrtwende zu sprechen erscheint jedoch verfrüht. "Das Wachstum des Textilmaschinenmarktes ist bislang flach und dürfte auch bis Ende 2018 keine großen Veränderungen erfahren", konstatierte Saravanan Radhakrishnan, Director Sales & Service von Stoll India Pvt. Ltd. gegenüber Germany Trade & Invest. Ein besseres Wachstum erwartet er 2019, wenn jetzt geplante Projekte zum Zuge kommen. Stark ist derzeit die Nachfrage nach Kettenwirk- und Rundstrick- und in naher Zukunft nach Flachstrickmaschinen.

Fast ein Drittel der Textilfirmen setzen auf moderne Technik

Zu den strukturellen Schwächen der indischen Textilindustrie gehört nach Einschätzung anderer Technologieanbieter das immer noch niedrige Lohnniveau und der Fachkräftemangel. Damit werden auch schnellere Geschwindigkeiten der Maschinen und eine höhere Produktivität ausgebremst. Mit diesen Attributen sowie einer weiten Anwendungsbreite glänzen jedoch deutsche Produktionsmittel. Teilweise gelten sie auch als "übertechnisiert". Hinzu kommt der relativ hohe Preis verknüpft mit dem Wunsch des Kunden nach einer schnellen Amortisierung der Investition. Die Bereitschaft, in komplexe und teure Produktionstechnik zu investieren, ist somit in der Breite der Textilindustrie noch nicht vorhanden.

Rund 30 Prozent der indischen Textilhersteller, vorrangig auf den Export fokussiert, sind durchaus qualitätsbewusst. Sie kommen als Käufer fortschrittlicher Produktionsmittel in Betracht, konstatiert ein deutscher Anbieter von Textiltechnik im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Vor allem Spinnereien und Webereien produzieren auf hohem Technologieniveau. Die arbeitsintensive Bekleidungsbranche liegt in dieser Hinsicht noch zurück.

Maschineneinfuhr aus China zieht kräftig an

Ist die Einfuhr an Textilmaschinen 2016 lediglich um 0,7 Prozent gestiegen, nahm sie 2017 auch nur um 3,0 Prozent zu. Nur Düsenspinnmaschinen liefen fast mit Verdreifachung auf Hochtouren. Im Veredelungsbereich bis hin zu Nähmaschinen ging die Einfuhr jedoch zurück.

Ganz anders sah es bei den Importen aus China aus. Mit einem Einfuhranteil von 38,6 Prozent das mit Abstand größte Lieferland legte 2017 noch einmal um satte 17,2 Prozent zu. Hierbei helfen niedrige Preise und attraktive Zahlungsbedingungen, konstatieren deutsche Konkurrenten. Die Einfuhr aus Industrieländern nahm dagegen ab oder wuchs nur schwach. Deutschland mit einem Importanteil von 17,7 Prozent legte nur um 1,3 Prozent zu, während Japan mit einem Anteil von 14,8 Prozent bei der Einfuhr um 16,2 Prozent einbüßte. Italien, das 7,1 Prozent der Importe stellte, legte um 2,9 Prozent zu, während die schweizerischen Lieferanten mit einem Anteil von 4,3 Prozent einen Rückgang um 27,8 Prozent verbuchten.

Das Label Made in Germany ist bei Spinn- und Hilfsmaschinen stark vertreten. Dieses zeigen auch die Zahlen des Fachverbands Textilmaschinen des Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA). So war Indien 2017 mit einem Verkaufswert von 207 Millionen Euro (2016: 190 Millionen Euro) der zweitwichtigste Exportmarkt deutscher Spinnereimaschinen nach China. Bei deutschen Webereimaschinen lag Indien 2017 mit einem Exportwert von 8 Millionen Euro an fünfter Stelle. Bei Textilveredelungsmaschinen taucht es hingegen unter den sechs wichtigsten Exportmärkten für deutsche Maschinen nicht auf.

Indiens Einfuhren ausgewählter Textilmaschinen (in Mio. US$)
HS-Position Warenbezeichnung 2016 2017 Davon aus Deutschland (2017)
8444 Düsenspinnmaschinen 32 84 39
8445 Spinnmaschinen 380 385 127
8446 Webmaschinen 495 468 6
8447 Wirk-, Strickmaschinen 445 451 69
8448 Hilfsmaschinen 339 381 100
8449 Maschinen zum Herstellen von Filz oder Vliesstoffen 29 33 2
8451 Maschinen zum Waschen, Trocknen, Bügeln, Beschichten 241 231 46
8452 Nähmaschinen 243 238 13
Insgesamt 2.204 2.271 402

Quelle: UN Comtrade

Inländische Maschinenproduktion zieht an

Etwas besser als für die Importeure läuft es für inländische Hersteller von Textilmaschinen. Ihre Produktion wuchs im Fiskaljahr 2016/17 (1. April bis 31. März) um 1,1 Prozent und dürfte nach Schätzungen des Herstellerverbandes Textile Machinery Manufacturers Association (TMMA) 2017/18 um 3,8 Prozent zugelegt haben. Wachstumstreiber sind dabei die Spinnereimaschinen, die auch 2018/19 rund laufen dürften. Besser als der Binnenabsatz floriert der Export von Textilmaschinen, der 2016/17 um 3,7 Prozent und 2017/18 um 20,6 Prozent zugenommen haben soll.

Markt für Textilmaschinen einschließlich deren Teile und Ausrüstungen (in Mio. US$) 1)
2015/16 2016/17 2017/18 2)
Produktion 955,0 965,2 1.001,5
Exporte 341,2 353,8 426,6
Importe 1.495,6 1.465,6 1.551,1
Inlandsabsatz 2.109,4 2.077,0 2.126,0

1) Wechselkurs: 1 US-Dollar (US$) = 68,9 indische Rupien (iR); 2) Schätzung; Fiskaljahr

Quelle: Textile Machinery Manufacturers Association (TMMA)

Angesichts der nur schwach steigenden Importe und der stärker wachsenden Exporte nimmt der Anteil der in Indien abgesetzten Textilmaschinen ab, konstatiert der TMMA. Die Kapazitätsauslastung der Textilmaschinenindustrie nahm 2017/18 mit 63 Prozent (2016/17: 60 Prozent) wieder etwas zu.

Rund 300 Unternehmen stellen in Indien Textilmaschinen her, während 700 Firmen Teile und Ausrüstungen fertigen. Die meisten sind klein bis mittelständisch, wollen sich aber technologisch weiterentwickeln. Bei Spinnereimaschinen, die mit 55 Prozent das Gros der Produktpalette stellen, erreichen einige lokale Hersteller durchaus ein international wettbewerbsfähiges Niveau. Aufgrund des großen Absatzmarktes und unterstützt durch die staatliche Kampagne Make in India fertigen auch ausländische Hersteller Textilmaschinen in Indien, etwa das deutsche Unternehmen Trützschler.

Produktion von Textilmaschinen in Indien (in Mio. US$) 1)
Kategorie 2016/17 2017/18 2)
Spinn- und verwandte Maschinen 524,7 553,7
Synthetikgarnmaschinen 58,1 55,9
Web- und verwandte Maschinen 130,6 128,4
Veredelungsmaschinen 92,2 94,3
Diverse Maschinen (Spinn-, Web-, Veredlungs- und Jutemaschinen) 4,4 5,1
Textilmess- und Testgeräte 14,5 18,9
Wirkmaschinen und -nadeln 9,4 11,6
Maschinen insgesamt 833,8 867,9
Ersatzteile und Ausrüstungen 131,3 133,5
Gesamt 965,2 1.001,4

1) Wechselkurs: 1 US$ = 68,9 iR; 2) Schätzung; Fiskaljahr vom 1. April bis 31. März

Quelle: Textile Machinery Manufacturers Association (TMMA)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indien können Sie unter http://www.gtai.de/indien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indien Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Textil- und Ledermaschinen

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