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11.07.2019

Indonesien schreibt 2019 drei Müllverbrennungsanlagen aus

Bis 2022 sollen zwölf Anlagen in Betrieb gehen / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Indonesien will sich seines Abfalls durch Müllverbrennungsanlagen (Waste-to-Energy) entledigen. Eine befindet sich bereits in der Ausschreibung, zwei weitere sollen noch 2019 folgen.

Das indonesische Energieministerium will 2019 insgesamt drei Müllverbrennungsanlagen ausschreiben: eine im westjavanischen Bandung, zwei weitere im vor den Toren Jakartas gelegenen Tangerang. Eine Anlage in Tangerang soll laut Ministerium bereits ausgeschrieben sein, die anderen beiden könnten noch im Juli und August 2019 folgen.

Bis 2022 sollen insgesamt zwölf Müllverbrennungsanlagen in Betrieb sein, mit einer gemeinsamen Stromerzeugungskapazität von 234 Megawatt. Die weiteren Standorte sind Palembang (Südsumatra), Bekasi (Westjava), Semarang und Surakarta (Zentraljava), Surabaya (Ostjava), Denpasar (Bali), Makassar (Südsulawesi) und Manado (Nordsulawesi).

Die Ausschreibungen erfolgen durch die jeweiligen Provinzen oder Städte, denen dabei die Auswahl eines regionalen Unternehmens vorbehalten bleibt. Die Projekte unterliegen ansonsten den allgemeinen staatlichen Ausschreibungsregeln und der Regulierung für Public-private-Partnership (PPP), die unter bestimmten Voraussetzungen eine Direktvergabe erlaubt.

MKT201907108013.14

Zuschuss für die Müllentsorgung

Grundlage für den Bau der Anlagen ist der Präsidialerlass No. 35/2018. Er regelt auch die Vergütung des produzierten Stroms. Bei Anlagen mit einer Kapazität bis 20 Megawatt liegt der Abnahmepreis des staatlichen indonesischen Strommonopolisten PLN bei 13,35 US-Dollar-Cent (US$-Cent) pro Megawattstunde, bei einer Kapazität von über 20 Megawatt sind es 14,54 US$-Cent pro Megawattstunde (minus einem Abschlag von 0,076 US$-Cent pro Megawatt Kapazität). Dies ist etwa doppelt so viel wie der (regional unterschiedliche) durchschnittliche Abnahmepreis für die meisten Energieerzeugungsformen von PLN in Java und Sumatra.

Die Auftragnehmer der jeweiligen Projekte werden aber nicht nur Stromerzeuger, sondern unterliegen auch den Regularien des Abfallmanagements. Dem Präsidialerlass zufolge erhalten sie für die dadurch anfallenden Gebühren einen staatlichen Zuschuss von maximal 500.000 Rupiah (circa 35 US$) pro Tonne Müll.

Wachsendes Müllproblem

Indonesien versucht mit den neuen Anlagen, sein Müllproblem zu verringern. Der Archipel produziert pro Tag schätzungsweise 190.000 Tonnen Müll. Ein Großteil des Haushaltsmülls ist nicht kompostierbar und landet vielfach auf nicht-versiegelten Deponien oder wird, wie vor allem in Dörfern üblich, auf offener Fläche verbrannt. Ein erheblicher Teil endet auch über Flüsse im Meer, wo er jahrzehntelang umhertreibt und auch an den Touristenstränden längst zu einem massiven Problem geworden ist. Der weltbekannte Kuta Beach auf Bali gleicht, wenn die Strömung ungünstig steht, einer Müllhalde.

Bereits 2016 hatte es einen Erlass zum Bau von Waste-to-Energy-Anlagen gegeben, der aber vom Obersten Gerichtshof blockiert wurde, weil er der Umweltgesetzgebung entgegenstand. Zudem gab es Proteste von Umweltschützern gegen den Bau von Müllverbrennungsanlagen, denn sie scheiden Schadstoffe und Klimagase aus.

Waste-to-Energy ist eine vergleichsweise neue Technologie in Indonesien. Prestigeprojekt ist eine gerade fertiggestellte kleinere Pilotanlage im südlich von Jakarta gelegenen Bekasi. Zwischen beiden Städten schwelt seit Langem ein Streit um die Kosten der Müllentsorgung. Denn Jakarta kippt pro Tag 7.000 Tonnen Abfall auf die große Deponie von Bantar Gebang in Bekasi, deren Gesamtkapazität von 50 Millionen Tonnen schon 2021 erreicht sein wird.

Die neue Pilotanlage kostete 63 Millionen US$ und hat laut Regierungsangaben einen Local-Content-Anteil von 65 Prozent. Die Dampfturbine stammt demnach aus indischer Produktion, andere Teile aus China. Die Anlage soll mit dem Verbrennen von 100 Tonnen Abfall am Tag 700 Kilowatt Strom erzeugen. Damit wird sie das örtliche Müllproblem aber nicht ansatzweise lösen.

Druck auf Politik steigt

Die Planungen der Regierung im Bereich Waste-to-Energy zielen weniger auf die Elektrizitätserzeugung. Sie ist gemessen am Strombedarf des Landes minimal und bleibt in der Effizienz hinter anderen Erzeugungsformen zurück. Im Fokus steht die Abfallentsorgung. Denn die großen Mengen an Müll in Flüssen, im Meer und auf den Straßen ist in den vergangenen Jahren zu einem nationalen Thema geworden. Müll verstopft Kanäle und begünstigt Überflutungen, verschreckt Touristen und fördert die Verbreitung von Krankheiten.

Zwar ist das Umweltbewusstsein in Indonesien längst nicht so ausgeprägt wie in entwickelten Ländern. Aber die mediale Aufmerksamkeit ist zuletzt kontinuierlich gestiegen, und zivilgesellschaftliche Umweltgruppen sind entstanden. Das hat den Druck auf die Politik erhöht, verstärkt Investitionen in das Abfallmanagement zu lenken.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
ESDM http://www.esdm.go.id Energieministerium
Inaproc http://inaproc.id Ausschreibungsdatenbank (mit umfassender Suchfunktion)
SiRUP (Sistem Informasi Rencana Umum Pengadaan) https://sirup.lkpp.go.id/sirup/ro Datenbank für Ausschreibungsankündigungen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Abfallentsorgung, Recycling, Deponie und Abfallaufbereitungsbau, Waste to Energy

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