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15.05.2019

Indonesien investiert Milliarden in seine Stromnetze

Ausländische Marktteilnehmer müssen vor Ort fertigen / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Wer beim Ausbau der indonesischen Stromnetze dabei sein will, muss sich Local-Content-Regeln beugen. Schon in wenigen Jahren werden fast alle Komponenten im Land hergestellt werden.

Indonesien wird in den kommenden Jahren viele Milliarden US-Dollar in den Auf- und Ausbau seiner Stromnetze investieren. Der Zehnjahresplan (2019 - 2028) des staatlichen Strommonopolisten PLN sieht den Ausbau des Übertragungsnetzes um rund 57.000 Stromkreiskilometer vor. Das entspricht einer Verdoppelung der bestehenden Länge. Hinzu kommt der Ausbau des Verteilnetzes um rund 430.000 Stromkreiskilometer - das wäre eine Steigerung um gut 40 Prozent. Zudem sollen zusätzliche Umspannwerke mit einer Stromstärke von zusammen 124.000 Megavoltampere installiert werden. Das entspricht einem Ausbau der bestehenden Kapazität um 70 Prozent.

Es gibt acht größere Stromnetze im Archipel, die in Zukunft einmal miteinander verbunden werden sollen. Das mit Abstand größte ist das Java/Bali-Netz, das etwa zwei Drittel der Bevölkerung sowie einen Großteil der verarbeitenden Industrie mit Elektrizität versorgt. Diese größeren Stromnetze müssen ausgebaut und veraltete Teile erneuert werden. Denn der Elektrizitätsbedarf des Landes steigt laut Zehnjahresplan um 6,4 Prozent per anno. Das entspricht einer Verdoppelung in elf Jahren.

Darüber hinaus bestehen in dem Archipel mit seinen 16.000 Inseln, von denen etwa 6.000 als bewohnt gelten, Hunderte kleinere Stromnetze. Sie haben alle eine eigenständige Elektrizitätsproduktion: die größeren von ihnen auf Basis von Kohlekraftwerken, die kleineren von Gaskraftwerken oder Dieselgeneratoren. In manchen besonders entlegenen Regionen müssen Stromnetze erst aufgebaut werden. Der Aufbau von Verteilungsnetzen gilt dabei pro Kilometer als doppelt so teuer wie der von Übertragungsnetzen.

Die Elektrifizierung des Landes hat höchste politische Priorität. Laut offiziellen Zahlen haben derzeit 98 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Elektrizität (Marktbeobachter schätzen die wirkliche Zahl allerdings niedriger ein). Dem Ziel der Elektrifizierungsrate von 100 Prozent bis 2020 kommt eine symbolische Bedeutung zu - als der endgültige Übergang vom Entwicklungs- zum Schwellenland.

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Local-Content-Anforderungen steigen

Die Stromnetze in Indonesien gehören PLN und werden in der Regel auch von PLN aufgebaut. An den Orten, wo sie von sogenannten Independent Power Producern (IPP) aufgebaut werden, werden sie nach einem bestimmten Zeitraum in die Hände von PLN übergeben. Der staatliche Strommonopolist macht auch die Ausschreibungen für den Netzausbau, die von Marktteilnehmern als transparent beschrieben werden. Fester Bestandteil sind dabei Local-Content-Anforderungen, denn Indonesien hat großes Interesse an der Produktion von Komponenten im eigenen Land.

Derzeit, so schätzen Branchenexperten, beträgt der Local-Content-Anteil über alle Produktgruppen hinweg im Durchschnitt etwa 30 bis 35 Prozent. Doch schon in wenigen Jahren, so prognostizieren sie, wird der weitaus größte Teil in Indonesien hergestellt werden. Ausnahme bilden dann nur noch Spezialkomponenten. Ausländische Unternehmen, die ins Geschäft kommen wollen, benötigen deshalb eine Produktion vor Ort.

Zu den wichtigsten ausländischen Marktteilnehmern im Netzausbau gehören Siemens, ABB und General Electric. Hersteller von Spezialteilen liefern zumeist ihnen zu. Anbieter aus Japan oder Südkorea haben keine stärkere Marktposition. Auch chinesische Unternehmen, die nach einigen gescheiterten Kraftwerksprojekten einen schlechten Ruf in der Branche haben, sind am Netzausbau zumeist nicht beteiligt.

Keine flächendeckenden Stromtankstellen in Sicht

Experten drängen vor allem auf einen Ausbau des unterdimensionierten Java/Bali-Stromnetzes, an das immerzu neue Kraftwerke angeschlossen werden. Sie haben bereits Wahrscheinlichkeiten ausgerechnet, zu denen es zu einem umfassenden Blackout kommt - von dem dann 160 Millionen Menschen auf einer Fläche knapp größer als Ostdeutschland betroffen wären. Regionale Stromausfälle gehören seit jeher zum Alltag.

Die indonesischen Stromnetze würden einen Ausbau volatiler erneuerbarer Energien wie Solarkraft bewältigen oder könnten mit geringem Aufwand nachgerüstet werden. Dass Ballungszentren aber flächendeckend Stromtankstellen für Elektromobile aufbauen, halten Fachleute für unrealistisch. Viel zu aufwändig und teuer wäre die Nachrüstung der Netze. Bisher gibt es nur eine Handvoll Ladestationen in der Stadt. So hat unter anderem Mercedes in Eigenregie an zwei Orten welche installiert.

Die schlechten Voraussetzungen für eine breite Versorgung mit Stromladestationen wirft ein Licht auf den Wert offizieller Verlautbarungen: Denn nach Angaben des indonesischen Industrieministeriums soll bis 2025 jedes vierte verkaufte Auto ein Elektromobil sein - und möglichst auch im Land produziert werden. Die Frage, wo sie aufgeladen werden sollen, wurde dabei offenbar nicht bedacht.

PLN geht in seinem Zehnjahresplan jedenfalls davon aus, keine zusätzlichen Investitionen tätigen zu müssen. Schließlich würden Elektromobile zwischen zehn Uhr abends und vier Uhr morgens an der heimischen Steckdose geladen werden - dann, wenn genügend Strom im Netz verfügbar ist.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Stromübertragung und -verteilung, Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik

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