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23.08.2019

Indonesien baut seine Zuckerverarbeitung aus

Neue und erweiterte Raffinerien und Fabriken sollen wachsende Nachfrage bedienen / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Der Großteil der indonesischen Zuckermühlen stammt noch aus der Kolonialzeit. Auch die Raffinierungskapazitäten müssen mit dem heimischen Bedarf wachsen.

Indonesiens Zuckerverbrauch steigt durch das Bevölkerungswachstum und veränderte Konsumgewohnheiten um schätzungsweise 5 bis 6 Prozent jährlich. Die heimische Zuckerrohrproduktion sowie die Verarbeitungskapazitäten können damit kaum Schritt halten. Deshalb müssen die veralteten Zuckermühlen modernisiert und neue Raffinieren und andere Fabriken zur Verarbeitung von importiertem Rohzucker gebaut werden.

Die Datenlage zur indonesischen Zuckerbranche ist uneinheitlich. Informationen des Zuckerverbandes (AGI), des Verbandes der Zuckerraffinerien (AGRI), von Branchenberichten sowie Zahlen des Statistikamtes widersprechen sich teilweise. Einen Ausbau- und Modernisierungsbedarf sehen aber alle Quellen.

So ist von zwölf geplanten neuen Zuckermühlen und zwei weiteren Verarbeitungsbetrieben die Rede, die bis 2020 ihren Betrieb aufnehmen sollen. Die Investitionssumme soll laut Analysten der Bank Mandiri bei umgerechnet circa 2,1 Milliarden US-Dollar (US$) liegen. Langfristig dürfte die stark steigende Nachfrage nach dem Grundnahrungsmittel weitere Investitionen erfordern. Auch über die Anzahl bestehender Betriebe gibt es unterschiedliche Angaben. Einige Quellen sprechen von 48 staatlichen und 17 privaten größeren Verarbeitungsbetrieben.

Als technologisch veraltet gelten vor allem die Zuckermühlen, die das Zuckerrohr auspressen. Sie stammen vielfach noch aus der Kolonialzeit und lassen zu große Mengen des Rohstoffs ungenutzt. Der aktuelle Jahresbericht des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) zur indonesischen Zuckerbranche zählt 59 Zuckermühlen, von denen 40 älter als 100 Jahre und nur sechs jünger als 25 Jahre seien. Bis 2020 würden zwölf davon aufgrund von Ineffizienz ihren Betrieb einstellen.

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Heimische Ernte reicht nicht aus

Das USDA zählt außerdem 11 Zuckerraffinerien, die importierten Rohzucker verarbeiten, mit einer Gesamtkapazität von 5 Millionen Tonnen. Sie sind demnach zu etwa drei Vierteln ausgelastet. Noch sind deren Verarbeitungskapazitäten groß genug, sodass kaum raffinierter Zucker eingeführt werden muss. Doch mittelfristig müssen sie expandieren. Lediglich bei raffiniertem Spezialzucker, der im Land nicht hergestellt werden kann, herrscht weiter Importbedarf.

Die indonesische Regierung hat ein großes Interesse an der Modernisierung der Branche. Denn sie hat sich die Selbstversorgung mit Zucker auf die Fahne geschrieben. Doch davon entfernt sich der Archipel immer weiter. Mittlerweile ist Indonesien weltgrößter Importeur von Rohzucker. Im Jahr 2018 mussten fast 5 Millionen Tonnen eingeführt werden. Sie kosteten 1,8 Milliarden US$ und kamen überwiegend aus Thailand und Australien. Indonesiens jährlicher Zuckerbedarf wird auf 6,6 Millionen Tonnen geschätzt, die heimische Produktion erreicht jedoch nur ein Drittel davon.

Hauptgrund für die Diskrepanz ist die Schwäche im Zuckerrohranbau. Denn Anbauflächen schrumpfen und Erträge sinken. Die großen Plantagen liegen vor allem in Ostjava und Südsumatra. Mehr als die Hälfte der Flächen entfällt nach Angaben des Statistikamtes auf Kleinbauern. Sie arbeiten unproduktiv, können sich keine Technologie leisten und nutzen wenig ertragreiche Sorten. Auch hier sind Investitionen notwendig.

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Staatliche festgelegte Preisgrenzen

Indonesiens Zuckermarkt ist stark reguliert. Die Regierung setzt die Obergrenzen der Einzelhandelspreise fest. Zudem darf raffinierter Zucker, der aus importiertem Rohzucker gewonnen wird, nicht in den Handel gelangen - denn der Zucker für den Hausgebrauch soll aus heimischem Anbau kommen. Der Import für den wachsenden Bedarf der Nahrungsmittelbranche hingegen erfolgt nach staatlich festgelegten Quoten und richtet sich nach dem Bedarf, den der heimische Anbau nicht decken kann.

Nach Angaben von AGRI ist es für ausländische Investoren schwierig, in die Zuckerverarbeitung einzusteigen, weil sie dafür gleichzeitig Zuckerrohrplantagen betreiben müssen. Interessenten aus Indien hätten ihre Versuche deshalb aufgegeben. Und selbst für einheimische Unternehmen sei das oftmals eine zu hohe Hürde.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Asosiasi Gula Rafinasi Indonesia https://www.agri.or.id Verband indonesischer Zuckerraffinerien
Asosiasi Gula Indonesia (AGI) http://asosiasigulaindonesia.org Indonesischer Zuckerverband
Andalan Petani Tebu Rakyat Indonesia (APTRI) http://www.aptri.or.id Verband der Zuckerrohrproduzenten

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Pflanzenproduktion, Nahrungsmittel

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