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08.10.2019

Indonesien lässt Zolllager in Selbstverwaltung zu

Vereinfachte Ein- und Ausfuhrabwicklung soll Exporte fördern und Investitionen anlocken / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Indonesien will für Unternehmen die Einfuhr von Vorprodukten sowie die Ausfuhr von Exportgütern vereinfachen. Vor allem die Textilindustrie erwartet Wettbewerbsvorteile.

Die indonesischen Zollbehörden geben 119 der 1.372 bestehenden Zolllager (Bonded Zones, Indonesisch: "Kawasan Berikat") im Land das Recht zur Selbstverwaltung (Self-Managed Bonded Zones, Indonesisch: "Kawasan Berikat Mandiri"). Dadurch soll für exportorientierte Unternehmen - die oftmals gleichzeitig auf den Import von Vorprodukten und Halbwaren angewiesen sind - die zeitraubende Zollabwicklung beschleunigt werden. Die Maßnahme zielt darauf ab, die Exporte zu steigern und Investitionen anzuziehen.

In diesen Industriezolllagern können Vormaterialien zur Be- und Verarbeitung abgabenfrei aus dem Ausland eingeführt werden. Dieses Verfahren wird in der Regel für die Produktion von Exportwaren angewandt. Die indonesischen Zolllager in Selbstverwaltung können nun ihre Im- und Exporte ohne die obligatorische Prüfung von Produkten, Transportmitteln oder Sicherheitsstandards durch die Zoll- und Steuerbehörden abwickeln. Stattdessen gibt es elektronische und nur noch stichprobenartig persönliche Prüfungen. In den betreffenden Zolllagern werden Kameras installiert. Die Betreiber müssen ihre IT-Systeme kompatibel zum Steuer- und Zollsystem CEISA der Behörden machen.

Laut der Roadmap der indonesischen Zollbehörden wird es 2020 bereits 500 Zolllager in Selbstverwaltung geben. Bis 2022 sollen dann alle Zolllager ohne physische Prüfungen arbeiten. Die bestehenden Zolllager sind nahezu ausschließlich auf Java und insbesondere im Großraum Jakarta angesiedelt, wo ein erheblicher Anteil der exportorientierten Unternehmen angesiedelt ist.

Die Europäische Handelskammer (EuroCham) in Jakarta begrüßt die neue Regelung und hat bereits positives Feedback von europäischen Unternehmen erhalten. Vor allem exportseitig erspare die neue Regelung Zeit und Geld. Laut Finanzministerium soll die Einrichtung der Selbstverwaltung die Warenausfuhr von Zolllagern um 30 Prozent steigern. Derzeit generieren die Zollager Exporte im Wert von 6,1 Milliarden US-Dollar (US$). Das entspricht etwa 3 Prozent der Gesamtexporte Indonesiens.

Vorteil für die Textilindustrie

Insbesondere die Textilindustrie sieht Vorteile. Der Branchenverband API sagte, dass diese Maßnahme überfällig sei, man könne nun jederzeit ohne Verzögerung Ware exportieren. Die Branche hat in den vergangenen Jahren Marktanteile gegenüber der Konkurrenz aus Vietnam, Indien und Bangladesch verloren.

Eine Ursache dafür sind die längeren Lieferzeiten. Denn die sogenannte Lead Time, der Zeitraum zwischen der Fertigstellung der Ware und ihrem Empfang am Bestimmungsort, ist in Indonesien mit bis zu 120 Tagen doppelt so lang wie bei den internationalen Wettbewerbern. Deshalb kann weniger flexibel auf Kundenwünsche reagiert werden.

Der indonesische Textil- und Bekleidungssektor beschäftigt inklusive der Schuhfertigung drei Millionen Menschen und war 2018 mit einem Ausfuhrwert von knapp 14 Milliarden US$ die drittwichtigste Exportbranche hinter der Kohle- und Palmölindustrie. Auch deutsche Branchenunternehmen produzieren vor Ort. So fertigt beispielsweise die Seidensticker Group im zentraljavanischen Semarang etwa 8 Prozent ihrer gesamten Produktionsmenge. Bereits seit den 1980er-Jahren kauft Seidensticker vor Ort ein.

Öffnung der Wirtschaft wird diskutiert

Die neue Regelung ist Teil der Bemühungen der Regierung, den Export zu stärken. Denn die Außenhandelsbilanz ist nach drei Jahren des Überschusses 2018 ins Minus gerutscht. Auch in den ersten acht Monaten 2019 steht ein Defizit zu Buche. Und die ausländischen Direktinvestitionen drohen im zweiten Jahr in Folge zu sinken (zumindest in US-Dollar gerechnet).

Im Archipel gibt es eine breite Diskussion über eine Öffnung der Wirtschaft, um Know-how und Technologie ins Land zu bringen und dringend benötigte Arbeitsplätze zu schaffen. Für den wiedergewählten Präsidenten Joko Widodo steht das Einwerben von Investitionen weit oben auf der Agenda. So wird beispielsweise eine baldige Liberalisierung der Negative Investment List (DNI) erwartet, die für ausländische Unternehmen geschlossene Bereiche definiert.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Direktorat Jenderal Bea dan Cukai http://www.beacukai.go.id Zollbehörde (im Finanzministerium)
Indonesia National Single Window (INSW) http://www.insw.go.id Plattform zur Integration der Im- und Exportabwicklung

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Zolltarif, -wert, -verfahren, Warenursprung, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik

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