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03.06.2019

Indonesien setzt Infrastrukturoffensive fort

Ausgaben in Höhe von 412 Milliarden US-Dollar zwischen 2020 und 2024 geplant / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Der Infrastrukturausbau bleibt auch in der zweiten Amtszeit von Präsident Joko Widodo im Fokus. Jedoch hängen viele Projekte am Privatsektor, der sich mit Investitionen zurückhält.

Indonesiens Planungsbehörde Bappenas hat erste Einzelheiten aus dem Entwurf des neuen Fünfjahresplanes (Medium Term Development Plan 2020 - 2024; RPJMN) verkündet. Demnach will das Land im genannten Zeitraum Infrastrukturprojekte im Rekordwert von knapp 6 Billiarden Rupiah auf den Weg bringen. Das entspricht 412 Milliarden US-Dollar (US$). Wann der offizielle Fünfjahresplan, der die grobe wirtschaftliche Entwicklung des Landes umreißt, veröffentlich werden wird, ist noch nicht klar.

Bisher sind nur Umrisse bekannt. Laut Bappenas-Chef Bambang Brodjonego sollen 60 Prozent der Ausgaben für Transportinfrastruktur verwendet werden, 17 Prozent für den Ausbau der Stromerzeugung und 10 Prozent für die Wasserwirtschaft. Unter anderem sollen 25 neue Flughäfen entstehen, 165 weitere sollen erweitert werden. Ob die Kosten für den geplanten Neubau einer neuen Hauptstadt auf Kalimantan (Borneo) Teil der genannten Gesamtsumme sind, ist nicht klar. Das Megaprojekt wird aber nach Angaben von Bappenas im Fünfjahresplan enthalten sein und vermutlich mit Kosten in Höhe von 33 Milliarden US$ zu Buche schlagen (mehr dazu im Artikel "Indonesien plant Bau einer neuen Hauptstadt bis 2024" unter http://www.gtai.de/MKT201905238007).

Laut Bappenas sollen 40 Prozent der 412 Milliarden US$ aus dem Staatshaushalt kommen, weitere 25 Prozent von den großen Staatsunternehmen. Demnach müssen 35 Prozent von privaten Investoren geleistet werden. Das entspräche 144 Milliarden US$. Doch sie waren in der Vergangenheit der große Unsicherheitsfaktor in den Berechnungen. Denn für sie sind die Risiken bei Infrastrukturprojekten groß - angefangen bei der oftmals schwierigen Landnahme über unabsehbare Verzögerungen bis hin zu mangelnder Rechtssicherheit. Gerade im Bereich der Transportinfrastruktur wurden viele Projekte deshalb mangels privater Mittel nicht realisiert.

Die geplanten Staatsausgaben für Infrastrukturprojekte von 2020 bis 2024 entsprechen laut Bappenas 5,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts dieses Zeitraums. Grundlage dafür ist eine Prognose für ein jährliches Wirtschaftswachstum zwischen 5,4 und 6 Prozent. Das ist im Vergleich zu den Schätzungen internationaler Institutionen eine optimistische Annahme.

Unsicherheitsfaktor Rupiah-Kurs

Der letzte Fünfjahresplan (2015 - 2019) hatte Infrastrukturausgaben in Höhe von 5,5 Billiarden Rupiah vorgesehen. Entsprechend dem Wechselkurs zum US-Dollar im Jahresdurchschnitt 2014 (1 US$ = 11.877 Rupiah), also zur Zeit der Erstellung des Planes, waren das etwa 460 Milliarden US$. Doch der Wert der Rupiah ist seitdem stark gefallen. Zum Wechselkurs von Mai 2019 (1 US$ = 14.300 Rupiah) entspricht die Summe nur noch etwa 390 Milliarden US$.

MKT201905318007.14

Welcher Anteil der geplanten Ausgaben realisiert wurde, ist schwer zu beziffern. Die Schwäche der Rupiah hatte jedenfalls behindernde Wirkung, denn Indonesien muss einen Großteil seiner Technologie - seien es Baumaschinen, Elektrotechnik oder Kraftwerkstechnologie - im Ausland einkaufen. Projekte mit hohem Importanteil sind in den vergangenen fünf Jahren erheblich teurer geworden.

Der Fünfjahresplan für die Entwicklung der indonesischen Wirtschaft ist traditionell nicht als wahrscheinliches Szenario zu sehen, sondern eher als eine Art Best Case. Die Wirklichkeit bleibt oftmals deutlich hinter den Planungen zurück. Das verdeutlicht ein Blick auf die aktuelle Ausgabe.

Die allgemeinen Wachstumsziele des Fünfjahresplanes 2015 - 2019 sind deutlich verfehlt worden: Das Wirtschaftswachstum sollte von 5,8 Prozent auf 8 Prozent steigen, tatsächlich wird aber nur ein durchschnittliches Plus von knapp über 5 Prozent zu Buche stehen. Auch das prognostizierte Wachstum der Industrie zwischen 6,1 und 8,6 Prozent pro Jahr hat sich nicht annähernd eingestellt. Tatsächlich lag es nur bei durchschnittlich knapp 4,3 Prozent.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Bauwirtschaft, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein

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