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02.10.2019

Indonesien plant in Jakartas Nachbarstadt Bogor eine Straßenbahn

Weitere Bahnstrecken in der Diskussion / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Auch Bogor wird dem wachsenden Autoverkehr kaum noch Herr. Deshalb soll eine Straßenbahn mit acht Stationen im Stadtzentrum Erleichterung schaffen.

Die etwa 50 Kilometer südlich vom Zentrum Jakartas gelegene Stadt Bogor soll eine Straßenbahn bekommen. Noch befinden sich die Planungen in einem frühen Stadium, doch eine mögliche Streckenführung ist bereits bekannt: Die Linie soll mit acht Stationen den im Stadtzentrum liegenden, 87 Hektar großen botanischen Garten umfahren und südöstlich davon ihre Endstation haben. Dort ist ein Anschluss an die Bahnstrecke nach Jakarta geplant. Sie soll täglich 280.000 Menschen befördern.

Die Stadtverwaltung von Bogor arbeitet mit dem französischen Unternehmen Colas Rail an einer Machbarkeitsstudie. Die Planungen sind aber offenbar so weit fortgeschritten, dass Bogors Vizebürgermeister Dedie Rachim Mitte September 2019 im niederländischen Utrecht mögliche Straßenbahnmodelle in Augenschein genommen hat.

Das in der Provinz Westjava gelegene Bogor mit seinen etwa 1,1 Millionen Einwohnern ist Teil des Jabodetabek (Jakarta-Bogor-Depok-Tangerang-Bekasi) genannten Großraums Jakarta. Wegen seiner erhöhten Lage dient es als Sommerfrische für gestresste Städter. Sein weltbekannter botanischer Garten (Kebun Raya) gehört zu den meistfrequentierten Touristenattraktionen des Archipels.

Hauptgrund für die Planungen ist das Verkehrschaos im Stadtzentrum. Wie in allen größeren Städten des Archipels ist auch in Bogor Dauerstau der Normalzustand. Ursache dafür ist nicht nur der Individualverkehr, sondern laut Stadtverwaltung auch die hohe Anzahl an Minibussen. Sie können etwa zehn Passagiere befördern und halten auf vorgegebenen Strecken an jeder gewünschten Stelle. Mehr als 6.400 von ihnen soll es in Bogor und Umgebung geben.

Weitere Bahnverbindung soll Bergregion erschließen

Außerdem gibt es Überlegungen, eine LRT-Bahn (Light Rapid Transit) von Bogor bis nach Puncak zu bauen. Diese südöstlich von Bogor beginnende Bergregion mit ihren Teeplantagen ist ein beliebtes Wochenend-Ausflugsziel für die Einwohner Jakartas. Größtes Problem dabei sind An- und Abreise. Denn das hohe Automobilaufkommen am Samstag und Sonntag ist nur noch dadurch zu bewältigen, dass jeweils morgens und nachmittags nur eine Fahrtrichtung zugelassen ist - wer dann in die andere Richtung will, muss mehrere Stunden warten.

Präsident Joko Widodo hatte im Rahmen seiner Infrastrukturoffensive die Abteilung für die Verkehrsplanung des Großraums Jakarta innerhalb des Transportministeriums (BPTJ) mit einer Untersuchung eines solchen Streckenbaus beauftragt. Das Projekt befindet sich noch in der Diskussionsphase. Die Kosten wären erheblich und der Bau würde viele Jahre dauern, denn dort geht es auf Höhen von über 1.000 Meter.

Technisch anspruchsvolle und längere Bahnstrecken haben in Indonesien bisher ausländische Anbieter gebaut. Die erste Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke zwischen Jakarta und dem 140 Kilometer entfernt liegenden Bandung entsteht gerade unter chinesischer Federführung und soll 2021 fertiggestellt sein. Der voraussichtlich 2022 beginnende Bau einer 715 Kilometer langen Bahnverbindung zwischen Jakarta und Surabaya wird von der japanischen Entwicklungsorganisation JICA finanziert.

Immer mehr Städte bauen den öffentlichen Nahverkehr aus

Angesichts der desolaten Verkehrssituation in Indonesiens Städten, die die Mobilität und damit auch das Geschäftsleben erheblich beeinträchtigen (und die für die negative Außenhandelsbilanz des Mineralölimporteurs Indonesien mitverantwortlich ist), denken Verantwortliche in immer mehr Städten über den Auf- und Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs nach. Trendsetter ist Jakarta mit der im März eröffneten ersten Metrolinie sowie integrierten Bezahlsystemen für verschiedene Verkehrsmittel.

Andere ziehen nach: So ist in der Millionenstadt Palembang auf Sumatra, die im Sommer 2018 Mitausrichter der Asien-Spiele war, eine 25 km lange Stadtbahnlinie entstanden. Gebaut wurde sie von einem staatlichen Bauunternehmen. Die Kosten von etwa 800 Millionen US-Dollar (US$) wurden aus dem Staatshaushalt finanziert.

Indonesien hat einen eigenen Hersteller von Zügen und Wagons: PT Inka. Das Staatsunternehmen stellt unter anderem die städtischen Zubringerzüge her. Inka ist aktuell ein Joint Venture mit dem Schweizer Zughersteller Stadler eingegangen. Beide Unternehmen haben Ende September 2019 angekündigt, für 100 Millionen US$ eine gemeinsame Fertigungsstätte in Banyuwangi zu eröffnen, am östlichsten Zipfel der Insel Java.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Kota Bogor https://kotabogor.go.id Portal der Stadtverwaltung Bogor
Dephub http://www.dephub.go.id Transportministerium
Jabodetabek Transportation Administration Agency (BPTJ) http://bptj.dephub.go.id Abteilung für die Verkehrsplanung des Großraums Jakarta im Transportministerium
SIRUP (Sistem Informasi Rencana Umum Pengadaan) https://sirup.lkpp.go.id/sirup/ro Elektronische Datenbankfür Ausschreibungen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Transport und Verkehr, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau, Schienenfahrzeuge, Schienenverkehr, Öffentlicher-Personen-Nahverkehr (ÖPNV)

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